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DVD-Besprechung - Film Noir Collection #6: Du und Ich

Story:
Das Kaufhaus von Jerome Morris (Harry Carey) beschäftigt ehemalige Häftlinge, um einen Beitrag zu deren Resozialisierung zu erbringen. Helen Roberts (Sylvia Sidney) und Joe Dennis (George Raft) sind zwei dieser Betroffenen und verdingen sich dort ihren Lebensunterhalt als Verkäufer. Als sie sich ineinander verlieben, scheinen beide ihr Glück gefunden zu haben. Helen verschweigt Joe jedoch ihre eigene, kriminelle Vergangenheit. Dadurch verstrickt sie sich immer mehr in einem zunehmend komplexer werdenden Lügengespinst, weshalb nach und nach ein dunkler Schatten auf ihre Beziehung fällt, der auch dadurch weiter genährt wird, dass Joe wieder von seiner alten Bande kontaktiert wird.

Meinung zum Film:
„Du und ich“ ist die sechste Ausgabe der „Film Noir“-Reihe von Koch Media und war das dritte Werk der deutschen Regielegende Fritz Lang („Metropolis“) im US-Exil. Lang hatte bei diesem Film für Paramount Pictures viele Freiheiten und nutzte diese auch für zahlreiche Experimente, was sich hier u.a. in dem Sammelsurium unterschiedlichster verwendeter Genreversatzstücke äußert. „Du und ich“ wurde jedoch ein Flop und Lang bezeichnete ihn später auch als seinen ungeliebtesten Film. Dabei arbeitete er bei diesem Film bereits zum dritten Mal mit Sylvia Sidney („Sabotage“) als weiblicher Hauptdarstellerin zusammen und fand mit George Raft („Der Gläserne Schlüssel“) nicht nur eine fähige, charismatische, männliche Ergänzung. Vielmehr realisierte er mit dieser Kombination große Synergieeffekte, weshalb sich auch im Zusammenspiel der beiden eine absolut stimmige Chemie manifestierte.

„Du und ich“ beginnt direkt sehr unkonventionell mit einer Musicalnummer über wirtschaftliche Zwänge und die eingeschränkte Freiheit des Menschen in einer Welt unter dem Diktat des Kapitals. Überhaupt dominiert bei diesem Film insgesamt der experimentelle Charakter und eine, wenn vorhanden, wirklich gut versteckte tiefere Aussage. Zudem kann weder das Werk selbst, noch das Booklet wirklich beantworten, warum der Film nun eigentlich ausgerechnet im Rahmen der „Film Noir“-Reihe seine deutsche DVD-Premiere feiert. Man mag den Figuren in dieser Hinsicht hier lediglich zugestehen, dass sie aufgrund ihrer dunklen Vergangenheit gewissen Zwängen unterworfen sind, sie leben jedoch eigentlich trotzdem kein schlechtes Leben und die (zwischenmenschlichen) Probleme sind vor allem hausgemacht. Zwar liegt anfangs ein gewisser dunkler Schatten über der Erzählung, eine Rückkehr von Joe zu seinen alten Gangsterfreunden wirkt jedoch zunächst weitgehend ausgeschlossen. Im weiteren Verlauf des Films gewinnen dann auch vielmehr romantische Untertöne die Kontrolle und die gute Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern sorgt für eine eher beschwingte Stimmung. Diese wird auch noch zusätzlich durch regelmäßige, kleine, harmlose Comedy-Einlagen aufgelockert. Allerdings wissen die Angestellten alle nichts vom ähnlichen Schicksal der anderen Mitarbeiter bzw. über ihre kriminelle Vergangenheit. Da Joe sich Helen gegenüber offenbart hat, ist diese nun zwar im Bilde, sie selbst verschweigt aber ihren kriminellen Hintergrund, da Joe zuvor bereits geäußert hatte, er könne einer ehemaligen Straftäterin nicht vertrauen.  

Um ihre Vergangenheit zu verschleiern tischt Helen fortan Joe eine Lüge nach der anderen auf, bis der irgendwann misstrauisch wird und dunkle Wolken über ihrer Beziehung aufziehen. Dieses Konstrukt wirkt äußerst unglaubwürdig, wie auch bereits schon die Unwissenheit der Mitarbeiter über ihre gegenseitige Vergangenheit, denn später erfährt auch der Zuschauer, dass große Teile von Joes alter Bande in dem Kaufhaus arbeiten. Die spätere Planung eines gemeinsamen Coups und die Differenzen zwischen den Gangstern erinnern dann wieder an klassische Gangsterfilme, allerdings bekommt George Raft hier einen dermaßen abrupten, charakterlichen Wandel auf den Leib geschrieben, dass sich auch dieser Teil wenig homogen in den Film einfügt. Peinlich wird es dann gegen Ende, wenn Helen den versammelten Gangstern im Rahmen einer grundschulhaft anmutenden „Mathelehrstunde“ im wahrsten Sinne des Wortes beweist, dass sich Verbrechen nicht auszahlt. Das ist zwar natürlich satirisch gemeint, wirkt aber mehr als kindisch. Außerdem zeigt der Film kurze Zeit später, wie eine Frau spontan ein Kind gebären kann, ohne zuvor auch nur ansatzweise zugenommen zu haben.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der DVD wird von einem starken Rauschen und zahlreichen Verschmutzungen begleitet, Defekte sind hingegen seltene Randerscheinungen. Die Bildschärfe geht für einen über 70 Jahre alten Film in Ordnung und auch die Kontrastwerte fallen zufriedenstellend aus. Insgesamt wirkt das Bild allerdings etwas zu hell. Von Referenzqualitäten ist die DVD dann auch deutlich entfernt. Der Film wurde nie deutsch synchronisiert, dementsprechend befindet sich auf der DVD auch nur die englische Tonspur sowie zuschaltbare, deutsche Untertitel. Eine gute Verständlichkeit ist stets gegeben und die Tonspur wurde auch ausgewogen abgemischt, altersbedingte Verzerrungen sind aber unüberhörbar.

Die DVD wird wie die gesamte Reihe in einem Slim-Digipack ohne Schuber, einem sogenannten "Mediabook", ausgeliefert. Der darauf befindliche FSK-Aufkleber ist ablösbar. Das 12-seitige Booklet ist eingeklebt und hat effektiv lediglich wieder sechs Seiten Text. Inhaltlich befasst es sich vor allem mit Fritz Lang, Brechts Einfluss auf seine Person und die (Nicht-)Aussage des Films, diese wirkt dabei aber ähnlich nichtssagend wie der eigentliche Film. Die DVD selbst enthält den englischen Original-Kinotrailer und eine Bildergalerie mit zeitgenössischen Aushangfotos und Werbematerial.

Fazit:
Mit „Du und ich“ bewies Fritz Lang viel Mut zum Experimentieren, heraus kam dabei jedoch auch ein Film, der sich keinem Genre wirklich zugehörig fühlt und jede Art von tiefergehender Aussage vermeidet. Handwerklich solide, hinterlässt das Werk inhaltlich einen ziemlich unglaubwürdigen Eindruck, welcher sich aus zahlreichen Logik- bzw. Anschlussfehlern ergibt, weshalb der Film auch teilweise erschreckend naive Züge trägt. Die Veröffentlichung ausgerechnet innerhalb der „Film Noir“-Reihe ist nicht wirklich nachvollziehbar, zumindest die technische Qualität der DVD ist aber zufriedenstellend, wenn auch wahrlich nicht überragend.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,33:1
1,33:1
89:50 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • 12-seitiges Booklet
  • Original Kinotrailer
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Film Noir Collection #6: Du und Ich - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Du und ich
You and Me

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Langs ungeliebtes Kind hat sich auch aus heutiger Perspektive nicht in ein ungerechtfertigterweise vergessenes Meisterwerk verwandelt


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1938
Regie:
Fritz Lang
Drehbuch:
Norman Krasna, Virginia Van Upp, Jack Moffitt
Darsteller:
Sylvia Sidney, George Raft, Robert Cummings, Barton MacLane, Roscoe Karns, Harry Carey, George E. Stone, Warren Hymer

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
03.12.2010