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DVD-Besprechung - Film Noir Collection #7: Der General starb im Morgengrauen

Story:
General Yang (Akim Tamiroff) ist ein ehrgeiziger, chinesischer Warlord, der sich gerne alle zwölf chinesischen Provinzen unter den Nagel reißen würde und mit seinen Soldaten gnadenlos die eh schon verarmte, einfache Bevölkerung ausplündert. Allerdings wird es für ihn finanziell immer schwieriger, seine große Armee zu unterhalten, zudem rührt sich Widerstand unter der Führung von Mr. Wu (Dudley Digges), der mit Hilfe des Erlöses einer Sammlung innerhalb der Bevölkerung im großen Stil Waffen von Mr. Brighton (William Frawley) erwerben will. Das Geld vertraut er dem amerikanischen Abenteurer und Idealisten O'Hara (Gary Cooper) an, der es sicher nach Shanghai bringen soll, jedoch von seinen Landsleuten Peter Perrie (Porter Hall) und dessen Tochter Judy (Madeleine Carroll) an Yang verraten wird. Aber nicht nur Yang ist hinter dem Geld her.

Meinung zum Film:
„Der General starb im Morgengrauen“ ist die siebte Ausgabe der „Film Noir“-Reihe von Koch Media und entstand unter der Regie von Lewis Milestone, der sechs Jahre zuvor mit der Literaturverfilmung von Remarques „Im Westen nichts Neues“ wohl sein Meisterwerk ablieferte. Der Drehbuchschreiber Clifford Odets war zu dieser Zeit ein gefeierter, linksintellektueller Broadway-Theaterautor und nahm sich für den Film einer Romanvorlage von Charles G. Booth („Mond über Parador“) an. In den Hauptrollen agieren Westernlegende Gary Cooper („12 Uhr Mittags“) und Madeleine Carroll („Die 39 Stufen“). Weitere prominente Mitwirkende sind „Akim Tamiroff („Jagt den Fuchs“), Dudley Digges („Meuterei auf der Bounty“) und Porter Hall („Frau ohne Gewissen“). Bei der Oscar-Verleihung 1937 gab es für die US-Produktion drei Nominierungen, genauer in den Kategorien Beste Kamera, Beste Filmmusik und Bester Nebendarsteller, hier für Akim Tamiroff.

Vorweg genommen, wirkt die Einordnung des Werkes „Der General starb im Morgengrauen“ in die „Film Noir“-Reihe doch ein wenig zweifelhaft und das nicht nur wegen seiner zeitlichen Entstehung lange vor „Die Spur des Falken“. Mit Begründungen für diese Auswahl hält sich das Booklet auch sehr zurück und führt vor allem die ins Leere oder stets gegenteilig verlaufenden, bewussten Handlungsabsichten der Hauptfiguren ins Feld, nennt außerdem den Auftritt einer Femme Fatale, hier Judy, und will hier „expressionistische Schatten“ ausgemacht haben, ohne diese jedoch näher zu umschreiben. Eigentlich ist der Titel jedoch vielmehr ein Abenteuerdrama vor exotischer Kulisse, die allerdings seltsamerweise aufgrund der dominierenden Innenaufnahmen kaum genutzt wird, und besitzt gerade für einen Film Noir eine politisch viel zu einfache Weltsicht voller naivem Idealismus. Gary Cooper ist dabei sicherlich die Idealbesetzung für einen amerikanischen Helden und wirkt, obwohl seine Rolle eigentlich eher passiv angelegt ist und er immer wieder zum hilflosen Spielball der Ereignisse wird, ganz klar als dominante, wenn auch schlicht ausgestaltete Leitfigur. Dabei wirkt sich der zeitgenössische, latente Rassimus des Films nicht nur auf die charakterliche Ausgestaltung seiner Figuren aus, bei denen die Chinesen grundsätzlich nicht besonders gut wegkommen, sondern auch auf die Besetzung der Einheimischen selbst. Weder General Yang, noch Mr. Wu, werden von Einheimischen gespielt, vielmehr setzt sich hier vor allem bei Mr. Wu, bzw. Dudley Digges, die peinliche Hollywoodtradition fort, Amerikanern/Europäern alberne Bärtchen anzukleben und die Augenpartien zu verändern, natürlich ohne dass diese im Nachhinein tatsächlich asiatisch wirken würden.

Inhaltlich setzt der Film auf simple Schwarz-Weiß-Malerei, verpatzt aber bereits gehörig den Einstieg, bei dem am Schneidetisch scheinbar etwas schief ging. So wird O'Hara zu Beginn angewiesen, sicherheitshalber auf keinen Fall den Zug zu nehmen, während Judy ihn im Auftrag ihres Vaters gerade zu einer Zugreise „verführen“ soll. Diese „Schlüssel(Verführungs-)szene“ der Femme Fatale findet sich jedoch nicht im Film, O'Hara nimmt aber unverständlicherweise trotzdem den Zug, und trifft dort auch prompt auf Judy, wobei sich beide zumindest flüchtig zu kennen scheinen. Während Cooper einfach schon durch seine Bildschirmpräsenz besticht und Tamiroff gut aufgelegt seinen eher eindimensionalen Comicbösewicht mit unheiligem Leben beseelt, fällt Madeleine Carroll in der weiblichen Hauptrolle leider deutlich ab, weil sie einfach viel zu dick aufträgt und mit ihrer völlig übertriebenen Gestik bzw. Mimik eher in einer reinen, kitschigen Romanze angemessen untergebracht wäre. Leider lässt auch das Ende des Films einige Wünsche offen und wirkt im Kontext des Films mehr als unglaubwürdig, ähnlich wie die Engelsgeduld von Yang, der sich vom wehrlosen O'Hara bereitwillig beleidigen lässt, damit dieser seine vor Naivität strotzenden Parolen vom Stapel lassen kann.

Digitale Aufarbeitung:
Für einen deutlich mehr als 70 Jahre alten Film macht die DVD-Qualität einen wirklich guten Eindruck und offeriert eine gute Bildschärfe und ausgewogene Kontrastwerte. Das Bild ist natürlich mit einer stärkeren Körnung gesegnet, die Verschmutzungen halten sich allerdings in Grenzen und Defekte sind eher die Ausnahme. Die deutsche Tonspur hinterlässt ebenfalls einen überzeugenden Eindruck, klingt ziemlich klar und überzeugt mit guter Verständlichkeit sowie einer harmonischen Abmischung. Die englische Tonspur klingt da schon etwas verzerrter und dumpfer, ist aber ebenfalls gut verständlich. Die auf der Rückseite der Veröffentlichung angeführten deutschen Untertitel sind leider nicht auf der DVD vorhanden, vielmehr gibt es gar keine Untertitel.  

Die DVD wird wie die gesamte Reihe in einem Slim-Digipak ohne Schuber, einem sogenannten "Mediabook", ausgeliefert. Der darauf befindliche FSK-Aufkleber ist ablösbar. Das 12-seitige Booklet ist eingeklebt und hat effektiv lediglich sechs Seiten Text. Inhaltlich befasst es sich vor allem mit dem Drehbuchautor Clifford Odets, dessen Theaterhintergrund und politischer Ausrichtung sowie seinem späteren Werdegang. Auf der Titelseite des Booklets prangt allerdings ein peinlicher Fehler, da Milestones Film hier irrtümlich Fritz Lang zugeschrieben wird. Die DVD selbst enthält den englischen Original-Kinotrailer und eine Bildergalerie mit zeitgenössischen Aushangfotos und Werbematerial.

Fazit:
„Der General starb im Morgengrauen“ ist ein heutzutage doch ziemlich naiv und angestaubt anmutendes Abenteuerdrama vor exotischer Kulisse, das diese allerdings in keinster Weise zu nutzen weiß. In der „Film Noir“-Reihe wirkt das Werk zudem eher deplaziert, da die Verweise auf diese erst später aufkommende Filmgattung eher bescheiden ausfallen und das simple Weltbild und die platten Charaktere nicht in diesen Kontext passen wollen. Technisch kann die DVD grundsätzlich überzeugen, der komplette Verzicht auf Untertitel, trotz gegenteiliger Angaben, ist jedoch kein Ruhmesblatt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,33:1
1,33:1
93:45 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • 12-seitiges Booklet
  • Original Kinotrailer
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Film Noir Collection #7: Der General starb im Morgengrauen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der General starb im Morgengrauen
The General Died at Dawn

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Angestaubt wirkendes Abenteuerdrama, das eher Fans von Gary Cooper, als die des Film Noir ansprechen wird


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1936
Regie:
Lewis Milestone
Drehbuch:
Clifford Odets (basierend auf einem Roman von Charles G. Booth)
Darsteller:
Gary Cooper, Madeleine Carroll, Akim Tamiroff, Dudley Digges, Porter Hall, J.M. Kerrigan, Philip Ahn, Lee Tung Foo

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
03.12.2010