 |
DVD-Besprechung - Vendetta
Story:
Als der junge Gaspare Marchesi (Alessandro Colla) mit seiner Familie Ende des 19. Jahrhunderts von Sizilien in die USA auswandert, erhofft er sich eine bessere Zukunft. In New Orleans geraten er und sein Vater (Pierrino Mascarino) jedoch zwischen die Fronten des Geschäftsmanns Joseph Macheca (Joaquim de Almeida) und des Baumwollhändlers James Houston (Christopher Walken). Als der örtliche Polizeichef Hennessy (Clancy Brown) auf offener Straße erschossen wird, müssen Gaspare, dessen Vater und sieben weitere Italiener als Sündenböcke herhalten.
Meinung zum Film:
Regisseur Nicholas Meyer („Star Trek II: Der Zorn des Khan“, „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“) kommt ursprünglich aus der schreibenden Zunft. Vor seinem Regiedebüt hatte er bereits einen Roman und vier Drehbücher vorgelegt. Dass er im Stande ist, auch abseits Hollywoods zu brillieren, hat er 1983 mit „The Day After – Der Tag danach“ bewiesen. Das atmosphärisch dichte Werk über einen nuklearen Erstschlag ist bis heute der TV-Film mit den höchsten Einschaltquoten in der US-amerikanischen Fernsehgeschichte. Mit „Vendetta“ legte Meyer 1999 seine bisher letzte Regiearbeit vor; ebenfalls fürs Fernsehen.
„Vendetta“, der für den amerikanischen Sender HBO entstanden ist, erzählt die wahre Geschichte um einen der größten Lynchmorde der US-Historie. Obwohl die Fakten nie vollständig geklärt werden konnten, ergreift "Vendetta" eindeutig Partei. Im Film führt ein Komplott der Stadtoberhäupter, getrieben von einer Mischung aus Geldgier, Machtanspruch und Rassismus, zur Selbstjustiz. Triebfeder ist der skrupellose Baumwollhändler Houston, den Christopher Walken („Die durch die Hölle gehen“, „Pulp Fiction“) nicht mehr als routiniert zum Besten gibt. Drei Jahre vor seinem großen Comeback auf der Bühne des Kodak Theatre im Zuge der Oscar-Nominierung für seine Rolle in „Catch Me If You Can“ wirkt Walken recht lustlos.
Der handwerklich solide Film scheitert letztendlich aber nicht an den Schauspielerleistungen, sondern an seinen eigenen Ansprüchen. Einerseits ist „Vendetta“ bemüht, politisch korrekt zu sein, nimmt es dadurch aber andererseits zugunsten der Dramaturgie hie und da mit der historischen Faktenlage nicht so genau. Zu allem Überfluss, darf eine sich zart anbahnende Romanze des Protagonisten Gaspare nicht fehlen. Timothy Pragers Drehbuch kann sich schlicht nicht entscheiden, ob „Vendetta“ ein Historienfilm, ein Krimi, eine Coming-of-Age-Geschichte, ein Justizdrama oder ein anklagendes Statement gegen Rassismus sein will. Am Ende ist der Film von allem ein bisschen, aber nichts richtig. Hier hätte wohl besser der Regisseur selbst zur Feder gegriffen.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist ordentlich. Helligkeit und Kontrast stimmen, die Farbsättigung ist etwas zurückgenommen. Bei Kamerabewegungen kommt es an den Konturen häufig zu stärkeren Kompressionsspuren. Der Ton ist in beiden Sprachversionen gut verständlich. Unterhalten sich die Protagonisten auf Italienisch, sind diese Passagen allerdings – auch bei der Anwahl der deutschen Untertitel – zwangsweise englisch untertitelt. Stellenweise sind die Hintergrundgeräusche schlecht mit der Synchronisation abgemischt. Manche Synchronsprecher fallen qualitativ stark von der ansonsten guten Gesamtsynchronisation ab.
Extras gibt es keine.
Fazit:
Handwerklich solide, beleuchtet „Vendetta“ ein dunkles Kapitel der US-amerikanischen Geschichte, scheitert jedoch letztlich an seinen eigenen Ansprüchen und einem unentschlossenen Drehbuch.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,33:1
|
112:37 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
|
Untertitel:
|
Deutsch, Englisch (mit Zwangs- untertiteln) |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
Vendetta
Vendetta
Moralisch hochwertig, aber erzählerisch unentschlossen
Autor der Besprechung:
Falk Straub
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1999 Regie: Nicholas Meyer Drehbuch: Timothy Prager (nach der Buchvorlage von Richard Gambino) Darsteller: Alessandro Colla, Clancy Brown, Christopher Walken, Luke Askew, Joaquim de Almeida, Bruce Davison, Edward Herrmann, Kenneth Welsh
Label :
3L
Verkaufsstart : 09.12.2010
|