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DVD-Besprechung - Das Böse nebenan

Story:
Plötzlich ist es soweit und die Polizei nimmt einen Menschen fest und führt ihn ab. In aller Öffentlichkeit. Und dann stellt sich heraus, dass der unauffällige Mann, der gerade noch neben einem stand wegen mehrfachen Mordes von den Gesetzeshütern dingfest gemacht wurde. Sie sind unter uns, die Mörder, Vergewaltiger und Folterer. Was treibt sie an? Wie wurden sie so? Was sind ihre Motive? Diese und weitere Fragen werden in dem Dokumentarfilm gestellt und teilweise können sie auch beantwortet werden.

Meinung zum Film:
„Das Böse nebenan“ ist eine Dokumentation über den fürchterlichsten und grausamsten Feind des Menschen. Kein geringerer als der Mensch selbst ist sein eigener übermächtiger und allgegenwärtiger Gegner. In diesem Dokumentationsfilm wird aber nicht einfach nur auf die bekannten Serientäter eingegangen, sondern auch auf das, was sie antreibt. Erschreckend ist dann aber die Steigerung, wenn die Pfade der Triebe, der geistigen Verwirrung und des Agierens jenseits eines Unrechtsbewusstseins verlassen werden und die systematische und angeordnete Unmenschlichkeit thematisiert wird. Wenn sich Menschen instrumentalisieren lassen und z.B. zu staatlichen Folterknechten werden. Es wird gern von der „Bestie Mensch“ gesprochen und die gezeigten Beispiele machen deutlich, wie Menschen völlig den Pfad der Humanität verlassen.  

Die Doku ist alles andere als reißerisch und es gibt für die verschiedenen gezeigten Beispiele des Bösen im Menschen viele Erklärungsansätze. Die Wissenschaftler reklamieren für sich, natürlich auf psychologischer Basis, die Gründe für menschliches Verhalten zu kennen. Doch wenn die über 400 Minuten Laufzeit enden, dann wird der Zuschauer das ungute Gefühl nicht los, dass es etwas Böses in jedem gibt, nur haben es die einen unter Kontrolle und andere nicht. Es sind nicht nur die Mörder, die hier unter die Lupe genommen werden, sondern auch Menschen wie Joseph Fritzl, der seine eigene Tochter fast 25 Jahre im Keller seines Hauses gefangen hielt und missbrauchte. Er tötete sie zwar nicht, doch war seine Tat die eines Monsters.  

Die Meinungen der Fachleute sind nicht immer wissenschaftlich fundiert und es ist ein wenig fraglich, warum z.B. eine Gerichtsreporterin wie Gisela Friedrichsen zu Worte kommt. Da sind die Anmerkungen des leitenden Gefängnisarztes der JVA Werl, Dr. Josef Bausch, schon wesentlich näher am Thema. Er gibt zwar auch den einen oder anderen Kommentar zu den Serientätern ab, interessanter ist aber der Einblick, den er in das Knastleben gewährt. Er skizziert eine andere Welt, in der das Verhalten der Insassen unmittelbar mit der Dauer der Haftstrafe verbunden zu sein scheint. In so einem Umfeld wurde der Frauenmörder Jack Unterweger zu einem „Knastpoeten“. Eigentlich war er zu lebenslanger Haft in Österreich verurteilt, doch seine Publikationen aus dem Kerker verhalfen ihm zu einer Lobby, auf deren Drängen er dann doch als scheinbar geläutert entlassen wurde. Ein fataler Irrtum, denn nur fünf Monate nach seinem Freikommen begann eine Mordserie an Prostituierten. Der Täter: Jack Unterweger.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität entspricht dem, was der Zuschauer schon von anderen Dokumentationen kennt. Es liegt in der Natur der Sache, wenn altes Archivmaterial ein wenig verbraucht aussieht. Neuere Passagen sehen entsprechend besser aus. Der Ton ist gut und die Dialoge sind stets gut verständlich, auch ältere TV-Einblendungen.

Die Extras sind eine Wiederaufnahme der Fragen, die sich aus dem Thema ergeben. Hier werden zur Dokumentation ergänzend Informationen an den Zuschauer gebracht. Als weiteres Extra gibt es ein mehrseitiges Booklet mit vielen zusammenfassenden Informationen zur Dokumentation.

Fazit:
„Das Böse nebenan“ ist eine sehr interessante Dokumentation über die Abgründe in der menschlichen Psyche, die Menschen zu gnadenlosen Mördern und Triebtätern werden lässt. Nicht reißerisch, sondern möglichst genau betrachtend nähert sich diese Doku dem titelgebenden Thema. Sie ist nicht abschließend, kann aber so manchen Erklärungsansatz bieten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16

369:52 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Was ist das Böse?
  • Warum fasziniert uns das Böse?
  • Mensch oder Monster?
  • Wie wird der Mensch böse?
  • Böse geboren?
  • Ist jeder Mensch zu bösen Taten fähig?
  • Für immer wegsperren?
Das Böse nebenan - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das Böse nebenan
Das Böse nebenan

Bild unseres Mitarbeiters Jörg Hesse
Von den Abgründen der Menschen


Autor der Besprechung:
Jörg Hesse

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2010
Regie:
Gerrit Jöns-Anders, Amrei Topcu, Alexander Kluge
Drehbuch:
Gerrit Jöns-Anders, Amrei Topcu, Alexander Kluge
Darsteller:
Josef Bausch, Dr. Heidi Kastner, Prof. Reinhard Haller, Prof. Hans-Ludwig Kröber, Gerhard Schaberg

Label Deutschland :
Polyband
Verkaufsstart Deutschland :
28.01.2011