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DVD-Besprechung - Five Minutes of Heaven
Story:
Im Jahr 1975 bekriegen sich in Nordirland die katholische Irish Republican Army (IRA) und die protestantische Ulster Volunteer Force (UVF). Der 16-Jährige Alistair Little (Mark David), tötet im Auftrag der UVF kaltblütig den Katholiken James Griffin, was dessen kleiner, ellfjähriger Bruder Joe hilflos mitansehen muss. Dreißig Jahre später sollen Alistair (Liam Neeson) und Joe (James Nesbitt) im Rahmen einer Fernsehsendung live aufeinandertreffen, um für den Friedensprozess ein Signal der Versöhnung zu beschwören.
Meinung zum Film:
„Five Minutes of Heaven“ ist das neueste Werk des einstigen deutschen Vorzeigeregisseurs Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) aus dem Jahr 2009. Der deutsche Kinostart des vornehmlich für das Fernsehen gedachten, britischen Films, der u.a. von der BBC mitproduziert wurde, blieb im Juni 2010 jedoch, trotz durchgängig positiver Kritiken, weitgehend unbeachtet. Das mag neben dessen nur bedingt mainstreamtauglicher Thematik möglicherweise auch an Hirschbiegels zuvor nicht nur an den deutschen Kinokassen grandios geflopptem US-Remake von „Die Dämonischen“, namens „Invasion“, gelegen haben. Das Drehbuch schrieb Guy Hibbert („Heisser Verdacht - Der Duft des Todes“). Für die Hauptrollen standen Hirschbiegel mit Liam Neeson („Schindlers Liste“) und James Nesbitt („Jekyll – Blicke in den Abgrund“) zwei herausragende britische Darsteller zur Verfügung, die zudem beide irische Wurzeln besitzen. Der Film wurde an Originalschauplätzen gedreht. Beim Sundance Filmfestival 2009 gewannen Hirschbiegel und Hibbert den Preis für die beste Regie bzw. das beste Drehbuch.
Das Drama „Five Minutes of Heaven“ erzählt eine fiktive, universell gültige Geschichte über Schuld, Leid, Sühne, Vergebung, Hass und Rache, die jedoch auf den Schicksalen realer Charaktere, in diesem Fall denen von Alistair Little und Joe Griffin, basiert. Anders als im vorliegenden Film sind diese in der Realität allerdings nicht erneut aufeinander getroffen. Der Film beginnt mit einer Echtzeit-Rückblende aus der Perspektive Alistairs auf die Geschehnisse aus dem Jahr 1975, die mit einem Seitenblick auf Joes Schicksal endet, um schließlich nach insgesamt ca. 21 Minuten direkt auf ein inneres Zwiegespräch im Kopf des gegenwärtigen, erwachsenen Joe überzublenden, der sich auf dem Weg zum Treffen befindet. Im weiteren erhält der Zuschauer wechselseitige Einblicke in das Seelenleben der beiden Hauptprotagonisten. Joe steckt voller Hass und Wut, ein Pulverfass kurz vor der Explosion, während Alistair, der sich mittlerweile nach abgesessener, zwölfjähriger Haft weltweit im Bereich der Konfliktprävention bzw. -aufarbeitung engagiert, hingegen von großer Nervosität und starken Schuldgefühlen gequält wird. Beide werden dabei gleichermaßen als gebrochene Männer dargestellt, deren Leben durch den Zwischenfall zerstört wurden. Joes gesamte Familie zerbrach seinerseits aufgrund der Tragödie, während Alistair erst im Gefängnis geläutert wurde und sich mittlerweile der vollen Tragweite seiner Schuld bewusst geworden ist.
Hirschbiegel inszeniert diese beiden verschränkten Einzelschicksale als vordergründig ruhig erzähltes Drama, immer wieder begleitet von Rückblenden und der inneren Stimme Joes, dicht unter der Oberfläche ist das Seelenleben der Antagonisten jedoch von großer Nervosität und Aggression geprägt. Aufgrund von Joes Rachephantasien und seinem mitgeführten Messer steigert sich die Dramatik des Films stetig, weshalb ein vermeintliches, schicksalsschweres Aufeinandertreffen der beiden als vermeintlicher Höhepunkt in der Luft liegt. Nach etwa 57 Minuten nimmt der Film jedoch zunächst eine völlig andere, überraschende Wendung. Das Drama lebt dabei vor allem von seinen beiden exzellenten Hauptdarstellern, deren innerer Kampf deutlich ablesbar auf ihren Gesichtern tobt. Während Neeson eher zurückgenommen, geradezu zögerlich auftritt, darf Nesbitt als sein Gegenpol wieder einmal mit seinem extrovertierten, äußerst energetischen Spiel glänzen. Zudem gelingt es der Kamera immer wieder interessante Winkel und Perspektiven einzufangen, die dem vordergründig eher statisch und ereignisarm angelegten Spiel auch optisch eine ganz besondere Dynamik verleihen, zumal die Kamera auch immer sehr dicht am Geschehen, sprich am Seelenleben der Charaktere, verharrt. Der Film sieht sich dabei nie als buchstabengetreue Aufarbeitung des Nordirlandkonflikts, sondern vielmehr als emotionalen, fast schon philosophisch anmutenden und universell gültigen, somit also für viele weltweit situierte, gewaltsame Konflikte, notwendigen Appell an die beiderseitige Einsicht und ein daraus folgendes Einlenken durch Vernunft und gesunden Menschenverstand.
Digitale Aufarbeitung:
Der anamorphe Widescreen-Transfer des Films überzeugt mit guter Schärfe und einer bewusst entsättigten, aber ausdrucksstarken Farbgebung. Das Bild wird von einem ziemlich starken Rauschen begleitet. Die Kontrastwerte wirken grundsätzlich ausgeglichen, werden jedoch häufiger als Stilmittel verfremdet, beispielsweise um Emotionen auf den Gesichtern der Protagonisten noch stärker hervorzuheben. Alle Tonspuren bieten eine gute Verständlichkeit und sind ausgewogen abgemischt, insgesamt ist der Film aber vor allem dialoglastig und eher ruhig angelegt. Die deutsche Synchronisation dieses originär englischsprachigen Films klingt sehr professionell.
Das Bonusmaterial der Veröffentlichung ist leider sehr enttäuschend ausgefallen. Das unkommentierte Making Of (8:31) besteht nur aus ein paar kleinen Impressionen von den Dreharbeiten. Der Interviewteil beinhaltet zudem lediglich kurze Statements der Hauptdarsteller Liam Neeson (3:29), James Nesbitt (6:41), des Regisseurs Oliver Hirschbiegel (4:26), des Drehbuchautors Guy Hibbert (3:30) und des Produzenten Eoin O'Callaghan (5:06) zu den verwendeten Drehorten, den realen Hintergründen der Geschichte, den politischen Aspekten des Konflikts oder der Intention des Films. Diese Äußerungen wirken jedoch sehr fragmentarisch und oberflächlich, hier liegt somit keinesfalls in der Kürze die Würze. Ansonsten finden sich auf der DVD lediglich noch der deutsche und englische Trailer zum Film. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Five Minutes of Heaven“ ist ein Zwei-Personen-Drama, das sich jedoch nie zu einem Kammerspiel entwickelt, bei dem die Grenzen zwischen Täter und Opfer verschwimmen und beide Seiten des Nordirlandkonflikts als Verlierer dargestellt werden. Der Film wagt den Versuch eines emotionalen Appells und gibt einen tiefen Einblick in das Seelenleben seiner beiden innerlich gebrochenen Antagonisten, deren Charaktere Dank der hohen Schauspielkunst von Neeson und Nesbitt den Zuschauern die tragischen Geschehnisse und ihre noch jahrzehntelang nachwirkenden Folgen sehr eindringlich vor Augen führen. Technisch kann die DVD überzeugen, während das Bonusmaterial für eine solch ambitionierte Produktion einfach nur enttäuschend ausgefallen ist.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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85:37 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Making Of
- Interviews mit den Darstellern Liam Neeson und James Nesbitt, Regisseur Oliver Hirschbiegel, Drehbuchautor Guy Hibbert sowie Produzent Eoin O'Callaghan
- Deutscher Trailer
- Englischer Trailer
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Five Minutes of Heaven
Five Minutes of Heaven
Emotional aufrüttelndes Drama über Schuld, Sühne, Vergebung und Rache anhand des Nordirlandkonflikts mit zwei exzellenten Hauptdarstellern
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2009 Regie: Oliver Hirschbiegel Drehbuch: Guy Hibbert Darsteller: James Nesbitt, Liam Neeson, Mark David, Juliet Crawford, Niamh Cusack, Diarmuid Noyes, Paul Garret, Paula McFetridge, Gerry Doherty
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 14.01.2011
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