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DVD-Besprechung - Carnera - Der Grösste Boxer aller Zeiten
Story:
Der Italiener Primo Carnera (Andrea Iaia) ist zwar körperlich ein Riese, stammt aber aus kleinsten Verhältnissen und kommt eher zufällig zum Boxen. Durch seinen großen Ehrgeiz und seine Ausnahmefigur erregt er jedoch schnell das Interesse windiger Promoter, wie das von Leon See (F. Murray Abraham), die sich mit Hilfe seiner schnellen Erfolge im Schwergewicht die Taschen voll stopfen. Als Primo jedoch in seinem letzten Fight vor dem lang ersehnten Titelkampf Ernie Schaaf im Ring tötet, überlegt er, seine Karriere zu beenden und flüchtet in seine Heimat nach Italien.
Meinung zum Film:
„Carnera“ erzählt die Geschichte des italienischen Schwergewichtsboxers Primo „The Ambling Alb“ Carnera, der mit seinen 1,97m Körpergröße bei einem Gewicht von 129 Kilogramm die Boxer seiner Zeit deutlich überragte und sich am 29. Juni 1933 durch einen Sieg gegen den damaligen Champion Jack Sharkey im Madison Square Garden Bowl zum Schwergewichtsweltmeister krönte. Der vorliegende Film versagt als Biopic jedoch auf ganzer Linie, da er die Geschichte dieses Mannes und die ihn betreffenden historischen Ereignisse auf so freie Weise interpretiert, dass Übereinstimmungen mit der Realität eigentlich eher ungewollt oder rein zufällig erscheinen. Regie bei dieser italienisch-rumänischen Produktion führte der Italiener Renzo Martinelli („Stone Merchant – Händler des Terrors“), der auch das Drehbuch schrieb und mit seinen bisherigen Produktionen nicht gerade Jubelstürme beim Publikum oder den Kritikern auslösen konnte. Der italienische Hauptdarsteller Andrea Iaia war und ist ein unbeschriebenes Blatt im Filmgeschäft, hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem realen Primo Carnera, ist auch lange nicht so muskulös wie dieser war, und hat zudem offensichtlich keinerlei boxerische Ausbildung, kurz gesagt ist er eine totale Fehlbesetzung.
„Carnera“ ist ein Film, den die Welt nicht braucht. Jegliche Authentizität geht durch die zahlreichen künstlerischen Freiheiten oder schlichtweg von der Realität abweichende Darstellung verloren. Beispielsweise wird seine Karriere als Amateur völlig ignoriert und er wird quasi als Naturtalent dargestellt, das mehr oder weniger vom Himmel fiel und direkt ins Profigeschäft einsteigen konnte. Carnera verkommt zudem in Iaias Darstellung zum tumben Idioten aus kleinsten Verhältnissen, der aber natürlich ein sonniges, geradezu kindliches Gemüt im großen, aber leicht reizbaren Herzen trägt. Manchmal wirkt der Film dann auch wie eine italienische Klamotte aus den 70er-Jahren und Carnera mutiert beispielsweise in einer Keilerei mit gleich fünf Gegnern auf offener Straße zu einer Art Bud Spencer für Arme. Auch seine Trainingsmethoden zu Beginn erinnern eher an „Karate Tiger“ und weniger an ein ernsthaftes Boxerdrama. Der Mangel an Ernsthaftigkeit und Faktentreue in Verbindung mit holzschnittartig ausgearbeiteten, beliebig wirkenden Charakteren beraubt den Film schnell jeglicher Faszination. Zudem überzeugt Andrea Iaia weder als Darsteller noch als Boxer in den Kampfszenen.
Überhaupt sind gerade die für ein Boxerdrama nicht eben unwichtigen Kampfszenen eine herbe Enttäuschung. Die Choreographie ist vergleichsweise lausig, voller hektischer Perspektivenwechsel und verabschiedet sich während eines Kampfes auch schonmal gerne ganz aus dem Ring, um stattdessen die Reaktionen von Carneras Geliebter im Publikum zu zeigen. Zudem gibt es keinerlei längere Kampfsequenzen, was jedoch dort ausschnittsweise gezeigt wird, entspricht in keinster Weise den überlieferten Kampfverläufen und auch von Carneras realem Stil ist Iaia hier weit entfernt. Dramaturgisch konzentriert der Film sich dann nebst viel Leerlauf lieber auf Iaias amouröse Verwicklungen, was auf unglaublich schnulzige Art in Szene gesetzt wird und wohl besser in eine Rosamunde-Pilcher-Verfilmung gepasst hätte.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVD verfügt über eine gute Bildschärfe, eine nostalgisch eingefärbte, ausdrucksstarke Farbgebung und ausgewogene Kontrastwerte. Gelegentliche Überstrahlungen sind augenscheinlich als Stilmittel gedacht. Bildrauschen ist lediglich in helleren Szenen in geringerem Umfang auszumachen und auch die Kompression verrichtet ihren Dienst unauffällig und zuverlässig. Auf der DVD fehlt offensichtlich die italienische Originaltonspur, auch wenn der Film laut imdb in englischer Sprache gedreht wurde, finden sich im Bonusmaterial doch eindeutig diverse italienischsprachige Szenen aus dem Film. Enthalten ist hingegen neben der deutschen Tonspur auch noch eine englische Tonspur. Dank eines Masteringfehlers ist die Sprachauswahl im Menü jedoch genau entgegengesetzt vertauscht worden. Optional gibt es auch deutsche Untertitel. Beide Tonspuren bieten eine gute Verständlichkeit und sind ausgewogen abgemischt. Wirklicher Raumklang wird allerdings auch in den Kampfszenen nicht geboten.
Leider liegen sowohl der Trailer, das “Behind the Scenes”-Feature (7:07) als auch die “Dokumentation” zur Filmentstehung (23:14) lediglich in italienischem Originalton ohne jegliche Untertitel vor. Sie sind dementsprechend für den deutschen Durchschnittsbürger absolut nutzlos. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Carnera“ ist mit seiner trashig-naiv-pathetischen Darstellung fernab der Realität ein echter Griff ins Klo und ein riesiger Langweiler. Auch die schlecht choreographierten, unübersichtlich geschnittenen und viel zu kurz gehaltenen Kampfsequenzen lassen den Film als Boxerdrama zur Lachnummer verkommen, während die Produktion als Biopic den Authentizitätsanspruch eines RTL-Event-Movies besitzt. Die Bildqualität der DVD überzeugt, Masteringfehler bei der Tonauswahl, unbrauchbares Bonusmaterial und eine schwache Synchronisation verwässern aber auch noch den technischen Eindruck.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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120:02 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Behind the Scenes
- Italienischer Trailer
- Dokumentation
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Carnera - Der Grösste Boxer aller Zeiten
Carnera: The Walking Mountain
Diese miserable Veröffentlichung haut sogar den stärksten Boxer um
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien / Rumänien, 2008 Regie: Renzo Martinelli Drehbuch: Renzo Martinelli Darsteller: Andrea Iaia, Anna Valle, F. Murray Abraham, Paolo Seganti, Paul Sorvino, Antonio Cupo, Neculai Predica, Kasia Smutniak
Label :
Savoy Film Verkaufsstart : 28.01.2011
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