 |
DVD-Besprechung - Flügel aus Stahl
Story:
Jack Powell (Charles „Buddy“ Rogers), ein einfacher Automechaniker, und David Armstrong (Richard Arlen) ein Lebemann aus reichem Hause, verpflichten sich 1917, beim Kriegseintritt der USA in den 1. Weltkrieg, als Kampfpiloten und werden schon bald gemeinsam nach Frankreich verlegt. Dabei sind beide eigentlich Rivalen, die um die Gunst von Sylvia Lewis (Jobyna Ralston) buhlen, die sich jedoch eigentlich längst für David entschieden hat, während Jack von seiner Nachbarin Mary Preston (Clara Bow) umschwärmt wird, deren Avancen aber zunächst übersieht. Im Verlauf des Krieges bildet sich zwischen den beiden Männern jedoch eine tiefe Freundschaft und beide avancieren zu Fliegerassen. Zudem kommen sich durch Marys Militärdienst als Krankenschwester auch sie und Jack näher.
Meinung zum Film:
Der Stummfilm „Wings“ wurde 1929, bei der ersten Verleihung dieses Preises überhaupt, nicht nur mit einem Oscar für die besten Spezialeffekte, sondern auch als bester Film ausgezeichnet. Der Kriegsfilm beschäftigt sich mit den Einsätzen amerikanischer Luftstreitkräfte über französischem Boden während der Zeit des 1. Weltkriegs und verdankt einen der Oscars besonders seinen atemberaubenden Luftkampfsequenzen, bei denen seinerzeit auch einige Piloten ums Leben kamen. Regisseur William A. Wellman („Der Öffentliche Feind“) realisierte den Film in nur neun Monaten mit einem für damalige Verhältnisse gigantischen Budget von etwa zwei Millionen US-Dollar und wurde auch vom amerikanischen Militär massiv unterstützt. In einer kleinen Nebenrolle des Films, ein paar Jahre vor seinem großen Durchbruch, agiert der junge Gary Cooper („Verdammt zum Schweigen“) als tollkühner Unglückspilot.
„Wings“, im Zuge dieser deutschen Erstveröffentlichung unsinnigerweise neu als „Flügel aus Stahl“ betitelt, obwohl in dieser Zeit die Flügelkonstruktionen noch aus Materialien wie Holz und Leinen bestanden, erzählt selbst für die Stummfilmzeit eine eher seichte Geschichte über Liebe, Kameradschaft, Heldentum und Tragik des Krieges. Dafür bietet „Wings“ aber nicht nur für die damalige Zeit spektakuläre Luftaufnahmen bzw. Luftkampfsequenzen, die offensichtlich spätere Vorzeigeproduktionen wie „Der Blaue Max“ (1966), „Manfred von Richthofen – Der rote Baron“ (1971) oder „Schlacht in den Wolken“ (1976) inspirierten, sondern auch insgesamt eine sehr flotte Inszenierung mit effektiver Dramaturgie und einem nicht vorherzusehenden, recht tragischen Ende. Der Film ist jedoch keineswegs ein verbitterter Antikriegsfilm, sondern enthält im Gegenteil viele auflockernde, komödiantische Elemente, schildert den Luftkampf eher als Abenteuer und besitzt eindeutige, wenn auch nicht übermäßig störende, patriotische Untertöne. Dabei werden auch fernab des Gemetzels am Boden stets Gebote wie Ritterlichkeit und Kameradschaft beschworen.
Das Highlight des Films sind ganz klar seinen zahlreichen Flugsequenzen, die alle Arten von Luftkämpfen, aber auch Angriffe auf Bodenziele beinhalten, wobei hier auch am Boden einiges an Materialaufwand betrieben wurde, um Infanterie-Massenszenen nebst Tanks zu realisieren. Die Kameraführung ist dabei für die damalige Zeit enorm dynamisch und effekttechnisch geizt der Film keineswegs, sondern bietet vielmehr von Einschüssen übersäte Flugzeuge, waghalsige Sturzflüge, explodierende Beobachtungs-Fesselballons, Bruchlandungen, oder z.B. auch den eindrucksvollen Auftritt eines deutschen „Gotha G“-Bombers. Die Luftkämpfe wirken dabei enorm authentisch und schonten offensichtlich weder Mensch noch Material. Lediglich ein paar im Luftraum realisierte Zusammenstöße von Flugzeugen wirken weniger überzeugend. Die nervtötende, melodramatische und monotone Musikuntermalung, die 1987 von Gaylord Carter neu eingespielt wurde, ist hingegen ein klares Argument für den "Mute"-Knopf auf der Fernbedienung.
Digitale Aufarbeitung:
„Wings“ ist ein Schwarz-Weiß-Stummfilm aus dem Jahr 1927, hat also bereits mehr als 80 Jahre auf dem Buckel und wurde offensichtlich keiner aufwendigen Restaurierung unterzogen. Dementsprechend macht die Bildschärfe einen etwas schwachen Eindruck und eine großartige Detailzeichnung ist nicht auszumachen. Die Kontrastwerte leiden zudem unter regelmäßigen Überstrahlungen, der Bildstand gestaltet sich etwas unruhig und der Film wird von einem deutlichen Rauschen, zahlreichen Verschmutzungen sowie diversen Beschädigungen und Laufstreifen begleitet. Der Schwarzwert ist ebenfalls nicht optimal ausgefallen und verharrt eher im Grau-Bereich, das Bild wirkt allerdings auch insgesamt etwas zu hell. Die Kompression arbeitet grundsätzlich zufriedenstellend, gerade an den Kanten sind aber deutliche Unruhen auszumachen. Die Instrumentaltonspur macht technisch einen zufriedenstellenden Eindruck ohne besondere Höhen und Tiefen, überzeugt aber weder mit echten Ohrwürmern, großartiger, stilistischer Dramaturgie, noch mit besonderer klanglicher Brillanz. Der Film verfügt über englische Zwischentitel und zusätzlich eingeblendete deutsche Untertitel.
Auf der DVD befindet sich lediglich eine Bildergalerie mit Aushangfotos und Filmszenen. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Wings“ wurde vor allem durch seine Luftkampfsequenzen zu einem Genreklassiker und diese können sich auch selbst heute noch sehen lassen, wurden sie doch für die damalige Zeit mit enormem Materialaufwand, trick- und filmtechnisch spektakulär realisiert. Aber auch die etwas seicht anmutende Geschichte wird dramaturgisch sehr geschickt eingefangen, trotz der langen Laufzeit sehr flott in Szene gesetzt, immer wieder durch gelungene Actionsequenzen aufgelockert und nimmt am Ende auch noch eine tragische Wendung. Technisch ist die DVD mit Sicherheit kein aufwendig restauriertes Highlight und hat ohne Zweifel einige Schwächen, unter Berücksichtigung des Alters der Produktion ist das Ergebnis aber durchaus noch zufriedenstellend ausgefallen, auch wenn weiterführendes Bonusmaterial leider völlig fehlt.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,33:1
|
132:40 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Instrumental Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch, Englisch |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
Wings
Wings
WKI-Stummfilm-Kriegsabenteuerklassiker mit spektakulären Flugsequenzen
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1927 Regie: William A. Wellman Drehbuch: John Monk Saunders, Hope Loring, Louis D. Lighton, Julian Johnson, Byron Morgan Darsteller: Charles "Buddy" Rogers, Richard Arlen, Clara Bow, Jobyna Ralston, El Brendel, Gary Cooper, Richard Tucker, Gunboat Smith
Label :
Voulez Vous Film
Verkaufsstart : 28.01.2011
|