 |
DVD-Besprechung - Moon
Story:
Sam Bell (Sam Rockwell) verrichtet seit fast drei Jahren seinen Dienst als Wartungstechniker auf der Mondbasis des Energiekonzerns Lunar Industries, nebst Raffinerie, und überwacht dort den Abbau von Hellium-3, dem Fusionsenergieträger der Zukunft. Die Echtzeitkommunikationseinheiten der Basis sind seit einiger Zeit gestört und sein einziger Begleiter ist der hochintelligente Stationscomputer GERTY, was bei Sam durch die dauerhafte Einsamkeit langsam wahnhafte Verhaltensmuster hervorruft. Nach einem Unfall mit seinem Mondbuggy isoliert GERTY ihn auf der Station, Sam gelangt jedoch durch eine List nach draußen und findet kurz darauf eine ohnmächtige Person, die sich als Doppelgänger entpuppt, die ihm bis aufs Haar gleicht.
Meinung zum Film:
„Moon“ ist das Langfilmdebüt von Duncan Jones („Whistle“), dem Sohn von Rockikone David Bowie, und wurde mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln, rund fünf Millionen Euro, als unabhängige, britische Filmproduktion realisiert. Jones schrieb auch die dem Drehbuch zu Grunde liegende Geschichte, die von Nathan Parker („Blitz“) für die große Leinwand adaptiert wurde. Die doppelte Hauptrolle spielt Sam Rockwell („Choke – Der Simulant“), im Science-Fiction-Genre bestens bekannt, allerdings eher aus den komödiantischen Produktionen „Per Anhalter durch die Galaxis“ und „Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall“. Der Film wurde mit zahlreichen Auszeichnungen prämiert, u.a. gewann Duncan Jones mit ihm den BAFTA Award im Bereich „Outstanding Debut by a British Writer, Director or Producer“ und der Titel wurde bei den British Independent Film Awards als bester britischer Independent Film ausgezeichnet. Deutschlandpremiere feierte „Moon“ beim Fantasy Filmfest 2009.
„Moon“ beginnt erzählerisch sehr ruhig und schildert das Leben eines isolierten Individuums in einer weitgehend sterilen, wenig abwechslungsreichen Umgebung, dessen Arbeit von weitgehend monotonen Tagesabläufen dominiert wird. Durch diese ungesunde Einsamkeit regen sich in der Hauptperson Sam Bell zunehmend Wahnvorstellungen. Die Inszenierung wirkt in den ersten 25 Minuten sehr atmosphärisch, was auch der stimmungsvollen Musikuntermalung und den gelungenen Innenraum-Sets der Mondstation zu verdanken ist, erzählerisch jedoch eher sparsam, was aber durch das eindringliche Spiel von Sam Rockwell und die sehr viel Potential bergende Ausgangsposition des Films überspielt wird. Dieses Potential erschöpft sich dabei keineswegs in der Anwesenheit des intelligenten Bordcomputers, optisch enttäuschend schlicht als überdimensionaler, metallener Greifarm gestaltet, dem nicht anders als in Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ auch hier später noch eine entscheidende, wenn auch völlig gegensätzlich gelagerte Bedeutung zukommen wird. Leider verschießt der Film aber bereits nach rund 28 Minuten mit dem Auftreten des Doppelgängers und dessen folgender Identifikation bereits sein gesamtes Pulver und bewegt sich fortan erzählerisch enttäuschend simpel, wie auf Schienen bis zum vorhersehbaren, ziemlich offenen Ende. Ansätze zur näheren Ausdifferenzierung oder Problematisierung gesellschaftlicher Phänomene der Zukunft fallen unter den Tisch, Sam Bells zweifelhafter Gemütszustand wird nicht für das Spiel mit Realität und Illusion genutzt, zudem wird die Enge der Station auch noch durch die ständigen Mondbegehungen konterkariert.
Technisch ist „Moon“ zudem ein zweischneidiges Werk, das natürlich nicht an zeitgenössischen Megaproduktionen aus Hollywood gemessen werden darf. Positiv hervorzuheben ist das Innere der Mondstation sowie die manipulierten Splitscreensequenzen der beiden Doppelgänger, die kaum als solche zu erkennen sind. Die Modellbauten der Station bzw. Außenaufnahmen selbst erinnern hingegen qualitativ eher an Produktionen wie „Mondbasis Alpha“, die Mondbuggys sind offensichtlich Spielzeuggefährte in einer Modellbaulandschaft und die starre Weltraumtapete im Hintergrund, nebst einiger misslungener Bluescreen-Aufnahmen, können beim besten Willen nicht mehr als zeitgemäß betrachtet werden. Darüber können auch für Genrefans interessante, optische bzw. inhaltliche Verweise auf Klassiker wie „Lautlos im Weltraum“, „Soylent Green“, oder „Blade Runner“ nicht hinwegtäuschen. Zentraler Kritikpunkt bleibt aber die eindimensionale, erzählerische Aufarbeitung, die sich letztendlich auf einen simplen Kampf ums Überleben reduzieren lässt, während sozialkritische Verweise z.B. auf den respektlosen Umgang mit dem (Human-)Kapital Mensch doch eher plotergänzende Staffage bleiben.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVD verfügt über eine gute Bildschärfe und eine ansprechende, ausdrucksstarke Farbgebung. Auch bezüglich der ausgeglichenen Kontrastwerte und der unauffälligen Kompression gibt es keinen Grund zur Klage. Allgegenwärtig ist dafür jedoch ein starkes Bildrauschen. Alle Tonspuren dieses eher ruhig inszenierten Werkes bieten eine gute Verständlichkeit, wurden aber auch sehr ausgewogen abgemischt und bieten eine stimmungsvolle musikalische Untermalung. Die deutsche Synchronfassung ist qualitativ sehr hochwertig ausgefallen.
Auf der DVD befinden sich gleich zwei Audiokommentare von sehr unterschiedlicher Qualität. Den ersten Audiokommentar bestreiten Regisseur Duncan Jones, Kameramann Gary Shaw sowie die Filmdesigner Gavin Rothery und Tony Noble. Leider wird hier sehr viel durcheinander geredet und die einzelnen Urheber der Äußerungen sind kaum zu identifizieren. Inhaltlich konzentriert sich dieses Feature erwartungsgemäß auf das Set Design des Films, wobei allerdings nicht wirklich viel Informatives vermittelt wird. Vielmehr ergehen sich die Beteiligten häufig in Salven von Gelächter und flüchten sich in platte Witze, was einen eher pubertären Eindruck hinterlässt und dem Anlass nicht wirklich angemessen erscheint. Aufgrund des starken Akzents der Sprecher und den fehlenden Untertiteln ist es zudem selbst für Zuhörer mit gutem Sprachverständnis nicht einfach, den englischen Äußerungen zu folgen. Der zweite Audiokommentar mit Regisseur Duncan Jones und dem Produzenten Stuart Fenegan verläuft glücklicherweise deutlich übersichtlicher und strukturierter, bzw. professioneller. Hier werden auf interessante Art und Weise einige Hintergrundinformationen zu Bereichen wie den Effekten, den verwendeten Bauten/Sets, den Produktionsbedingungen, aber auch zu inhaltlichen Aspekten oder zitierten Vorbildern vermittelt. Die fehlenden Untertitel sind aber auch hier ein klarer Kritikpunkt. Ansonsten befinden sich auf der DVD lediglich noch der deutsche sowie englische Kinotrailer. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover. Zudem existiert auch noch eine “2 Disc Special Edition” des Films, die auf der zweiten DVD noch zusätzliches Bonusmaterial wie ein Making Of zum Film, Interviews, den Kurzfilm “Whistle” sowie eine Featurette über die Spezialeffekte beinhaltet. Diese SE wird im Pappschuber mit Prägedruck ausgeliefert.
Fazit:
„Moon“ hat eine ganze Menge interessanter Ansätze zu bieten und wirkt bezüglich seiner Optik sowie Akustik zunächst stilistisch sehr durchdacht, während Sam Rockwell in einer nicht ganz alltäglichen Doppelrolle überzeugt. Die Geschichte nimmt ihre entscheidende Wendung aber schon nach weniger als 30 Minuten und bleibt fortan bis zum Ende völlig durchschaubar und recht oberflächlich, während sich in den Außensequenzen größere, technische Schwächen offenbaren. Qualitativ macht die DVD für eine Independent-Produktion einen überzeugenden Eindruck, beim Bonusmaterial ist jedoch nur einer der Audiokommentare wirklich brauchbar ausgefallen, der aber auch unter den unverständlicherweise wegrationalisierten Untertiteln leidet.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
2,40:1
|
92:56 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Arabisch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch |
|
Bonusmaterial:
|
- Audiokommentar mit Regisseur Duncan Jones, Kameramann Gary Shaw sowie den Designern Gavin Rothery und Tony Noble
- Audiokommentar mit Regisseur Duncan Jones und Produzent Stuart Fenegan
- Deutscher Kinotrailer
- Englischer Kinotrailer
|
|  |
Moon
Moon
Ein Science-Fiction-Film mit viel Potential, das jedoch für eine simple Survivalstory geopfert wird
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2009 Regie: Duncan Jones Drehbuch: Duncan Jones, Nathan Parker Darsteller: Sam Rockwell
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 28.01.2011
|