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DVD-Besprechung - Besouro - Die Geburt einer Legende

Story:
Brasilien 1924: offiziell ist die Sklaverei abgeschafft, doch noch immer leben viele Afro-Brasilianer unter unmenschlichen Bedingungen und ohne Rechte. Doch es regt sich Widerstand gegen die Weißen. Der Capueira-Meister Alipio versucht den Kampf der Menschen zu organisieren und wird deshalb im Auftrag des Landbesitzers Colonel Venancio (Flavio Rocha) getötet. Besouro (Ailton Carmo), der als der beste Schüler Alipios, seinen Meister beschützen sollte, wird daraufhin von Schuldgefühlen geplagt und flieht in den Urwald. Doch als der Aufruhr unter den übrigen Bewohnern langsam auszubrechen droht, beschließt Besouro sich dem Kampf anzuschließen  und stellt sich damit seinem Schicksal. 


Meinung zum Film:
Die Handlung des Films „Besouro – Die Geburt einer Legende“ bezieht sich auf die Legende des berühmten Capoeirista Manuel Henrique Pereira, der unter dem Namen „Besouro“ in Liedern bis heute besungen wird. Die Story entwickelt sich zunächst relativ langsam. Nachdem alle Charaktere eingeführt und ihre Beziehungen zueinander geklärt wurden, fällt der Blick auf die unmenschliche Situation der ehemaligen Sklaven. Die rassistischen Übergriffe, die auch Vergewaltigungen nicht ausschließen, werden in all ihrer Grausamkeit dem Zuschauer vor Augen geführt. Regisseur Joan Daniel Tikhomiroff („A Maquina das Mararvilhas“), der ursprünglich aus der Werbefilmbranche stammt, vermittelt das Geschehen gekonnt durch die Kombination verschiedener Genre und Motive. Da steht neben der Liebesgeschichte Besouros mit seiner Kindheitsfreundin Dinora (Jessica Barbosa), der Neid und die Eifersucht seines besten Freundes Quero Quero (Anderson Santos de Jesus), der Befreiungskampf steht neben der Entwicklungs- und Kulturgeschichte des Capoeiras und neben der Grausamkeit der weißen Herren stehen die Götter und Mythen der Dorbewohner. Aber gerade dieser Mix macht den Film außergewöhnlich und faszinierend.

Die Hauptdarsteller Ailton Carmo (Besouro), Anderson Santos de Jesus (Quero Quero) und Jessica Barbaros (Dinora) geben in diesem Film ihr Debüt als Schauspieler. Sie beherrschen die Kampfsportkunst Capoeira hervorragend, was sich besonders in den Kampfszenen bemerkbar macht. Auch wenn die Dialoge manchmal etwas hölzern klingen, verkörpern sie ihre Rollen jedoch durchaus annehmbar und realistisch. Carmos Darstellung sticht dabei nicht nur mit seinem Talent zu Capoeira heraus, sondern auch mit seiner Art, die Wichtigkeit seiner Rolle dem Zuschauer näher zu bringen. Die Szenen, in denen er in Verbindung mit den Naturgöttern tritt, sind denn auch nicht nur ästhetisch die schönsten des Films, sondern auch diejenigen, in denen er seine schauspielerische Kunst voll entfalten kann. Seine Wandlung vom arroganten und verantwortungslosen Straßenkämpfer zum mutigen Freiheits- und Guerillakämpfer wirkt authentisch und macht seinem Filmdebüt alle Ehre. Barbosa verkörpert in ihrer Darstellung der opferbereiten Dinora den weiblichen Gegenpart von Besouro. Ihre Leistung reicht zwar nicht an die Carmos heran, aber sie ist durchaus lobenswert. De Jesus wirkt als Einziger unter diesen dreien ein wenig verkrampft und platt. Sein Spiel trägt noch den Stempel des Laiendarstellers, was mancher Szene die Dramatik nimmt, aber im Ganzen nicht unbedingt zum Tragen kommt. 

Tikhomiroff setzt bei diesem Film auf eine besondere Farbgebung, um einen bestimmten Effekt hervorzurufen. Dieser Effekt soll die Naturverbundenheit der Geschichte optisch unterstreichen und wird mit Hilfe eines grünen Schleiers hervorgerufen, der sich auf jede Szene zu legen scheint. Dabei ist es natürlich sehr hilfreich gewesen, den  Handlungsort so oft wie möglich in den Urwald zu verlegen. Um die Verbundenheit der Menschen mit der Natur visuell noch zu optimieren, übernimmt die Kamera manchmal die Perspektive eines fliegenden Käfers oder eines schwimmenden Froschs. Dadurch erfährt auch der Zuschauer eine neue Perspektive, die ihm dabei helfen soll, sich auf die mystische Aura, die der Geschichte dabei verliehen wird, einzulassen. Lange Kamerafahrten und ungeschnittene Sequenzen runden das Ganze dann ab und machen den Film zu einem harmonischen Gesamtkonstrukt. Die Kampfszenen wurden von dem bekannten Martial-Art-Choriographen  Huan-Chiu Ku inszeniert, der sein Talent auch schon in „Kill Bill 1“ und „Tiger and Dragon“ bewies. Er ist es denn auch, der die Capoeirakämpfe richtig in Szene zu setzen weiß, um diesen Kampfstil, dem in diesem Film eine tragende Rolle zukommt, richtig zu würdigen. Letztlich ist ein künstlerisch anspruchvoller Film entstanden, der dem Kenner des Genres durchaus zu gefallen weiß.


Digitale Aufarbeitung:
Trotz der zeitweise sehr lauten Hintergrundgeräusche, die auch manchmal die Dialoge übertönen, ist der Ton eigentlich immer klar und verständlich. Die deutsche Sychronisation ist gut gelungen und die Abstimmung zwischen Dialogen und Hintergrundmusik sorgt auch nicht für Klagen. Die Farbqualität erscheint zeitweise jedoch ein wenig zu hell und tendiert ins gelbliche. Der Kontrast bewegt sich im normalen Bereich. 

Extras sind leider nicht vorhanden.



Fazit:
„Besouro- Die Geschichte einer Legende“ überzeugt vor allem durch die kunstvoll inszenierten Kampfszenen und die fantastische Darstellung der Natur in all ihrer Schönheit. Dabei gelingt es auch den Schauspielern, die allesamt Filmdebütanten sind, den Zuschauer zu überzeugen und sich auf die Geschichte einzulassen.


Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
89:42 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Portugiesisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:

Besouro - Die Geburt einer Legende - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Besouro-Die Geschichte einer Legende
Besouro

Bild unseres Mitarbeiters Yatiker Yildiz
Ein wahrer Kunstfilm!


Autor der Besprechung:
Yatiker Yildiz

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Brasilien, 2009
Regie:
Joan Daniel Tikhomiroff
Drehbuch:
Patricia Andrade, Joan Daniel Tikhomiroff
Darsteller:
Ailton Carmo, Anderson Santos De Jesus, Jessica Barbosa, Flavio Rocha

Label Deutschland :
Infopictures
Verkaufsstart Deutschland :
28.01.2011