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DVD-Besprechung - Die Taxifahrerin

Story:
Léo (Gérard Lanvin), ein junger Musiker, hat genug von seinem tristen Job und der immer gleichen Freundin und beschließt eines Tages, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. So zieht er spontan bei seinem langjährigen Freund Bony (André Dussollier) ein, der sich momentan als Schriftsteller versucht. Bony ist wenig begeistert, lässt Léo aber gewähren. Eines Abends lernt Léo die Taxifahrerin Cora (Christine Boisson) kennen und fängt eine Art Beziehung mit ihr an. Cora hat allerdings einige Geheimnisse und spricht nicht viel von sich selbst. Und als Léo ihr Bony vorstellt, kommt es dazu, dass auch sein Freund ihr nicht abgeneigt zu sein scheint.

Meinung zum Film:
Es gibt Filme, die ganz interessant sind, und welche, die es eher nicht sind. "Die Taxifahrerin" gehört ganz eindeutig in letztere Kategorie. Vielleicht ist auch das einer der Gründe, warum der iranischstämmige Regisseur und Drehbuchautor Jacques Bral in letzter Zeit nur alle zehn Jahre mal einen Film gedreht hat, die hierzulande zudem relativ unbekannt sind (der letzte war "Tödliche Diamanten" im Jahr 2006). Er selbst beschreibt "Die Taxifahrerin" als "Geschichte der Begegnung, der Freundschaft und der Liebe" und vielleicht war der Film zu seiner Zeit tatsächlich auch eine treffende Momentaufnahme der französischen Gesellschaft. Aus heutiger Sicht ist "Die Taxifahrerin" allerdings furchtbar langweilig, zäh und uninteressant.

Das Problem des Films ist vor allem, dass innerhalb der gesamten Laufzeit von fast zwei Stunden nahezu rein gar nichts passiert. Die offizielle Website, die zum französischen Re-Release im Jahr 2010 veröffentlicht wurde, präsentiert eine aus sieben Sätzen bestehende Inhaltsangabe - und diese fasst die Handlung tatsächlich komplett zusammen, mehr passiert einfach nicht. Die meiste Zeit über sitzen, stehen oder liegen die Figuren irgendwo in der Gegend rum und geben in Bonys Wohnung oder in irgendeiner Kneipe oder einem Club Weisheiten wie "Keine Lust!", "Mir doch egal!", "Alles ist blöd!" und "Mach doch, was du willst!" von sich, bevor es dann wieder mit der ersten dieser Aussagen von vorn losgeht. Dadurch bekommt man zwar sicherlich eine gewisse Grundstimmung vermittelt, das hätte aber auch in einem Kurzfilm dargestellt werden können, ohne den Zuschauer zwei Stunden lang zu quälen.

Ein weiterer Punkt ist, dass "Die Taxifahrerin" nicht nur eine langweilige Handlung hat, sondern noch dazu filmisch völlig uninteressant ist. Es passiert nichts - und das wird in nichtssagenden, unspektakulären Bildern festgehalten. Sämtliche Schauplätze sind letztlich für den Fortgang der Geschichte irrelevant. Von daher würde "Die Taxifahrerin" sicherlich ganz gut als Kammerspiel am Theater funktionieren (so wirkt das Ganze insgesamt auch eher), als Film muss man sich so was aber wirklich nicht antun. Ärgerlich ist außerdem, dass die "realitätsabbildende" Handlung etwas unrealistisch wird, wenn sie Cora zeigt, die ihre reicheren Kunden am Ende der Fahrt zusammenschlägt und ihnen das Geld abnimmt. Es sollte doch für die Polizei zu dieser Zeit nicht so schwer gewesen sein, einen weiblichen Taxifahrer in Paris ausfindig zu machen. Der Film gibt zwar einen lieblosen Erklärungsversuch, als "Zeugen" den Täter "eindeutig" als Afrikaner beschreiben, aber dann hätte man die entsprechenden Szenen auch etwas mehr so ausrichten sollen, dass eindeutig klar wird, dass die Fahrgäste auf keinen Fall gesehen haben können, dass sie von einer weißen Frau chauffiert wurden. Dem ist jedoch leider nicht so. Die schauspielerischen Leistungen sind hingegen insgesamt in Ordnung, soweit sich das bei gelangweilten Figuren in einer langweiligen Handlung überhaupt beurteilen lässt.

Digitale Aufarbeitung:
Dafür, dass "Die Taxifahrerin" im Jahr 2010 in Frankreich noch mal ins Kino kam und man für den Transfer der DVD wohl die zu diesem Anlass remasterte Fassung verwendet hat, ist das Bild nicht wirklich toll. Es gibt zahlreiche Dropouts und analoge Defekte, außerdem wirkt alles zu dunkel, sodass man in den zahlreichen Nachtszenen noch weniger erkennen kann als man eigentlich soll. Das Bild rauscht relativ stark, die Schärfe ist befriedigend, die Farben wirken natürlich. Der Mono-Ton liegt auf Deutsch in Dolby Digital 2.0 und auf Französisch als MPEG-Spur vor und klingt entsprechend dünn. Die Dialoge sind relativ leise, aber meistens verständlich, trotzdem wirkt in beiden Sprachfassungen alles zu dumpf und eingeengt.

Als Bonusmaterial gibt es lediglich den Originaltrailer sowie den zum 2010er Re-Release.

Fazit:
"Die Taxifahrerin" erinnert inhaltlich und in Sachen Inszenierung eher an ein Kammerspiel am Theater. Das führt leider dazu, dass die Geschichte filmisch völlig uninteressant ist - und diese uninteressante Geschichte wird noch dazu in extrem langweiligen Bildern eingefangen. In Anbetracht des Alters des Films liefert die DVD zufriedenstellende Qualität. Dafür, dass es 2010 eine remasterte Wiederveröffentlichung in den französischen Kinos gab, hätte sie aber doch etwas besser sein können.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,66:1
1,66:1
106:32 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Französisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
Die Taxifahrerin - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Taxifahrerin
Extérieur, nuit

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Langweiliges Kammerspiel, das auf fast zwei Stunden Film gebannt wurde


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 1980
Regie:
Jacques Bral
Drehbuch:
Jacques Bral
Darsteller:
Christine Boisson, André Dussollier, Gérard Lanvin, Jean-Pierre Sentier, Marie Keime, Elisabeth Margoni, Lydie Pruvot, Henri-Jacques Huet

Label Deutschland :
Infopictures
Verkaufsstart Deutschland :
28.01.2011