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DVD-Besprechung - Ein Zug für zwei Halunken
Story:
Im Jahr 1933, das in den USA in die Zeit der großen Depression fällt, genießt Ass-Nr. 1 (Lee Marvin) einen geradezu legendären Ruf als König der Tramps, der bisher noch jeden Zug bestiegen und illegal bis zu seinem Reiseziel bemannt hat. Sein neuestes Objekt der Begierde, Zug Nr. 19, ist jedoch ein ganz besonderes Kaliber, da hier der brutale und gefürchtete Zugführer Shack (Ernest Borgnine) das Kommando hat, der bereits Dutzende von unglücklichen, schwarzfahrenden Tippelbrüdern gewaltsam ins Jenseits beförderte. Aber als wäre das noch nicht Herausforderung genug, erwächst Ass-Nr.1 auch noch aus dem eigenen Lager Konkurrenz, denn der junge, großmäulige Cigaret (Keith Carradine) schickt sich an die lebende Legende abzulösen und selbst mit der Nr. 19 zu einer zugehörigen Triumphfahrt aufzubrechen.
Meinung zum Film:
„Ein Zug für zwei Halunken“ wurde ursprünglich durch das autobiographisch geprägte Werk „The Road“ (1907) des auf Abenteuerromane spezialisierten, amerikanischen Bestsellerautors Jack London („Der Seewolf“) inspiriert und von Christopher Knopf („Männer des Gesetzes“) für die große Leinwand adaptiert, der eigentlich zu dieser Zeit in erster Linie für das Fernsehen arbeitete, aber auch immer wieder Ausflüge ins Westerngenre unternahm. Eigentlich wollte Sam Peckinpah („The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz“) bei dem vorliegenden Film, der ihm sehr am Herzen lag, Regie führen, er wurde jedoch aus dem Projekt herausgedrängt und stattdessen übernahm Robert Aldrich („Das Dreckige Dutzend“), der hier erneut mit den Hauptdarstellern Lee Marvin („Yukon“) und Ernest Borgnine („Convoy“) zusammenarbeiten konnte. Die dritte Hauptfigur der Geschichte verkörpert Keith Carradine („Pretty Baby“). Die DVD wurde bereits im Mai letzten Jahres von Koch Media, inklusive deutscher Tonspur, in Italien veröffentlicht, daher z.B. auch die wahlweise deutsche oder italienische Menüauswahl, und feiert jetzt rund 8 Monate später, technisch identisch aber im Bonusbereich leicht verändert, ihr Premiere in Deutschland.
„Ein Zug für zwei Halunken“ ist ein schienenlastiger, aber dennoch klassischer, gewalttätiger Abenteuerfilm der alten Schule inklusive Westernfeeling. Lee Marvin und Ernest Borgnine verkörpern hier zwei unbeugsame Urtypen des Genres, die wie zwei Züge ungebremst aufeinanderprallen und sich ein gnadenloses, kompromissloses Duell bis aufs Messer liefern. Frauen spielen in dieser Männerwelt keine Rolle und die wunderschönen Naturaufnahmen stehen im harten Kontrast zur dargestellten, primitiven Bosheit des Menschen. Der Film schildert aber mit der Auseinandersetzung zwischen Ass-Nr.1 und Cigaret auch einen Generationenkonflikt, zeigt das Ringen von Mensch und Maschine, und thematisiert letztendlich auch leicht subversiv das Verhältnis zwischen Ordnungsmacht sowie von der Gesellschaft ausgegrenzten bzw. ausgebremsten Elementen, hier den mittellosen Trampern oder Hobos.
Dabei spart Aldrich keineswegs an gewalttätigen Sequenzen, gerade die Figur von Shack, der eine Fahrkarte über ein Menschenleben stellt, ist extrem menschenverachtend angelegt, liefert aber auch einen teilweise unrund wirkenden Mix aus machohaften Sprüchen, slapstickhaften Comedyeinlagen, blutigen Actionsequenzen und Ausflügen in das Buddyfilmgenre. Denn was als Rivalität zwischen zwei Hobos beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer Lehrmeister-Schüler-Beziehung, in deren Verlauf Ass-Nr.1 wichtige Gratislektionen im täglichen Überlebenskampf erteilt. Der Film kämpft aber auch mit einigen Längen, die sich in negativer Hinsicht zu den Heterogenität erzeugenden Genreausflügen gesellen, und hat erstaunlicherweise gar nicht soviele klassische Actionsequenzen zu bieten, wie das angesichts der versammelten Beteiligten zu erwarten wäre. Handwerklich ist der Film stets auf der Höhe und überzeugt mit pointierter Kameraführung, einem balladigen Soundtrack und drei stark aufspielenden Hollywoodgrößen.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVD präsentiert den rund 37 Jahre alten Film in wirklich überzeugender Bildqualität, mit guter Schärfe und kräftiger, natürlicher Farbgebung. Die Kontrastwerte wirken ebenfalls ausgewogen, trotz einiger dunkler bzw. nebliger Sequenzen, Bildrauschen ist zwar vorhanden, aber nicht in einem störenden Ausmaß. Die Kompression arbeitet zuverlässig, die Vorlage weist aber diverse, leichte Verschmutzungen und Bildfehler auf, allerdings fallen diese nie sonderlich ins Gewicht. Die DVD bietet gleich drei Tonspuren, Deutsch, Englisch und Italienisch, die allesamt mit kräftigem, natürlichem Klang, guter Verständlichkeit und ausgewogener Abmischung punkten können. Zudem enthält die DVD noch italienische Untertitel. Die deutsche Tonspur enthält allerdings als einzige einen winzigen, zwei Sekunden anhaltenden Tonbug, in Form einer deutlichen Verzerrung, bei der Marke von 106:36 Minuten.
Das Herzstück des Bonusmaterials ist der Audiokommentar des Filmhistorikers Prof. Dana Polan von der New York University, für den jedoch leider keine Untertitel verfügbar sind. Der Kommentar wird engagiert vorgetragen und enthält eine Vielzahl interessanter Hintergrundinformationen und Interpretationshilfen zum Film. Weiterhin befindet sich auf der DVD noch ein zeitgenössisches, englischsprachiges Making Of (6:52), ebenfalls ohne Untertitel, das allerdings nur in ziemlich schwacher Bildqualität vorliegt, vor allem werbenden Charakter besitzt und lediglich ein paar bewegte Bilder sowie O-Töne vom Set zu offerieren hat. Weiterhin enthält die DVD noch den deutschen Kinotrailer, zwei englischsprachige Kinotrailer, zwei englischsprachige Teaser und eine Bildergalerie mit Werbematerial bzw. Aushangfotos. Außerdem liegt der DVD noch ein informatives, 28-seitiges Booklet bei. Dieses beinhaltet ein Portrait von Robert Aldrich, ein Statement Aldrichs, ein Gespräch Aldrichs mit Francois Truffaut und einige Hintergrundinformationen zum Drehbuch bzw. Film selbst. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Ein Zug für zwei Halunken“ ist ein klassischer Abenteuerfilm der alten Schule, der sich zu großen Teilen auf der Schiene abspielt und mit drei starken Hauptdarstellern sowie handwerklicher Finesse punkten kann. Leider weist die Geschichte aber einige Längen auf und der Genre-Mix wirkt im Erzählton nicht immer ausgewogen, Liebhaber klassischer Abenteuerfilme der Kategorie „Gelobt sei, was hart macht“ dürfen jedoch bei diesem Film dennoch beruhigt zugreifen. Technisch ist die vorliegende Veröffentlichung sehr überzeugend ausgefallen und auch das Bonusmaterial weiß durchaus zu gefallen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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115:29 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 | Italienisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Italienisch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar des Filmhistorikers Dona Polan
- Making Of
- Deutscher Kinotrailer
- Zwei englischsprachige Kinotrailer
- Zwei englischsprachige Teaser
- Bildergalerie mit Werbematerial
- 28-seitiges Booklet
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Ein Zug für zwei Halunken
Emperor of the North Pole
Klassischer Abenteuerfilm mit harten Kerlen, flotten Sprüchen und drei starken Hauptdarstellern!
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1973 Regie: Robert Aldrich Drehbuch: Christopher Knopf (basierend auf einer Vorlage von Jack London) Darsteller: Lee Marvin, Ernest Borgnine, Keith Carradine, Charles Tyler, Malcolm Atterbury, Simon Oakland, Harry Caesar, Hal Baylor
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 04.02.2011
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