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DVD-Besprechung - Children of Glory

Story:
Szabó Karcsi (Iván Fenyö) ist im Jahr 1956 der Kapitän der ungarischen Wasserballnationalmannschaft, die an den Olympischen Spielen in Melbourne teilnehmen wird. Ausgerechnet zu dieser Zeit lernt Szabò aber die Studentin Falk Viki (Kata Dobó) kennen, die sich sehr stark in einer revolutionären Unabhängigkeitsbewegung gegen die Sowjetunion engagiert. Auch der bisher weitgehend unpolitische Szabò wird in den Volksaufstand gegen die russischen Besatzer hineingezogen und stellt schließlich die Sache seines Volkes sogar über die Teilnahme an den Olympischen Spieler und damit über seine eigene Karriere.

Meinung zum Film:
„Children of Glory“ ist ein ungarisches Historiendrama aus dem Jahr 2006, das sich aus einheimischer Perspektive mit den Ereignissen rund um den historischen Volksaufstand von 1956 auseinandersetzt, der seinerzeit von der Sowjetunion blutig niedergeschlagen wurde und an den seit 1989 mit dem Nationalfeiertag am 23. Oktober erinnert wird. Der Film feierte seine Deutschlandpremiere auf der Berlinale 2007 und gilt in Ungarn als größter Kinoerfolg seiner Filmgeschichte. Die beiden Hauptdarsteller Iván Fenyö und Kata Dobó dürften in Deutschland höchstens durch kleinere Rollen in Hollywoodproduktionen wie „Jarhead – Willkommen im Dreck“ oder „Rollerball“ bekannt sein. Regisseur Krisztina Goda drehte zuletzt 2008 die Schurkenkomödie „Chameleon“, die im Jahr 2010 als Ungarns offizieller Kandidat für den Oscar ins Rennen ging.

„Children of Glory“ ist keineswegs ein Sportlerdrama mit polithistorischem Hintergrund, wie es die eher irreführende Werbung des DVD-Vertriebs Glauben machen könnte, sondern konzentriert sich in Wahrheit darauf, anhand zweier involvierter Figuren, der radikalen Studentin Viki und dem Wasserballkapitän Szabò, den Verlauf des Volksaufstands von 1956 nachzuzeichnen. Die Wasserballauseinandersetzung mit der Sowjetunion bei den Olympischen Spielen wird hingegen erst gegen Ende mehr als historische Fußnote thematisiert. Was der Film allerdings auch auf keinen Fall darstellt ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den revolutionären Geschehnissen dieser Zeit. Zwar wirkt der Film optisch zeitgenössisch und sehr professionell, zudem, was die Kostüme und historischen Schauplätze angeht, aufwendig in Szene gesetzt, jedoch bewegt sich das Drehbuch lediglich auf dem Niveau eines Groschenromans. Besonders die aufdringliche, extrem prätentiös-pathetische Musikuntermalung erstickt von Anfang an jeden Anflug von Authentizität oder tiefer empfundener Emotion. Hinzu gesellen sich zwei absolut klischeehaft-eindimensionale Hauptfiguren, eine radikale Studentin und ein politischer unbedarfter Leistungsportler mit dem Herz am rechten Fleck, die jedoch beide den Patriotismus bereits mit der Muttermilch eingesogen zu haben scheinen, und einige peinlich naive Nebenfiguren.

Dabei trieft die gesamte Erzählung vor Kitsch, nicht nur in Bezug auf die unvermeidliche Liebesgeschichte zwischen Szabò und Viki, und gebärdet sich in ihrem übersteigerten Patriotismus und der simplen Schwarz-Weiß-Zeichnung, nebst durchgehender Herabwürdigung sämtlicher vorkommenden Russen („Russenärsche“), wie ein schlecht gemachter Propagandafilm. Die Oberflächlichkeit der Darstellung und die fehlende dramaturgische Zuspitzung der Ereignisse blieben jedoch offensichtlich auch den Verantwortlichen nicht verborgen, weshalb immer wieder gut gefilmte, aber deplaziert-plakativ wirkende Action- bzw. Kampfsequenzen eingestreut werden. Die wenigen Wasserballsequenzen wirken zwar sehr dynamisch gefilmt, bleiben aber extrem kurze Randerscheinungen, zudem fällt die finale Wasserballschlacht, das sogenannte „Blutspiel von Melbourne“, als Symbol für den Widerstand gegen das kommunistische Sowjetreich, lange nicht so spektakulär und blutig aus wie proklamiert und wird zudem einfach abrupt, ohne weitere Erläuterung beendet. Historisch verdreht der Film zudem den Spielverlauf, indem er die russischen Spieler als die bösen Buben hinstellt, obwohl im Gegenteil die Ungarn bewusst die Russen beleidigten bzw. provozierten, um sie dadurch aus dem Konzept zu bringen, und auch entgegen der einseitigen Filmdarstellung beide Seiten körperlich sehr hart zur Sache gingen.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD verfügt über eine gute Bildschärfe, die allerdings im Detail etwas zu wünschen übrig läßt. Die Kontrastwerte wirken ausgewogen und die Farbgebung hinterlässt einen ausdrucksstarken, zeitgenössischen Eindruck. Die deutschen Tonspuren bieten eine gute Verständlichkeit, die Synchronisation ist allerdings eher durchschnittlich ausgefallen. Die Musikuntermalung wirkt allerdings etwas zu aufdringlich abgemischt, unter diesem Aspekt leiden auch die Actionsequenzen, die dadurch keine größere Wirkung entfalten können. Die ungarische Originaltonspur ist zwar auf der DVD enthalten, aufgrund fehlender Untertitel allerdings keine wirkliche Alternative für deutsche Zuschauer.  

Auf der DVD befindet sich neben dem Filmtrailer und einer Bildergalerie auch noch das Making Of (24:45) zum Film mit englischen Untertiteln. Es enthält allerdings sehr viele Filmszenen und ist eher oberflächlich ausgefallen, neben Stimmen der Verantwortlichen bzw. Mitwirkenden enthält es aber immerhin auch ein paar Informationen zu Aspekten wie der Kameraführung oder den verwendeten CGI-Effekten. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
"Children of Glory" entpuppt sich als eindimensionaler Propagandastreifen im Gewand eines Historiendramas voller Kitsch, manipulativem Pathos und aufgesetztem Patriotismus. Handwerklich mit viel Aufwand in Szene gesetzt und sehr professionell gefilmt, verkommt das Werk inhaltlich zu einem plakativ inszenierten Groschenroman vor historischem Hintergrund. Technisch macht die DVD einen guten Eindruck, Minuspunkte gibt es allerdings für die eher durchschnittliche Synchronisation, fehlende Untertitel zur Originaltonspur und schwaches Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
115:08 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Ungarisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Filmtrailer
  • Bildergalerie
Children of Glory - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Children of Glory
Szabadság, szerelem

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Finger weg von diesem langatmigen, schlecht gemachten Propagandastreifen!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Ungarn, 2006
Regie:
Krisztina Goda
Drehbuch:
Joe Eszterhas, Éva Gárdos, Géza Bereményi, Réka Divinyi
Darsteller:
Iván Fenyö, Kata Dobó, Sándor Csányi, Károly Gesztesi, Ildikó Bánsági, Tamás Jordán, Viktória Szávai, Zsolt Huszár

Label Deutschland :
WGF
Verkaufsstart Deutschland :
17.02.2011