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DVD-Besprechung - Sie möchten Giganten sein

Story:
Die Familie Stamper ist seit jeher mit ihrem Familienbetrieb im Holzgewerbe tätig und lebt gemeinsam unter einem Dach. Vater Henry (Henry Fonda) ist nominell das Familienoberhaupt, sein Sohn Hank (Paul Newman) trägt aber mittlerweile die Hauptlast des harten Tagesgeschäfts. Als sich ihre Gewerkschaft für einen Streik ausspricht, fasst der starrsinnige Henry das als Kampfansage gegen sein freies Unternehmertum auf und widersetzt sich. Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft, die auch vor Sabotage nicht zurückschreckt. Währenddessen sorgt aber auch die nicht unbedingt willkommen Rückkehr von Hanks Halbbruder Leeland (Michael Sarrazin) für einige Turbulenzen am Stammsitz der Familie.

Meinung zum Film:
„Sie möchten Giganten sein“ ist die zweite Regiearbeit der amerikanischen Schauspielgröße Paul Newman („Indianapolis“) nach dem Melodram „Die Liebe eines Sommers“ (1968). Das Drehbuch von John Gay („Vierzig Wagen westwärts“) basiert auf dem zweiten Roman des US-Schriftstellers Ken Kesey („Einer flog übers Kuckucksnest“) mit dem Titel „Sometimes a Great Notion“ („Manchmal ein großes Verlangen“) aus dem Jahr 1964. Für die Verfilmung aus dem Jahr 1971 ließ es sich Newman nicht nehmen selbst eine der Hauptrollen zu übernehmen, engagierte aber zusätzlich auch noch namhafte Schauspielgrößen wie Henry Fonda („Spiel mir das Lied vom Tod“), Lee Remick („Das Omen“), Michael Sarrazin („Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß“) und Richard Jaeckel („Das Dreckige Dutzend“). Es handelt sich bei dieser Veröffentlichung, anders als bei der deutschen VHS-Fassung, um den ungekürzten Director`s Cut des Films. Wieder eingefügte Szenen liegen im englischen Originalton vor und wurden deutsch untertitelt.

„Sie möchten Giganten sein“ ist ein Familiendrama, in dessen Mittelpunkt sich die Familie Stamper befindet, die im Holzfäller- bzw. Holztransportgewerbe tätig ist. Das unbestrittene Oberhaupt der Familie ist Henry Stamper, der jedoch ein eisernes Regiment führt und sich von Niemandem etwas sagen lässt. Sein Sohn Hank, der mittlerweile im Tagesgeschäft den Löwenanteil der Arbeit trägt, ist jedoch extrem loyal. Henrys Starrsinn führt die Familie schließlich in eine Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft vor Ort, getreu dem Familienmotto „Niemals einen Zoll nachgeben“. Dabei gibt sich die Erzählweise äußerst lückenhaft und lässt viele Fragen offen. So bleibt beispielsweise weitgehend unklar, welche Ziele die Gewerkschaft mit ihrem Streik eigentlich genau verfolgt und es wird auch nie geklärt, ob nicht auch die Stampers auf längere Sicht von deren Aktionen profitieren könnten. Es wird lediglich angeführt, dass ihre Heimatstadt wirtschaftlich alles andere als gesund dasteht. Letztendlich sind die Rollen von Gut und Böse im Film jedoch klar verteilt. Die Stampers wollen lediglich in Ruhe ihrer ehrlichen Arbeit nachgehen, während die skrupellosen Gewerkschaften nichtmal vor Sabotage zurückschrecken und von Henry als Kommunistenschweine abgetan werden. Trotzdem begleitet den Film durchgehend eine Vorahnung großen Unheils, das über der Familie schwebt und nur darauf wartet, über sie hereinzubrechen. Dieser dunkle Schatten scheint sich auch bereits mit der Ankunft von Leeland zu manifestieren, der unter die makellose Fassade der Stampers blickt und scheinbar einige dunkle Familiengeheimnisse ans Tageslicht bringen möchte. Potentielle Konfliktherde verlaufen jedoch weitgehend im Sande und führen zu einem letztendlich inkonsequenten und selbstherrlichen Finale.  

„Sie möchten Giganten sein“ hat außer seiner Starbesetzung leider keinerlei Vorzüge. Das oberflächliche, inhaltlich extrem lückenhafte Drehbuch ist eine einzige lange Reise ins Reich der Träume, bewegt also immerhin auch den Zuschauer zum „Sägen“, und lässt jeden Sinn für Dramaturgie vermissen. Stattdessen gibt es endlose Füllszenen von den familiären Holzabbauarbeiten im Wald zu erspähen, während die 08/15-Countrymusik des Films fröhlich vor sich hindudelt. Die Konfliktlinien innerhalb der Familie werden nicht konsequent weiterverfolgt und von den guten, aber eher routiniert aufspielenden Darstellern bekommt dadurch keiner wirklich starke Szenen zugewiesen, um sich besonders auszuzeichnen. Die Darstellung der Gewerkschaften entbehrt hingegen nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik, da sich diese hier eher wie ein lokaler Zweig der Mafia gebärden, die nur das Ziel verfolgen, ehrlichen Amerikanern in die Suppe zu spucken. Inhaltlich hat der Film beinahe nichts zu bieten, schleppt sich aber endlos über seine viel zu lange Laufzeit von beinahe 110 Minuten. Wer jedoch bis zum Ende durchhält, wird sicherlich auch noch von diesem maßlos enttäuscht werden.

Digitale Aufarbeitung:
Die vorliegende DVD dieses rund 30 Jahre alten Titels überzeugt mit guter Schärfe, ausgewogenem Kontrast, natürlicher Farbgebung und unauffälliger Kompression. Bildrauschen ist zwar in größerem Ausmaß vorhanden, dafür gibt es aber weder Verschmutzungen noch Beschädigungen der Vorlage. Die deutsche Tonspur liegt lediglich im Mono-Ton vor, überzeugt aber mit guter Verständlichkeit und einer gelungenen Synchronisation.

Das Bonusmaterial ist sehr bescheiden ausgefallen, neben dem englischen Filmtrailer in eher schwacher Bildqualität befindet sich auf der DVD lediglich noch eine Bildergalerie mit Filmszenen. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Sie möchten Giganten sein“ ist ein altmodisches Hollywood-Familiendrama, das trotz prominenter Besetzung angesichts seines lückenhaften, ereignisarmen Drehbuchs vor allem für Zuschauer mit Schlafstörungen interessant sein dürfte. Die erstmalige Veröffentlichung des deutlich längeren Director`s Cut ist dadurch eher ein Fluch als ein Segen. Technisch macht die DVD einen wirklich guten Eindruck, das Bonusmaterial ist allerdings sehr mau ausgefallen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
109:50 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Englischer Trailer
  • Bildergalerie mit Filmszenen
Sie möchten Giganten sein - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Sie möchten Giganten sein
Sometimes a Great Notion

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Hier "sägt" der Zuschauer mehr Bäume als die gesamte Familie Stamper...


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1970
Regie:
Paul Newman
Drehbuch:
John Gay (basierend auf einem Roman von Ken Kesey)
Darsteller:
Paul Newman, Henry Fonda, Lee Remick, Michael Sarrazin, Richard Jaeckel, Linda Lawson, Cliff Potts, Sam Gilman

Label Deutschland :
MiG Film
Verkaufsstart Deutschland :
17.02.2011