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Blu-ray-Besprechung - Küss mich, Zombie!

Story:
Die beiden Brüder Patrick (Eric Lehning) und Carol (Cody DeVos) bilden gemeinsam mit Rody (Jordan Lehning), Addy (Leah High) und Wendy (Shellie Marie Shartzer) eine Highschool-Clique. Doch im letzten Schuljahr vor dem College passiert etwas Furchtbares: Wendy verschwindet spurlos und nach einiger Zeit nimmt man an, dass sie tot ist. Nach einer symbolischen Beerdigungsfeier mit leerem Sarg fährt Carol mit seinem kleinen Bruder Beetle (Brett Miller) ein bisschen in der Gegend herum und dabei entdecken die beiden zufällig in einem Waldstück die untote Leiche von Wendy. Sie nehmen sie mit heim, wo sie von Patrick erwischt werden, und die drei schmieden gemeinsam den Plan, Zombie-Wendy im Haus des gerade verreisten Rody unterzubringen und sich dort um sie zu kümmern.

Meinung zum Film:
Zombiefilme gibt es zuhauf, Horrorkomödien auch. Was hat also "Küss mich, Zombie!" an sich, das den Zuschauer dazu bringt, diese amerikanische Independent-Low-Budget-Produktion unbedingt sehen zu wollen? Die Antwort ist sehr einfach: rein gar nichts! Wer hier eine Kultkomödie wie "Zombieland" oder auch nur eine Parodie wie "Shaun of the Dead" erwartet, wird maßlos enttäuscht sein, denn "Küss mich Zombie" ist vor allem eins, nämlich furchtbar langweilig, unlustig und inhaltlich nicht nachvollziehbar. Dabei bietet der Film eine durchaus spannende und interessante Grundidee.

Die beiden Brüder Patrick (Eric Lehning) und Carol (Cody DeVos) stoßen auf die untote Leiche ihrer seit einiger Zeit vermissten Freundin Wendy (Shellie Marie Shartzer). Daraus hätte man nun eine locker abgedrehte Komödie entwickeln können, die das Bruderpaar dabei zeigt, wie es mit Wendys Zustand klarkommen und sie vor anderen Leuten verstecken muss und vielleicht noch nebenher versucht, irgendein Heilmittel für sie zu finden. Genau diesen Plot scheinen auch die meisten Promo-Inhaltsbeschreibungen anzudeuten, doch leider lässt sich davon im eigentlichen Film absolut nichts finden. Patrick und Carol stopfen Wendy einfach im Haus eines gerade verreisten Kumpels ins Badezimmer, mehr passiert nicht. Weder droht ihr "Geheimnis" in absehbarer Zeit aufzufliegen noch gibt es irgendwelche lustigen Ereignisse. Und irgendwelche Splatter- oder auch nur Zombieelemente sollte man gar nicht erst erwarten, sie sind nämlich (mal mit Ausnahme davon, dass Wendy ab und an auf etwas unappetitliche Weise Nahrung eingetrichtert bekommt) nicht vorhanden - und von Wendy selbst ist auch insgesamt nicht gerade viel zu sehen in diesen etwas mehr als anderthalb Stunden.

Stattdessen erweist sich "Küss mich, Zombie" als reine Selbstinszenierung des hinter dem Film stehenden Kreativteams "Deagol Brothers", das unter anderem aus den beiden Hauptdarstellern Eric Lehning und Cody DeVos besteht. Lehning spielt den schon immer heimlich in Wendy verliebten Patrick völlig übertrieben und seine Aktionen werden irgendwann nicht mehr nachvollziehbar, zumal er nicht wirklich ernsthaft nach einem Heilmittel für Wendy sucht, sondern sie lediglich an ihrem untoten Leben erhält und als eine Art Puppe ansieht, die er anziehen, waschen, füttern muss etc. Was ebenfalls nicht nachvollziehbar ist, ist die Tatsache, dass der Film - statt sich auf seine eigentliche schlecht ausgearbeitete Handlung zu konzentrieren - dann auch noch eine Nebenhandlung um Carol und dessen Annäherungsversuche an Addy (Leah High), ein anderes Mädchen aus der Clique, einführt, die bald den Großteil des eigentlichen Geschehens einnimmt und das Ganze in Verbindung mit dem sich ankündigenden Highschool-Abschluss und dem Wechsel zum College in Richtung Coming-of-Age-Drama verrückt. Dieser gesamte Subplot hätte lieber entfallen und man dafür etwas mehr Zeit aufwenden sollen, um das eigentliche zentrale Element - nämlich Wendy - auch wirklich ins Zentrum des Geschehens zu rücken. Doch man erfährt weder, warum sie ein Zombie geworden ist, noch hat sie sonst irgendeine tiefergehende Funktion in der Handlung. So bleibt von der prinzipiell interessanten Grundidee letztlich nur ein unglaublich uninteressanter, inhaltlich nicht nachvollziehbarer Genremix zurück, der wie ein wenig gelungenes Hochschulprojekt wirkt und ohne den "Zombie"-Aufhänger, der letztlich nichts Relevantes zum Fortgang beisteuert, aufs Gleiche hinausgelaufen wäre. Dass sämtliche Darsteller Mitte 20 sind und deutlich mehr nach etwas zu alten Studenten als nach Highschool-Schülern aussehen, nimmt dem Ganzen dann auch noch den letzten Rest an Glaubwürdigkeit.

Digitale Aufarbeitung:
"Küss mich, Zombie" wurde billig produziert und entsprechend wirkt der Film auch auf Blu-ray. Das Bild ist deutlich zu weich und detailarm, die Farben sind zwar natürlich, hätten aber bedeutend kräftiger sein können. Auffällig ist darüber hinaus vor allem das starke digitale Rauschen der verwendeten HD-Kameras (die zudem eine native Auflösung von 720p hatten, was einem Full-HD-Transfer natürlich wenig zuträglich ist). Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch in dts-HD Master Audio 5.1 vor und bietet klar verständliche Dialoge. Die Musik wurde stimmig abgemischt, der Mix ist allerdings komplett frontlastig und bezieht die Rears zu keiner Zeit mit ein.

Als Bonusmaterial gibt es einen Audiokommentar von Kevin Doyle und Zach Duensing (ebenfalls zwei Mitglieder der "Deagol Brothers"), die über die üblichen Thematiken der Dreharbeiten zu Independent-Produktionen sprechen. Dabei gehen sie vor allem sehr technikorientiert auf Effekte und Drehorte ein. Zudem bekommt man 34 Minuten Behind the Scenes zu sehen, zwei Songs, die es nicht in den Film geschafft haben, Musikvideos zu Songs aus dem Soundtrack von Promoauftritten, eine Reihe von Radiospots und -interviews sowie eine halbe Stunde an entfernten Szenen, einen kurzen Musikclip, der diverse Entwürfe des Poster-Artworks zeigt, und schließlich noch den Trailer zum Film.

Fazit:
"Küss mich, Zombie!" ist ein furchtbar langweiliger Film, der sich als Zombiekomödie tarnt, letztlich aber eine Handlung aufweist, für die die Zombiethematik völlig irrelevant ist. So überrascht es auch nicht, dass man von der eigentlichen Zombiedame leider fast nichts zu sehen bekommt und stattdessen mit einem Coming-of-Age-Drama abgespeist wird, das aus reiner Selbstinszenierung der "Deagol Brothers" besteht. Bevor man sich das antut, greift man lieber noch mal zu "Shaun of the Dead" oder dem thematisch ähnlichen, aber viel gelungeneren "Deadgirl". Technisch bietet die Blu-ray annehmbare Qualität. Das Bonusmaterial ist erfreulich umfangreich, das macht allerdings den Film auch nicht besser.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
105:41 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar
  • Behind the Scenes
  • Deleted Scenes
  • Deleted Score
  • Musikvideos
  • Artwork-Featurette
  • Radiospots & Interviews
  • Trailer
Küss mich, Zombie! - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Küss mich, Zombie!
Make-Out with Violence

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Filmemacher-Selbstinszenierung mit Zombie-Mangel


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2008
Regie:
Deagol Brothers
Drehbuch:
Deagol Brothers, Cody DeVos, Eric Lehning
Darsteller:
Eric Lehning, Cody DeVos, Leah High, Brett Miller, Tia Shearer, Jordan Lehning, Josh Duensing, Shellie Marie Shartzer

Label Deutschland :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
10.03.2011