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DVD-Besprechung - Ao - Der letzte Neandertaler

Story:
Ao (Simon Paul Sutton), der Neandertaler lebt mit seinem Clan 30000 Jahre vor unserer Zeit in Nordsibirien. Als dieser jedoch von Angehörigen der Spezies des Homo sapiens ausgelöscht wird, sieht Ao sich gezwungen, die weite Reise bis nach Südeuropa anzutreten. Denn hier liegt die Wiege seiner Herkunft und er hofft dort auch seinen Bruder wiederzutreffen, von dem er einst als Neunjähriger unsanft getrennt wurde. Auf dem Weg begegnet er Aki (Aruna Shields), ebenfalls ein Homo sapiens, und ihrem Baby. Aus einer unfreiwilligen Schicksalsgemeinschaft zweier sich völlig fremder Kreaturen entwickelt sich bald eine sehr tiefe Form der Zuneigung.

Meinung zum Film:
„Ao – Der letzte Neandertaler“ ist eine französische Produktion aus dem Jahr 2010, die zu größeren Teilen in Bulgarien und der Ukraine gedreht wurde. Es handelt sich hier um das Spielfilmdebüt des in dieser Thematik gut bewanderten Dokumentarfilmers Jacques Malaterre („Erfolgsstory Mensch – Von der Höhle zur Hochkultur“). Das Werk basiert auf dem Roman "Ao, l'homme ancien" von Marc Klapczynski und war in den französischen Kinos sehr erfolgreich. Die Hauptrollen bekleiden die beiden eher unbekannten britischen Darsteller Simon Paul Sutton („Clubbed“) und Aruna Shields („Private Moments“).

Neandertaler auf der großen Leinwand? Da fallen Cineasten sicherlich sofort zwei reizvolle filmische Experimente ein, nämlich einerseits Jean-Jacques Annauds „Am Anfang war das Feuer“, der komplett auf moderne sprachliche Anknüpfungspunkte verzichtete, und zum anderen „Iceman – Rückkehr aus einer anderen Welt“, als personifizierter „culture clash“ zwischen einem Abgesandten aus grauer Vorzeit und dem zivilisierten Vertreter einer modernen Wissensgesellschaft. „Ao – Der letzte Neandertaler“ ist dabei im Grunde gar nicht mal so weit weg von Annauds Klassiker, wobei an dieser Stelle gestritten werden darf, ob hier eine gewisse Einfallslosigkeit seitens der Verantwortlichen vorlag, oder ob der Film vielleicht gar den Zweck einer gewollten Hommage verfolgte. Denn die inhaltlichen Parallelen zwischen beiden Filmen sind schon recht frappierend. Hier wie dort bricht ein Neandertaler zu einer großen Reise auf, in beiden Fällen als Folge eines Angriffs auf seinen Clan, lernt auf seiner Reise eine Frau der Gattung Homo sapiens kennen, die er zuvor aus den Händen eines bösartigen Stammes befreit hat, und verliebt sich schließlich in sie. Beide Filme setzen zudem in ihrer Umsetzung auch auf eine für uns heutzutage „unverständliche Steinzeitsprache“, die jedoch aufgrund ihrer starken Betonung der Mimik und Gestik nachvollziehbar dargestellt wird. An dieser Stelle rudert „Ao“ jedoch einen Schritt zurück, da hier ein Erzähler, bzw. eine Erzählerin, immer wieder Gedanken der beiden Hauptcharaktere in gängige Alltagssprache übersetzt. Das mutet leider übertrieben naiv-sentimental und auch etwas oberlehrerhaft an, wenn beispielsweise zu sehr das Bild vom „edlen Wilden“ genährt wird.

Hinsichtlich der visuell mitreißenden, archaisch anmutenden Landschaftsaufnahmen und der effekttechnisch überzeugend modellierten Neandertalermasken muss sich „Ao“ dann auch sicherlich nicht vor dem großen Vorbild verstecken. Und auch die beiden Darsteller versehen ihren Job, mit großem Körpereinsatz und mit viel Mut zur Nacktheit seitens Aruna Shields, wirklich überzeugend. Der handwerkliche Aufwand steht allerdings etwas im Gegensatz zur extrem simplifizierten Erzählweise des Films. Letztendlich handelt es sich im Grunde um ein Road Movie, nur eben hier „per pedes“, quer durch die Urzeit mit umschließender romantischer Liebesgeschichte, angereichert mit typischen Elementen aus dem Abenteuerfilmbaukasten, wie eben dem bösartigen Stamm als lebensbedrohlichem Verfolger. Das klingt allerdings glücklicherweise schlimmer als der Zuschauer den Film letztendlich wahrnehmen wird. Denn die Inszenierung setzt effektiv auf Spannung sowie Emotion mit einem guten Schuss Exotik und verzichtet auf großartige Schnörkel. Das mündet in eine sehr verdichtete Narration, die jedoch nie gehetzt wirkt, und  mit einer Laufzeit ohne Abspann von lediglich rund 77 Minuten nie Gelegenheit zur Langeweile vermittelt.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der DVD hinterlässt einen guten Eindruck, hätte allerdings bei der Detailzeichnung etwas pointierter ausfallen können, zumal sich das relativ deutliche Bildrauschen hier auch durchaus negativ bemerkbar macht. Die Farbgebung wirkt nicht nur kräftig, sondern auch natürlich. Die Kontrastwerte sind gut ausbalanciert und die Kompression arbeitet bis auf kleine Unruhen angenehm unauffällig. Akustisch überzeugt die DVD mit einer guten Verständlichkeit, druckvoller Musikuntermalung und einer ausgewogenen Abmischung. Tendenziell sind die Tonspuren eher frontlastig ausgefallen, in einigen Actionsequenzen werden aber auch direktionale Effekte verwendet.  

Das Bonusmaterial besteht lediglich aus einem Making Of (25:50) mit deutschen Untertiteln, das aber überraschend informativ und interessant ausfällt. Inhaltlich bietet das Feature Einblicke in die harten Drehbedingungen, zeigt die Vorbereitung der Darsteller auf ihre archaischen Rollen und erläutert die aufwendige Herstellung der Kostüme und Masken. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Ao – Der letzte Neandertaler“ ist ein erzählerisch eher simpel anmutendes, aber visuell starkes und zweifellos auch durchaus unterhaltsames Urzeitabenteuer. Die vermittelten, unberührt wirkenden Landschaftsaufnahmen, die verwendete urzeitliche Sprache, die effektiven Masken und die sehr körperbetonte Spielweise der Hauptdarsteller bürgen dabei für das kurzfristige Eintauchen in ein archaisches Zeitalter. Technisch kann die DVD überzeugen und auch das auf den ersten Blick etwas schlank anmutende Bonusmaterial besitzt seine Qualitäten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
80:24 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Französisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
Ao - Der letzte Neandertaler - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Ao - Der letzte Neandertaler
Ao, le dernier Néandertal

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Am Anfang war das Feuer der Liebe


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2010
Regie:
Jacques Malaterre
Drehbuch:
Michel Fessler, Philippe Isard, Jacques Malaterre (basierend auf einem Roman von Marc Klapczynski)
Darsteller:
Simon Paul Sutton, Aruna Shields, Craig Morris, Helmi Dridi, Vesela Kazakova, Mahia Belalova, Iana Atanassova, Stanislav Stanev

Label Deutschland :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
10.02.2011