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DVD-Besprechung - The Resident

Story:
Dr. Juliet Devereau (Hilary Swank), eine junge Chirurgin, bezieht kurz nach der schmerzhaften Trennung von ihrem Freund Jack (Lee Pace) ein weiträumiges Loft-Apartment in Brooklyn um etwas Abstand zu gewinnen. Aber als wäre das ansprechende Apartment zu diesem günstigen Preis nicht beinahe schon zu schön, um wahr zu sein, entpuppt sich ihr Vermieter Max (Jeffrey Dean Morgan) auch noch als attraktiver Charmeur. Beide kommen sich dann auch relativ schnell näher, als Juliet allerdings einen Rückzieher macht, verhält sich Max zunehmend merkwürdig.

Meinung zum Film:
„The Resident“ ist der neuzeitliche Wiederbelebungsversuch der einstigen, britischen Horrorkultschmiede „Hammer Film Productions“ („Dracula und seine Bräute“; „Frankensteins Ungeheuer“), die Ende der 70er-Jahre in Konkurs ging, im Jahr 2007 jedoch von dem niederländischen Fernsehproduzenten John de Mol („Big Brother“) übernommen wurde. Weitere geplante Neuproduktionen unter diesem Label sind „Let Me In“, „Wakewood“ und „The Woman in Black“. Für dieses ambitionierte Projekt holte man zwar mit dem Finnen Antti Jokinen einen Kinodebütanten auf den Regiestuhl, der sich bisher lediglich mit Musikvideos für Künstler wie Beyoncè oder Eminem einen Namen gemacht hatte, schuf aber mit einem stolzen Budget von 20 Millionen US-Dollar, der zweifachen Oscar-Preisträgerin Hilary Swank („Freedom Writers“) in der Hauptrolle und unter Einbeziehung eines der prägendsten Gesichter der alten Hammer-Ära, Christopher Lee („Schloss des Grauens“), beste Voraussetzungen für einen gelungenen Neustart eines Traditionslabels. Die männliche Hauptrolle spielt Jeffrey Dean Morgan („Zufällig verheiratet“), während Robert Orr („Savior – Soldat der Hölle“) das Drehbuch beisteuerte.

Bei „The Resident“ wird leider sehr schnell deutlich, dass hier Ideenarmut, Klischees und Vorhersehbarkeit in unheiliger Dreifaltigkeit das Zepter geschwungen haben. Was zunächst noch beinahe wie ein klassischer Gruselfilm beginnt, enthüllt sich schnell als typischer Vertreter des Psychothrillergenres, in dem eine junge, attraktive Frau in die Fänge eines Psychopathen gerät, der sich aber natürlich zunächst nur von seiner besten Seite präsentiert. Über dessen Identität gibt es leider auch von Anfang an keine Zweifel, da sich der Film überhaupt keine Mühe gibt falsche Fährten zu legen, und sich zudem noch als beinahe lupenreines Zwei-Personen-Stück entpuppt. Die Funktion des mittlerweile 88-jährigen Christopher Lee, in seiner bis dato letzten Rolle, wäre hingegen bereits mit dem Attribut Nebendarsteller äußerst euphemistisch umschrieben, zumal ihm das Drehbuch bei seinen wenigen Szenen auch nicht einen größeren Auftritt zugesteht. Als wäre das Drehbuch an sich noch nicht durchschaubar genug, präsentieren die Macher des Films bereits nach 28 Minuten eine fünfminütige Rückblende, die alle bisherigen, scheinbar zufälligen Geschehnisse bereits im Detail aufdröselt, so dass der Film an dieser Stelle im Grunde auch schon durch die Credits beendet werden könnte, jedoch leider noch etwa 45 Minuten ereignisloser Spielzeit zu bestreiten hat, in denen der Wissensvorsprung des Zuschauers gegenüber der „Filmheldin“ für gepflegte Langeweile sorgt.  

Den Darstellern kann man dabei noch nichtmal einen Vorwurf machen, denn Hilary Swank spielt trotz Unterforderung durchaus überzeugend und Jeffrey Dean Morgan steuert ebenfalls seinen Teil dazu bei, zwischen beiden Charakteren eine glaubwürdige Chemie zu erzeugen, was dann filmisch allerdings teilweise eher in die Gefilde eines Beziehungsdramas abgleitet. Im weiteren Verlauf nimmt das Drehbuch jedoch insofern eine unerwartete Wendung, dass der Film vom jugendfreien Mainstreamhorrorkino auf ein trashiges Perversitätenkabinett voll schlüpfriger Erotik umschaltet, das beim Zuschauer nur noch für ungläubiges Kopfschütteln sorgen dürfte und seine jetzt einfach nur noch karikaturhaften Charaktere der Lächerlichkeit preis gibt. Die dargestellte Pseudo-Erotik bleibt jedoch in ihrer Ausgestaltung voyeuristisch-verschämt und auch plakative Gewalt wird lediglich im misslungen-hektischen Finale angedeutet. Die wenigen vermeintlichen Schocks des Films, die grundsätzlich nie funktionieren, bestehen hingegen aus dem ältesten Trick des Gewerbes, dem Versuch den Zuschauer durch plötzliches Heraufschrauben des Lautstärkepegels aus seinem Sessel zu reißen. Einziges positives Element dieser filmischen Bankrotterklärung ist eigentlich neben der ganz netten filmischen Optik, die allerdings angesichts des veranschlagten Budgets auch eher ärmlich wirkt, die anfangs recht atmosphärische musikalische und effekttechnische Untermalung.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der DVD bewegt sich auf einem hohen Niveau und bietet trotz eines leichten Bildrauschens auch im Detail noch gute Ergebnisse. Die Veröffentlichung offeriert außerdem eine sehr ausdrucksstarke, kräftige Farbgebung und ausgewogene Kontrastwerte. Die Tonspuren überzeugen nicht nur mit guter Verständlichkeit, sondern auch mit großer Dynamik und verfügen in den entsprechenden Schockszenen auch über einen effektiven Soundmix nebst Raumklang.

Im Bonusbereich der DVD befinden sich lediglich der deutsche sowie englische Filmtrailer und knappe Darstellerinfos in Textform. Zudem liegt der Veröffentlichung ein vierseitiger Einleger bei, der aber auch nur kurze Darstellerinfos und eine Kapitelübersicht zur DVD enthält, dafür gibt es allerdings nichtmal ein Wendecover.

Fazit:
„The Resident“ ist eine rezeptfreie Schlaftablette allererster Güte und offeriert ein klischeebeladenes, vorhersehbares Drehbuch, das sich höhepunktsarm, spannungsfrei und linear, gespickt mit schmuddeliger Pseudo-Erotik, in einer ständigen Abwärtsspirale bis zum lachhaften Finale schleppt, um dort endgültig qualvoll zu verenden. Die Verwendung des klassischen „Hammer“-Siegels ist dabei eine Leichenschändung erster Klasse, in Form von Christopher Lee sogar am lebenden Subjekt, und dürfte alle Fans dieser klassischen Horrorproduktionen gewaltig vor den Kopf stoßen. Technisch macht die DVD hingegen einen wirklich guten Eindruck, das Bonusmaterial fällt aber ähnlich bescheiden aus wie der Film selbst.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
87:38 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Deutscher Trailer
  • Englischer Trailer
  • Darstellerinfos
  • 4-seitiger Einleger
The Resident - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
The Resident
The Resident

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Schlag ins Gesicht für jeden Freund klassischer "Hammer"-Produktionen!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien / USA, 2010
Regie:
Antti Jokinen
Drehbuch:
Antti Jokinen, Robert Orr
Darsteller:
Hilary Swank, Jeffrey Dean Morgan, Christopher Lee, Lee Pace, Aunjanue Ellis, Sean Rosales, Sheila Ivy Traister, Michael Showers

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
10.02.2011