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DVD-Besprechung - Am Rande der Finsternis

Story:
Emma (Joanne Whalley), die Tochter des Polizeibeamten Ronald Craven (Bob Peck), wird vor seinen Augen niedergeschossen und alles deutet zunächst auf einen missglückten Racheakt gegen seine Person hin. Je intensiver sich Ronald in seiner Trauer und Wut jedoch mit der Vergangenheit seiner Tochter auseinandersetzt, umso mehr beginnt er an dieser Darstellung zu zweifeln. Emma war offensichtlich Mitglied der militanten Anti-Atomkraft-Bewegung „Gaia“ und scheint illegal in ein atomares Endlager eingedrungen zu sein. Als Craven auf eigene Faust ermittelt, sticht er offensichtlich in ein Wespennest und wird schnell zum Spielball von Geheimdienstlern, Unternehmern und skrupellosen Politikern.

Meinung zum Film:
„Am Rande der Finsternis“ ist eine sechsteilige BBC-Mini-Serie aus dem Jahr 1986. Jede der Episoden, die auf zwei DVDs verteilt wurden, besitzt eine Laufzeit zwischen 51 und 56 Minuten. Die Reihe wurde seinerzeit in Großbritannien ein riesiger Publikumserfolg und zudem mit Preisen überhäuft, z.B. erhielt sie gleich sechs BAFTA TV-Awards, erlangte aber auch nach ihrer Erstausstrahlung in Deutschland im Oktober 1989 Kultstatus. Regie führte seinerzeit Martin Campbell („GoldenEye“), der im Jahr 2010 unter dem Titel „Auftrag Rache“ ein Remake mit Mel Gibson („Lethal Weapon“) in die Kinos brachte. Allerdings konnte er mit dieser Produktion gerade bei Kennern des Originals, alleine schon angesichts der auf weniger als zwei Stunden eingedampften Spielzeit bzw. Handlung, nicht wirklich punkten. Das Drehbuch schrieb Troy Kennedy-Martin („Red Dust – Die Wahrheit führt in die Freiheit“), während die Hauptrollen von dem Shakespeare-Theaterdarsteller Bob Peck („Jurassic Park“), dem texanischen Original Joe Don Baker („Der Große aus dem Dunkeln“) sowie ferner Charles Kay („Henry V.“), Ian McNeice („Ace Ventura 2 - Jetzt wird's wild“) und Joanne Whalley („Kill me again – Töten Sie mich“), der Ex von Val Kilmer („Kiss Kiss Bang Bang“), bekleidet werden. Bemerkenswert ist auch der balladig-schwermütige Soundtrack zum Film, der von niemand Geringerem als dem britischen Vorzeigegitarristen bzw. der Blues-Legende Eric Clapton in Zusammenarbeit mit dem Amerikaner Michael Kamen („Robin Hood – König der Diebe“) eingespielt wurde.

„Am Rande der Finsternis“ war zu seiner Entstehungszeit in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnliches, filmisches Experiment, zudem schlug die BBC hier erstmals erstaunlich regierungskritische Töne an. Im Kern ist die Reihe ein Polit- bzw. Ökothriller, der sich neben der Gefahr des militärisch-politischen Potentials von Kernwaffen vor allem mit den aus der Entsorgung radioaktiven Atommülls resultierenden ökologischen Konsequenzen auseinandersetzt. Es handelt sich aber auch um das filmische Verlustbewältigungsdrama eines Vaters, dem seine Tochter gewaltsam entrissen wird. Zusätzlich besitzt „Am Rande der Finsternis“ auch einen guten Schuss Mystery, zum einen in Form esoterisch anmutender Konzepte wie der Erde als einer Art denkendem, fühlendem Lebewesen, aber auch in Form von Cravens ständigem Begleiter aus dem Reich der Toten, nämlich Emma selbst. Diese stirbt zwar bereits zu Beginn der ersten Folge, agiert aber im weiteren Verlauf der Serie als eine Art innere Stimme oder geisterhafte Erscheinung von Cravens Unterbewußtsein und ist in dieser Form auch für den Zuschauer wahrnehmbar. Diese inneren Monologe, als quasi manifestierte Psychose, liefern Craven häufig wichtige Erkenntnisse und bilden emotional die treibende Kraft seiner eigenen Ermittlungen.

Dabei gelingt es Bob Peck auch mimisch außergewöhnlich gut, die im Inneren von Ronald Craven miteinander ringenden Emotionen abzubilden, der zwischen Wut, Trauer und Verzweiflung hin- und herschwankt. Sein anfängliches Motiv der Rache wird schnell von einer Art Obsession, der Suche nach der tieferen Wahrheit über die Hintergrunde der Tat, aber auch im Hinblick auf das Seelenleben seiner Tochter, abgelöst. Dabei gerät Craven in eine riesige Verschwörungsgeschichte, in deren Verlauf er mit verschiedenen Geheimdiensten interagiert und sich mit korrupten Politikern und Unternehmern herumschlagen muss. Und selbst die wahren Motive seiner potentiellen Verbündeten verbleiben stets zweifelhaft. Darstellerisch ragen in deren Riege CIA-Mann Joe Don Baker mit einer geradezu bildschirmsprengenden Präsenz und Charles Kay als personifiziertes britisches Understament, neben Bob Peck selbst, heraus. Die Erzählung weist zahlreiche interessante Wendungen auf, wirkt teilweise beinahe surreal und transportiert zusätzlich regelmäßig spannungsfördernde, dramatische Einlagen, z.B. auch in Form gelungener Actionsequenzen.

Digitale Aufarbeitung:
Die vorliegende TV-Serie liegt im Vollbildformat vor und hat mittlerweile fast 25 Jahre auf dem Buckel, was der Veröffentlichung aber nicht wirklich anzusehen ist. Die Bildschärfe bewegt sich auf einem guten Niveau und die Farbgebung wirkt kräftig aber auch natürlich. Auch bezüglich der Kontrastwerte und der Kompression leistet sich die Serie keine Aussetzer. Negativ schlagen lediglich die leichten Verschmutzungen und das starke Bildrauschen zu Buche. Beide Tonspuren verfügen über eine gute Verständlichkeit und sind ausgewogen abgemischt, bewegen sich somit auf gutem TV-Niveau. Die deutsche Synchronisation ist zudem sehr professionell ausgefallen.

Das komplette Bonusmaterial dieser Veröffentlichung verfügt über deutsche Untertitel. Auf der ersten DVD befindet sich das Feature MAGNOX – Die Geheimnisse von “Am Rande der Finsternis” (34:58). Dieses ist ziemlich umfangreich ausgefallen und stellt eine Art Making Of dar, in dem viele Verantwortliche und Mitwirkende zu Wort kommen. Inhaltlich deckt es Themenbereiche wie die zeitgenössischen Hintergründe zur Entstehung, die Entwicklung des Drehbuchs, die musikalische Untermalung, die verwendeten Effekte und die verschiedenen Varianten für das Filmende ab. Der Rest des Bonusmaterials auf der zweiten DVD besteht aus kürzeren Beiträgen. “Haben Sie das gesehen” (8:07) stellt den Mitschnitt einer englischen TV-Show zur Halbzeit der Serie dar, in der sich drei Kritiker zum bisherigen Verlauf und den Qualitäten der Reihe äußern. “Broadcasting Press Guild Awards 1986” (6:04) und “Der 1986er BAFTA-Award” (7:32) dokumentieren hingegen die Preisverleihungen für den Film und beinhalten auch kurze, ziemlich nichtssagende Interviews mit den Hauptdarstellern und dem Produzenten. Das “Interview mit Bob Peck” (6:49) im Rahmen einer zeitgenössischen Fernsehsendung ist ebenfalls sehr oberflächlich ausgefallen. Abgerundet wird das Bonusmaterial mit einem alternativen Abspann zur letzten Episode (2:25). Die Amaray-Verpackung der Veröffentlichung befindet sich in einem Schuber mit FSK-Logo. Auf dieser befindet sich ebenfalls ein FSK-Logo, anders als bei „Chris Ryans Strike Back“ gibt es hier jedoch ein Wendecover. Die DVDs sind übereinander gelagert.

Fazit:
„Am Rande der Finsternis“ ist ein filmisch interessanter und ungewöhnlicher Mix aus zahlreichen Einflüssen, tendenziell aber vor allem ein selbst heute noch aktuell wirkender Politthriller mit Drama-Komponente, ökologischem Einschlag und einer Prise Mystery. Aufgrund der starken Darsteller, der emotionalisierenden Musikuntermalung, der hohen Spannungskurve und den einfallsreichen Wendungen ist es auch eher verzeihbar, dass sich ab der fünften Episode Logikfehler einschleichen und Action- bzw. Spannungselemente teilweise etwas zu publikumswirksam instrumentalisiert werden. Technisch macht die Veröffentlichung einen guten Eindruck und auch das Bonusmaterial ist angesichts des Alters der Produktion keineswegs enttäuschend ausgefallen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,33:1
1,33:1
6 Folgen à ca. 51-56 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • MAGNOX - Die Geheimnisse von "Am Rande der Finsternis"
  • "Haben Sie das gesehen?"
  • Broadcasting Press Guild Awards 1986
  • Der 1986er BAFTA-Award
  • Interview mit Bob Peck
  • Alternativer Abspann Episode 6
Am Rande der Finsternis - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
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Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Polit-/Ökothriller mit Verschwörungsthematik, hoher Spannungskurve, starken Darstellern und zahlreichen undurchsichtigen Charakteren


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien , 1986
Regie:
Martin Campbell
Drehbuch:
Troy Kennedy-Martin
Darsteller:
Bob Peck, Joe Don Baker, Charles Kay, Ian McNeice, Joanne Whalley, Hugh Fraser, John Woodvine, Jack Watson

Label Deutschland :
BBC
Verkaufsstart Deutschland :
25.02.2011