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DVD-Besprechung - Ein gutes Herz

Story:
Jacques (Brian Cox), ist ein alter, grobschlächtiger und zynischer Mann, dessen Lebensinhalt sich ausschließlich auf seine heruntergekommene Bar beschränkt, die sich jeden Tag mit den gleichen Existenzleichen füllt. Sein trauriger und einsamer Alltag wird nur unterbrochen, wenn der Kettenraucher und Alkoholiker mal wieder einen Herzinfarkt hat und für mehrere Wochen ins Krankenhaus muss. Als sein Herz zum fünften Mal droht auszusetzen, beginnt Jacques sich Gedanken um sein Leben zu machen. Ohne soziale Bindung oder Familie würde sein Wissen und vor allem seine Kneipe mit ihm zusammen bald das Zeitliche segnen, wenn er nicht bald etwas dagegen tut. So entschließt er sich einen Nachfolger für sein Lebenswerk zu suchen, den er in seinem Krankenzimmergenossen Lucas (Paul Dano) auch bald findet. Lucas, der gerade einen Selbstmordversuch hinter sich hat, lebt allein und abgeschieden von der restlichen Welt, in einem Pappkarton. Als der alte Griesgram ihn um Hilfe bittet, kann der gutmütige, naive und bescheidene Mann jedoch nicht ablehnen und zieht zu ihm. Zwischen dem ungleichen Paar entsteht schon bald eine Art Freundschaft, aus der beide ihren Nutzen ziehen. Als jedoch die junge, mittellose Stewardess April (Isild Le Besco) in das Leben von Lucas tritt, wird die Beziehung zwischen ihm und Jacques auf eine harte Probe gestellt.

Meinung zum Film:
Sanft und mit viel skandinavischem Witz erzählt Regisseur Dagur Kari („Dark Horse“) seine Geschichte in „Ein gutes Herz“ über zwei Menschen, die trotz ihrer unterschiedlichen Lebenseinstellung, eine feste Freundschaft zueinander aufbauen können. Dabei lebt der Film vor allem von seiner ambivalenten Stimmung, die zwischen Lachkrämpfe und Heulattacken hin und her pendelt. Ein besonderes Lob gilt dabei der Milieustudie, die Kari über Jacques und seine skurrilen Kneipengäste entwirft. Bei ihm trifft sich der kaltschnäuzige Abschaum der Gesellschaft und möchte auch am liebsten unter sich bleiben. Frauen sind deshalb ebenso unerwünscht, wie fremde Durchgangsgäste. Der von Rauchschwaden überquellende Raum stinkt nicht nur nach Zigaretten sondern auch nach Depressionen und verpassten Chancen. Doch als der lebensfrohe und gutmütige Lucas in das Leben dieser Misanthropen tritt, verändert sich sowohl die Stimmung als auch die Lebenseinstellung der übrigen Protagonisten. Kari bleibt jedoch nicht nur an der Oberfläche, sondern dringt tief in die psychischen Abgründe seiner Figuren ein und spielt mit ihren Gegensätzlichkeiten, woraus sich dann nicht nur der eine oder andere Lacher für den Zuschauer entwickelt, während er  gleichzeitig Mitleid mit den einsamen Gestalten hegt.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Schauspielerduo Dano („Taking Woodstock“) und Cox („Troja“) aufeinander trifft. Schon in dem Film „L.I.E. Long Island Express“ (Michael Cuesta) waren sie in den Rollen als Vater-Sohn-Gespann zu bewundern. Diese Beziehung führen sie nun, wenn auch in etwas veränderter Form, fort und ergänzen sich dabei ungemein. Es ist wirklich einen Lacher wert, dem griesgrämigen Jacques dabei zu zusehen, wie ihm beim Zuhören einer Entspannungs-Kassette, die schon angespannten Nerven reißen und er das Ding kurzerhand zertrümmert, nur um danach einen Infarkt zu erleiden. Cox beherrscht seine Rolle nicht nur, er geht quasi in ihr auf. Trotz der unglaublich rauen Hülle seiner Figur, gelingt es ihm auch dem Zuschauer dessen warmen und sanften Kern zu vermitteln. Dank dieser großartigen Leistung kann sich der Kontrast zwischen ihm und Dano erst richtig entfalten. Dano verkörpert mit all seinen Gesten die Figur des naiven Philanthropen, dem an materiellen Gütern überhaupt nichts liegt und der deshalb lieber sein ganzes Geld verschenkt. Dabei gelingt es ihm auch seine Figur ambivalent dazustellen, was ihm bei seiner Wandlung von gutmütig zu abgebrüht zugute kommt.

Es ist auch weder der Aufbau der Handlung oder ein unmotivierter Schauspieler, die dem Film seine Glaubwürdigkeit nimmt, sondern eher die Methoden, mit der Kari seine Geschichte im Laufe der Erzählung vermittelt. Obwohl diese tiefgründig beginnt, entwickelt sie sich immer mehr zu einem Märchen, das auch aus der Feder der Gebrüder Grimm stammen könnte. Ein Beispiel dafür ist die Nebenhandlung, die die Geschichte einer zum Schlachten verurteilten Gans behandelt. Das Tier, von Jacques extra für das Weihnachtsfestgelage angeschafft, fristet sein Dasein in der Bar und bekommt jeden Tag Estragon zu fressen, damit aus ihm auch ein aromatischer Braten wird. So langsam beginnt sich aber das Verhältnis zwischen Tier und Mensch zu intensivieren, so dass es letztlich für Jacques unmöglich wird, es zu schlachten. Die Symbolik hinter dieser Geschichte soll das psychische Auftauen der Protagonisten, der langsam stattfindende Tausch Depression gegen Lebensbejahung, Einsamkeit gegen Nähe vermitteln. Doch statt dieses Bild so klar wie möglich zu vermitteln, bedient sich Kari lieber vieler kitschige Anspielungen, so dass der ursprünglich authentische Erzählstil vollkommen darunter verschwindet. Dieses Konzept verfolgt Kari dann leider bis zum bitteren Ende, und schadet seiner humorvollen Erzählung damit ungemein. Wäre er bei seiner unverschnörkelten Story geblieben, wäre der Film ein wundervolles Portrait einer ungewöhnlichen Freundschaft geworden, statt zum Schluss in einer Utopie zu enden.

Digitale Aufarbeitung:
Die Tonqualität ist gut. Jedoch ist der Kontrast zu tief, was besonders bei Nachtszenen zum tragen kommt, da es dort schwer fällt, Details zu erkennen. Die Farbqualität lässt ebenso zu wünschen übrig. Den Film hängt ein Grünstich an, der die Gesichter der Darsteller unnatürlich wirken lässt. Außerdem fällt auf, dass die Farbe weiß sehr stark hervorsticht, während alle anderen Farben eher blass wirken. Das Bild wirkt bei näherer Betrachtung ein wenig körnig. Die deutsche Synchronisation ist jedoch einwandfrei.

Als Extras bietet die DVD ein Interview mit dem Regisseur Dagur Kori, einen Orginaltrailer und geschnittene Szenen.

Fazit:
„Ein gutes Herz“ ist eine humorvolle und zugleich einfühlsame Geschichte über zwei Außenseiter auf der Suche nach  Freundschaft und Nähe. Leider hält der Film die anfängliche Struktur nicht bei, sondern mündet in eine unglaubwürdige Märchenerzählung und verliert dadurch an Überzeugungskraft.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
95:12 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Interview mit dem Regisseur Dagur Kari
  • Geschnittene Szenen
  • Orginaltrailer
Ein gutes Herz - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Ein gutes Herz
The good Heart

Bild unseres Mitarbeiters Yatiker Yildiz
Was man nicht alles für einen Freund tut


Autor der Besprechung:
Yatiker Yildiz

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Dänemark / USA, 2009
Regie:
Dagur Kari
Drehbuch:
Dagur Kari
Darsteller:
Paul Dano, Brian Cox, Bill Buell, Isild Le Besco

Label Deutschland :
Alamode Film
Verkaufsstart Deutschland :
04.03.2011