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Blu-ray-Besprechung - Bedingungslos
Story:
Julia (Rebecka Hemse) liegt nach einem tragischen Autounfall, bei dem sie dem stehenden Fahrzeug von Polizeifotograf Jonas (Anders W. Berthelsen) ausweichen musste und dabei frontal mit einem anderen Fahrzeug zusammen stieß, im Koma. Mit einer Mischung aus Schuld und Faszination gibt Jonas sich gegenüber Julias Familie als dessen Freund Sebastian aus und beginnt sich immer mehr in dieser Rolle zu vertiefen. Dadurch wendet er sich immer mehr von seiner Frau Mette (Charlotte Fich) und den gemeinsamen Kindern ab und er beginnt ein nicht nur für ihn äußerst gefährliches Spiel.
Meinung zum Film:
1994 konnte der dänische Regisseur Ole Bornedal mit „Nachtwache“ einen großen Achtungserfolg bei Anhängern des Spannungskinos feiern. 1997 drehte er dann selbst das US-Remake zu seinem Film, das unter dem Titel „Freeze - Alptraum Nachtwache“ in die Kinos kam. „Bedingungslos“ ist ein weiterer Film des Filmemachers, der bereits 2007 entstand, im Sommer 2009 als deutschsprachige DVD veröffentlicht wurde und nun auch seinen Weg als hochauflösende Blu-ray in die deutschsprachigen Heimkinos findet. Im Gegensatz zu „Nachtwache“ ist der Spannungsaufbau diesmal allerdings überschaubar und der Film richtet sich viel mehr an den Film Noir. Es ist sicherlich kein Zufall, dass im Verlauf des Films bei einem Gespräch zwischen Jonas und einem seiner Kollegen der Satz fällt „Eine schöne Frau und ein Geheimnis – fangen so nicht alle Film Noirs an?“. Als Zuschauer weiß man bereits, dass Jonas längst der tragische Held einer solchen Geschichte ist. Auch die bildliche Umsetzung der Geschichte richtet sich stark nach dem Prinzip des Film Noir. Von der trostlosen Eintönigkeit des bürgerlichen Lebens bis hin zum Helden, der im strömenden Regen wie ein begossener Pudel steht und von allen verlassen zu sein scheint, fängt die Kamera alles in einer enttarnenden Nüchternheit ohne jeden Glanz ein.
Anders W. Berthelsen („Italienisch für Anfänger“) legt einen überzeugenden Auftritt als Polizeifotograf Jonas hin. Dieser ist gefangen in seinem kleinbürgerlichen Leben mit einer Ehefrau, zwei kleinen Kindern und einer gerade frisch bezogenen Eigentumswohnung, irgendwo in einem unpersönlichen, in ein paar Jahren komplett verbauten Vorort Kopenhagens. Mit Julia tritt mit einem Schlag dann eine Frau in sein Leben, die das genaue Gegenteil von seinem momentanen Alltag darstellt. Erst geht es Jonas nur darum zu erfahren, wie es der Frau nach ihrem Unfall geht. Doch schon bald beginnt er sich in der Rolle als Sebastian immer wohler zu fühlen. Auch als Jonas‘ Kollegen, die von Anfang an von der doppelten Identität wissen, ihn vor den Gefahren seines Handelns warnen, lässt er sich nicht von seinen Handeln abhalten. Für Jonas scheint immer mehr klar zu werden, dass er sein altes Leben für die neue, abenteuerversprechende Welt aufgeben wird. So verbringt er immer mehr Zeit am Krankenbett und vernachlässigt seine Familie zusehends. Da Julia nach dem Erwachen aus dem Koma nur noch über rund 10% ihres Sehvermögens verfügt und zudem auch nur noch teilweise Erinnerungen an ihre Zeit mit dem tatsächlichen Sebastian hat, nimmt sie Jonas in seiner Rollen als Freund an. Die Entwicklung von Jonas‘ Charakter wird sehr authentisch und nachvollziehbar dargestellt. Es ist leicht zu spüren, wie gelangweilt er von seinem alten Leben ist und wie verlockend sich das neue für ihn darstellt.
Doch es gibt eine Vergangenheit von Julia, die eine große Gefahr darstellt. Zu Beginn werden einzelne kurze Sequenzen gezeigt, die im Grunde schon entscheidende Hinweise darauf geben, was im weiteren Verlauf geschehen wird. Doch erst mit der Zeit kann man als Zuschauer den genauen Zusammenhang erkennen, Am Ende übertreibt Bornedal es dann allerdings mit dem Einflechten dieser Ereignisse und ihren Konsequenzen, wodurch sich vollkommen unnötigerweise relativ große Logikfallen auftun und zudem die tragische Stimmung des Filmes zeitweise einer oberflächlichen Spannung geopfert wird. Im letzten Drittel bedarf es schon einer gehörigen Portion Wohlwollen, um die Geschehnisse nicht gleich als unglaubwürdig und zu phantastisch abzuwinken. Es hätte sicherlich einige Möglichkeiten gegeben, um die Geschichte auf andere Weise zu ihrem zu erwartenden tragischen Ende zu bringen. Der gewählte Ausgang war dann leider nicht unbedingt der beste. Aber auch wenn dieser Wermutstropfen geschluckt werden muss, ist „Bedingungslos“ noch immer ein fesselnder und gut anzusehender Film Noir.
Digitale Aufarbeitung:
Das im 1080/50i-Format auf der Blu-ray vorliegende Bild macht einen richtig guten Eindruck und kann vor allem hinsichtlich der Detailschärfe und der Detailzeichnung auch auf großen Wiedergabeflächen punkten. Die Farben wirken insgesamt meist sehr gesetzt, was aber ein gewollt eingesetztes Stilmittel darstellen dürfte. Der deutsche Ton in DTS-HD Master Audio 5.1 ist durchgehend gut zu verstehen und setzt auch immer wieder gezielt die Effektlautsprecher ein, wenn die Szene dies erfordert. So mancher Schockmoment bekommt gerade durch die akustische Untermalung einen nachhaltigen Effekt.
Als einziges Extra gibt es den Trailer zum Film.
Fazit:
„Bedingungslos“ ist ein sehenswerter Film Noir, der vor allem durch sein authentisches Portrait eines desillusionierten Familienvaters, der vom süßen Honigtopf kostet und anschließend davon nicht mehr loskommt überzeugen kann. Am Ende driftet der Film dann zwar ein wenig zu sehr in unglaubwürdige Thriller-Klischees ab, was man ihm aber auf Grund des gelungenen Rests gerne verzeiht.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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100:12 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Dänisch DTS-HD Master Audio 5.1 | Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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Bedingungslos
Kærlighed på film
Ein sehr gut gespielter Film Noir, der zum Ende aber ein wenig in die falsche Richtung steuert
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Dänemark, 2007 Regie: Ole Bornedal Drehbuch: Ole Bornedal Darsteller: Anders W. Berthelsen, Rebecka Hemse, Nikolaj Lie Kaas, Charlotte Fich, Dejan Cukic, Karsten Jansfort, Flemming Enevold, Bent Mejding, Ewa Fröling, Josephine Raahauge, Timm Vladimir
Label :
MFA+
Verkaufsstart : 15.03.2011
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