 |
DVD-Besprechung - Attila, der Hunnenkönig
Story:
Um das Jahr 450 n. Chr. ist das einstige römische Weltreich in zwei Teile gespalten. In Rom regiert Kaiser Valentinian (Walter Coy) und in Konstantinopel Kaiser Theodosius (George Dolenz). Währenddessen ist der mächtige Heerführer Attila (Jack Palance) zum der König der Hunnen aufgestiegen. Sein größtes Ziel ist es, die „Ewige Stadt“ zu zerstören und alle Völker von der Herrschaft Roms zu befreien. Theodosius fühlt sich Attila nicht gewachsen und erkauft sich mit Tributen einen Waffenstillstand, der jedoch auf Kosten Roms geht. Deshalb wird der Zenturio Marcian (Jeff Chandler) in Valentinians Auftrag ausgesandt Theodosius umzustimmen. Als das nicht gelingt, findet Marcian jedoch in Theodosius Schwester, Prinzessin Pulcheria (Ludmilla Tchérina), und seinem Oberbefehlshaber, General Paulinus (Jeff Morrow) wichtige Verbündete.
Meinung zum Film:
Der amerikanische Historienfilm „Attila, der Hunnenkönig“ war zu seiner Entstehungszeit im Jahr 1954 einer der ersten Filme, die im modernen Breitbildformat CinemaScope aufgezeichnet wurden. Aufgrund der zu dieser Zeit noch nicht großartig vollzogenen Verbreitung dieser Technologie wurde der Film jedoch als Besonderheit parallel auch im althergebrachten Vollbildformat aufgezeichnet. Beide Versionen sind löblicherweise Teil der vorliegenden Veröffentlichung und unterscheiden sich leicht durch verschiedene Blickwinkel der Kameras und besitzen auch minimale Unterschiede im Schnitt. Regie führte Douglas Sirk („Solange es Menschen gibt“), der heute als Meister des Melodrams gilt, zu seinen Hochzeiten in den 50er-Jahren jedoch, trotz seines kommerziellen Erfolgs, von den Kritikern nicht ernstgenommen wurde. Das Drehbuch verfassten Oscar Brodney („Der eiserne Ritter von Falworth“) und Barré Lyndon („Kampf der Welten“). Hauptattraktion des Films vor der Kamera ist ganz klar Charaktergesicht Jack Palance („City Slickers – Die Großstadt-Helden“), der hier noch am Anfang einer langen und erfolgreichen Karriere stand. Co-Star Jeff Chandler („Durchbruch auf Befehl“) wurde vor allem durch Abenteuer-, Kriegsfilme und Western bekannt.
Bei „Attila, der Hunnenkönig“ sollte man vieles erwarten, nur keinen typischen, klassischen Historienschinken aus der Traumfabrik. Im gesamten Film gibt es, trotz der immer wieder thematisierten Hunnenhorden, keine einzige wirkliche Massenszene und auch die einzige echte Kampfszenen ist lediglich ein kleines Scharmützel mit wenigen Beteiligten gegen Ende. Die historische Detailtreue des Films im Hinblick auf vorkommende Persönlichkeiten und dargestellte Ereignisse ist zudem mehr als fragwürdig, hier dominiert ganz klar die Dichtung über die Wahrheit. Weiterhin schwelgt der Film, obwohl er immerhin im Auftrag der Universal Studios produziert wurde, keineswegs in opulenten Schauwerten. Ob nun Rom oder Konstantinopel, letztendlich lässt sich die verwendete Darstellung auf einige gemalte Hintergründe und zweidimensionale Tapeten reduzieren, die eher Mitleid hervorrufen. Dafür entwickelt das Werk aber ganz andere Qualitäten in ungewohnter Hinsicht, denn unüblich für dieses Genre wird Attila äußerst vielschichtig dargestellt und hier bewegen sich durchaus fähige Darsteller durch die billigen Kulissen. Jack Palance liefert hier ein frühes Meisterstück seines Schaffens und verortet seinen Attila irgendwo zwischen impulsivem Barbaren,
charismatischem Heerführer und tragischen Antihelden.
Und Jeff Chandler liefert hier als römischer Berufssoldat mit ehernen Prinzipien einen nicht weniger starken Antagonisten ab, da interessanterweise beide Charaktere von durchaus ehrenhaften Absichten beseelt werden. Dahinter verblassen leider ein wenig die drei weiblichen Hauptfiguren Pulcheria, Attilas Tochter Kubra (Rita Gam) und seine Konkubine Ildico (Allison Hayes), die zwar inhaltlich mehr oder weniger bedeutsam sind, was jedoch in ihrer Spielzeit keine wirkliche Entsprechung findet. Auch wenn die Geschichte ein wenig unter der übertrieben schicksalsschwangeren, symbolhaften Kontrastierung von Heidentum (Attila) und Christentum (Rom und Konsorten) ächzt, gewinnt das Drehbuch den Charakteren und ihren Interaktionen immer wieder interessante Facetten ab. Für einen Historienfilm sind die Charaktere erstaunlich gut ausgearbeitet und die Dialoge erfrischend intelligent ausgefallen. Zudem überzeugt die Handlung, trotz fehlender Schauwerte, mit einer sehr flüssigen Inszenierung eingerahmt von zahlreichen, nicht vorhersehbaren Wendungen.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bewertung der technischen Qualität der vorliegenden DVD ist problematisch. Die CinemaScope-Version muß eigentlich als Hauptfassung angesehen werden, liegt aber leider nicht anamorph codiert, sondern nur letterboxed vor. Als wäre das allein noch nicht schlimm genug, lässt die Bildschärfe doch einige Wünsche offen und wird durch das dominante Bildrauschen weiter beeinträchtigt. Außerdem sorgt die Kompression für weitere Unruhen. Farbwiedergabe und Kontrastwerte bewegen sich zwar auf ordentlichem Niveau insgesamt hinterlässt diese Fassung aber nur einen unterdurchschnittlichen Eindruck. Die deutsche Tonspur klingt hingegen gut verständlich und der leicht blecherne Klang trägt eher zur zeitgemäßen Atmosphäre bei. Die englische Tonspur kann da allerdings nicht ganz mithalten und klingt doch etwas verzerrt.
Die Vollbildfassung (88:32) wird hier als Bonus gewertet, da sie nicht die ursprünglich gewollte Variante darstellt und auch keine deutsche Tonspur beinhaltet. Es wird lediglich die englische Originaltonspur nebst deutschen Untertiteln geboten, die hier deutlich klarer und kraftvoller klingt. Die Bildschärfe dieser Fassung ist ihrem Scope-Pendant um Welten überlegen, außerdem wirkt das Bildrauschen deutlich dezenter, die Kompression verhält sich angenehm unauffällig und auch die Farbwiedergabe hinterlässt einen deutlich brillanteren Eindruck. Ansonsten befinden sich auf der DVD lediglich noch der englische Originaltrailer, der deutsche Trailer und eine Fotogalerie mit Werbematerial bzw. Aushangfotos. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Attila, der Hunnenkönig“ ist ein ziemlich ungewöhnlicher Historienfilm mit ungeahnten Qualitäten wie vielschichtigen Charakteren, starken Hauptdarstellern, interessanten Wendungen und intelligenten Dialogen. Die Ausstattung kocht hingegen, abgesehen von den prachtvollen Kostümen und reizvollem Innendekor, deutlich auf Sparflamme, auch Massenszenen und Schlachtengetümmel sucht man hier vergeblich. Technisch hinterlässt die Veröffentlichung einen zwiespältigen Eindruck, da die Vollbildfassung die CinemaScope-Fassung deutlich übertrumpft, das Optimum wäre hier eine Scope-Fassung mit der Bildqualität der Vollbildvariante gewesen, so haben aber beide Fassungen ihre bild- und tontechnischen Nachteile.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
2,35:1
|
88:22 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine |
|
Bonusmaterial:
|
- Alternative Vollbildfassung
- Englischer Originaltrailer
- Deutscher Trailer
- Fotogalerie mit Werbematerial
|
|  |
Attila, der Hunnenkönig
Sign of the Pagan
Ungewöhnlicher Historienfilm mit einem durchaus menschlich wirkenden Attila
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1954 Regie: Douglas Sirk Drehbuch: Oscar Brodney, Barré Lyndon Darsteller: Jack Palance, Jeff Chandler, Ludmilla Tchérina, Rita Gam, Jeff Morrow, George Dolenz, Eduard Franz, Allison Hayes
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 04.03.2011
|