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DVD-Besprechung - Bedways

Story:
Jung-Regisseurin Nina (Miriam Mayet) will ihr ambitioniertes Filmprojekt auf den Weg bringen. Weder Drehbuch noch Budget sind vorhanden, einzig Ninas Idee, die Story um Liebe und Sex kreisen zu lassen, besteht. Zu Probeaufnahmen findet sie sich mit den Schauspielern Hans (Matthias Faust) und Marie (Lana Cooper) in einer heruntergekommenen Wohnung in Berlin Mitte ein. Dort soll die Kreativität des Dreiergespanns gebündelt werden, doch rasch verschwimmen die Grenzen zwischen Realität, Ninas Film und ihren innersten Vorstellungs- und Wunschgebilden. In der sterilen, kalten und unwirtlichen Umgebung entstehen eigendynamische menschliche Spannungen, die in emotionalen Achterbahnfahrten und erotischer Aufladung kulminieren. Kälte und anziehendes Verlangen, innere Distanz, verschiedenste emotionale Stadien und verschachtelte Liebe avancieren für Nina, Hans und Marie zum heiklen Drahtseilakt.

Meinung zum Film:
"Es ist eine Geschichte um Liebe, Sehnsucht und Voyeurismus. Es gibt nur einen Weg". Dieser Satz findet sich auf den Cover von "Bedways", einem deutschen Arthaus-Film von Regisseur RP Kahl ("Mädchen am Sonntag"), der in Form eines Kammerspiels vom Zusammenkommen dreier Personen erzählt: Regisseurin Nina, dargestellt von Schauspiel-Debütantin Miriam Mayet, will einen "echten" Film über Liebe, Sex und menschliche Gefühle drehen. Hans (Matthias Faust, "Polizeiruf 110") und Marie (Lana Cooper, "Fleisch ist mein Gemüse") sollen die Hauptrollen in dem bislang weder finanzierten noch fertig geschriebenen Werk spielen. Deshalb finden sich die drei in einer heruntergekommenen Wohnung ein, wo erste Probeaufnahmen entstehen und am Skript immerzu gefeilt wird. Dabei entstehen bereits erste Spannungen zwischen den Protagonisten, die offenbaren, dass es für jede Person um mehr als nur das Filmprojekt geht. RP Kahl geht mit "Bedways" einen Schritt auf explizite Arthaus-Aufreger wie Michael Winterbottoms "9 Songs" oder John Cameron Mitchells "Shortbus" zu, die neben den emotionalen Beziehungen zwischen ihren Figuren auch die Körperlichkeit solcher zwischenmenschlicher Dynamik austangieren.

Als Abschlussfilm der Berlinale Sektion "Perspektive Deutsches Kino" beim letztjährigen Festival konnte "Bedways" bereits ein großes Publikum verbuchen und startet nach der Kinoauswertung im Sommer 2010 nun auf dem deutschen Heimkinomarkt. Jeder, der weitestgehend unabhängig finanziertes deutsches Kino sehen möchte, das Welten entfernt von Feelgood-Schweiger-Plots zu liegen scheint, ist hier richtig. RP Kahl bewegt sich gekonnt im Arthaus-Milieu, weiß durch seine kühlen, stellenweise distanziert wirkenden Bilder die grotesken Situationen exzellent einzufangen. Nicht selten wirkt "Bedways" skurril gar surrealistisch. Der Zuschauer folgt Figur Nina in ihre eigene Welt, schier orientierungslos taucht er in sie ein. Dies arrangiert der Regisseur kunstvoll, indem er kurz nach Beginn der Probeaufnahmen kaum Orientierung zulässt. Wo sich der Zuschauer befindet, weiß er in dieser Phase des Films nicht.  

"Bedways" dreht sich um Emotionen. Nina kennt Hans aus einer früheren Beziehung. Verbirgt sich hinter ihrem Wunsch, mit ihm zu drehen, mehr? Wie passt Marie ins Spiel? Der Flick entwickelt sich nicht zuletzt aufgrund dieser spannungsgeladenen Dreieckskiste zu einer interessanten Abhandlung über Menschen und ihre Gefühle. Echt soll Ninas Film sein, so echt, dass sie Hand und Marie realen Sex vor der Kamera haben lässt. Wo schon Michael Winterbottom durch explizite Bilder Publikum und Kritiker spaltete, setzt RP Kahl ebenfalls ein. "Bedways" bedient sich deutlicher Bilder, doch funktionieren diese fokussierende Elemente, die das Publikum mit dem Film verbinden. Das Gesehene bekommt Authentizität und steckt voller Bedeutungskraft. Die aufgeladenen Bilder ergeben gepaart mit der Story einen Mix aus berauschenden Emotionen: Positiv wie negativ gerät in "Bedways" einiges in Wallung. Wer sich im Arthausbereich gerne tummelt, sollte dem Streifen von RP Kahl definitiv eine Chance geben, ein blockbusteraffines Publikum wird sich mit den surrealen Settings, der verschachtelten Erzählweise und den expliziten Darstellungen jedoch weniger anfreunden können.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist insgesamt gesehen ok, wobei Schwächen bei dunklen Sequenzen deutlich werden. In schwarzen Flächen oder bei geringer Beleuchtung ist mäßiges Bildrauschen erkennbar. Gerade die steil ausgeleuchteten Szenen in der verfallenen Wohnung sind jedoch ok, die Farbkontraste erscheinen stimmig und handlungsunterstützend. Im Tonmenü darf zwischen einer Dolby-Digital-Fassung und dem Stereoton gewählt werden. Zusätzlich sind deutsche und englische Untertitel einblendbar.  

Als Bonus bringt die DVD den Trailer und ein Musikvideo mit. Außerdem gibt es ein knapp 20-minütiges Interviewgespräch zwischen Regisseur RP Kahl und Darstellerin Miriam Mayet zu sehen, das viele Hintergründe offenbart und vom Entstehungsprozess berichtet. Gerade dieses Interviewfeature macht durchaus Sinn!

Fazit:
"Bedways" ist eine surreal erscheinende Geschichte vom Film im Film, der neben Liebe und Sex auch verborgene Seelenzustände behandelt. Während der Entstehung kommt es zwischen den Filmschaffenden zu emotionalen Veränderungen, der als Arthausfilm zu verstehende "Bedways" fängt dieses Spannungsfeld gekonnt ein und erweckt Interesse an den Figuren und ihren Motiven. Die Disc ist qualitativ durchschnittlich, bei den Extras gefällt das Gesprächsfeature Kahl/Mayet aufgrund vieler Infos zur Filmentstehung.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,33:1
1,33:1
75:18 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Interview Mayet/Kahl
  • Musikvideo
Bedways - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Bedways
Bedways

Bild unseres Mitarbeiters Marcus Offermanns
Künstlerisches Verwirrspiel um Realität und Fiktion, Figuren und ihre Emotionen


Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
BRD, 2010
Regie:
RP Kahl
Drehbuch:
RP Kahl
Darsteller:
Miriam Mayet, Matthias Faust, Lana Cooper, Laura Tonke, Arno Frisch, Moritz Ross

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
04.03.2011