Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Story:
Dr. Jekyll (John Barrymore) ist ein erfolgreicher junger Arzt und Wissenschaftler, der neben seinen Studien über das menschliche Verhalten und seine Ursachen, den größten Teil seiner Zeit den Kranken und Armen der Stadt widmet. Diese übermenschliche Güte stachelt Jekylls zukünftigen Schwiegervater Sir George Carew (Brandon Hurst) zu der Behauptung an, dass der Arzt seine dunkle Seite, die in jedem Menschen innewohnt, krampfhaft zurückhält und deshalb niemals ein vollkommenes Individuum sein kann. Von diesem Gedanken besessen, versucht Jekyll eine wissenschaftliche Begründung für das Vorhandensein des Bösen im Menschen zu finden. Als ihm dies gelingt extrahiert er es und braut daraus einen Trank, der ihn in einen anderen Menschen verwandelt, den Jekyll später Mr. Hyde nennt. Die anfänglichen Selbstversuche verwandeln sich mit der Zeit jedoch zu einem Fluch, den Mr. Hyde denkt nicht daran, seine Macht über Jekyll abzugeben und das Böse nimmt seinen Lauf.

Meinung zum Film:
John S. Robertsons („Shanghai Lady“) Literaturverfilmung des Klassikers „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ von Robert Louis Stevenson ist zwar die insgesamt fünfte Leinwandadaption, jedoch die erste, die sich der ganzen Vorlage annehmen konnte, mit einer große Werbekampagne daherkam und von einem großen amerikanischen Studio (Paramount) mit namhaften Schauspielern gedreht wurde. Doch Drehbuchautorin Clara S. Beranger („Nobody`s Widow“) folgt nicht immer der literarischen Vorlage. Beispielsweise wird die Erkenntnis von Gut und Böse im Buch allein durch Jekyll selbst vollzogen, während im Film Sir Carew dafür verantwortlich ist. Der wahrscheinlich größte Unterschied zum Buch ist vermutlich jedoch die Tatsache, dass Stevenson niemandem die Schuld an den Ereignissen zuschreibt, während der Film diese Verantwortung Dr. Jekyll aufbürdet. Insgesamt gesehen war Beranger eine Bereicherung für diesen Film, besonders da sie den Mut bewies, Oberflächlichkeiten des Buches, z.B. die Darstellung der Gesellschaft, auszumerzen und für den Film aufzuarbeiten.

Produzent Aldoph Zukor („Hold the Wire“) wusste genau, was er brauchte um die Werbetrommel für den Film richtig schlagen zu können. Zusätzlich zu der bekannten Geschichte brauchte er als Zugpferd noch einen wahrhaft bekannten und vor allem beliebten Schauspieler. Als sich kurz darauf der bekannte Theaterschauspieler John Barrymore dazu bereit erklärte, die Doppelrolle von Dr. Jekyll/Mr. Hyde zu übernehmen, hätte man vermutlich keinen Besseren für das Projekt finden können. Das Engagement Barrymores für diesen Film wurde zur Filmlegende, denn parallel zu den Filmaufnahmen spielte er jeden Abend die Hauptrolle in William Shakespeares „Richard III“ und legte dort den Grundstein zum weltweit bekanntesten Shakespeare-Darsteller seiner Zeit. Die Doppelbelastung Theater/Filmdreh endete letztlich in einem Nervenzusammenbruch des Schauspielers, jedoch litt seine Karriere nicht darunter, sondern sein Bekanntheitsgrad steigerte sich eher noch. Seine schauspielerische Leistung in „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ war so fantastisch, dass er für die Verwandlung keine Maske benötigte, sondern allein sein Mimikspiel, sein veränderter Gang und seine verdrehte Körperhaltung dafür sorgte, dass es den Anschein hatte, als ob zwei verschiedene Schauspieler hier am Werke seien. Dadurch wurde er zu einer Leinwandlegende, die zu der damaligen Zeit seines Gleichen suchte.

Der einzige, aber dafür umso schwerwiegendere negative Aspekt des Films ist vermutlich Regisseur Robertson, der durch seine strenge Erzählweise der Geschichte die Spannung nimmt. Der Handlungsaufbau folgt zwar mit der Einführung der Charaktere, Aufstieg der Hauptfigur und letztlich seinem Fall dem Aufbau eines klassischen dreiteiligen Dramas, doch zugleich wird sei dadurch vorhersehbar und somit leicht langweilig. Der Zuschauer wird nicht in die Handlung mit einbezogen, ihm bleibt nichts verborgen, er muss nicht spekulieren und wäre nicht die unglaubliche Leistung Barrymores gewesen, hätte er sich vermutlich sogar gelangweilt. Gerade dessen Schauspielkunst ist es denn auch, der dem Film die nötige Spannung wiedergibt, die ihm der Regisseur genommen hatte. Natürlich mussten einige Special Effects mit eingebaut werden, um die äußerliche Verwandlung Barrymores zu perfektionieren. Dabei geschah auch ein kleines Missgeschick, als Barrymore ein künstlich angelegter Finger von der Hand flutschte und quer durch den Raum segelte, was dem Zuschauer bestimmt nicht verborgen geblieben ist. Letztlich ist ein für die damaligen Verhältnisse fantastischer Film entstanden, der sich nicht hinter seiner literarischen Vorlage zu verstecken braucht.

Digitale Aufarbeitung:
Leider leidet der Film sehr unter Alterserscheinungen. Das Bild lässt an Klarheit stark zu wünschen übrig, was vor allem an den Verschmutzungen des Filmmaterials liegen mag. Der Kontrast ist teilweise auch zu tief, so dass bei Nachtszenen die Details nicht zu erkennen sind. Da der Film in schwarz/weiß gedreht wurde, kann man zwar nichts über die Farbintensität sagen, doch kommt es manchmal zu Überbelichtungen, die weiße Stellen im Film zu stark betonen. Die einstmals kunstvolle Abdunklungen an den Rändern des Films haben inzwischen an Intensität zugenommen, so dass die Perspektive teilweise schwer eingeschränkt ist. Zum Ton kann man leider nichts sagen, weil es sich hierbei um einen Stummfilm handelt, doch die musikalische Begleitung der bewegten Bilder klingt sehr dumpf aus den Boxen und lässt nichts von der digitalen Bearbeitung erkennen.

Auf dem Cover und im DVD-Menü sind keinerlei Extras angegeben, jedoch schließt sich direkt an den Abspann des Films eine sechsminütige Ausführung über die Vorgänger des Films an, mit einer anschließenden Filmszene aus der ersten literarischen Verfilmung des Klassikers 1913. Die Szene zeigt, wie sich Schauspieler King Baggot in der Rolle des Dr. Jekyll in Mr. Hyde verwandelt. Vermutlich soll dies eine Gegendüberstellung zu der vorhergegangenen Verwandlungsszene mit John Barrymore darstellen.

Fazit:
„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ ist eine beeindruckende Leinwandadaption des literarischen Klassikers von Robert Louis Stevenson aus dem Jahre 1920. Es ist vor allem der fantastischen schauspielerischen Leistung John Barrymore zu verdanken, dass der Film kein Desaster des Regisseurs John S. Robertson wurde, sondern im Gegenteil, ein Erfolg an den Kinokassen, der dafür sorgte, dass Barrymore zur Leinwandlegende aufstieg.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
76:14 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Instrumental
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • -
Dr. Jekyll und Mr. Hyde - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Dr. Jekyll and Mr. Hyde

Bild unseres Mitarbeiters Yatiker Yildiz
Das Böse im Menschen schläft nur selten


Autor der Besprechung:
Yatiker Yildiz

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1920
Regie:
John S. Robertson
Drehbuch:
Clara Beranger
Darsteller:
John Barrymore, Charles Lane, Brandon Hurst, Cecil Clovelly, Nita Naldi, Matha Mansfield, J. Malcolm Dunn, George Stevens, Edgard Varése, Alma Aiken,

Label Deutschland :
Voulez Vous Film
Verkaufsstart Deutschland :
25.03.2011