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DVD-Besprechung - Das Paradies der Mörder

Story:
Das Städtchen Ciudad Juárez erlangt seit Mitte der 90er Jahre traurige Berühmtheit: Immer wieder werden junge Mädchen und Frauen vergewaltigt, verstümmelt und ermordet aufgefunden. Die Polizistin Blanca (Ana de la Reguera) versucht Licht in die Mordserie zu bringen, ohne zu ahnen, dass sie dabei in ein Hornissennest sticht.

Meinung zum Film:
Die Handlung des Films „Das Paradies der Mörder“ beruht auf der unglaublichen Tatsache, dass in der mexikanischen Grenzstadt Juárez seit Mitte der 90er Jahre mehr als 1000 Frauen verschwunden sind und vergewaltigt, verstümmelt und ermordet wurden. Unfassbar ist vor allem, dass diese Mordserie der breiten Öffentlichkeit erst im Jahr 2005 bekannt wurde. Eine undurchdringbare Mauer des Schweigens, verhängt von der Polizei und der Regierung, hindert die Medien bis heute daran, effektiv und umfassend über die Verbrechen zu berichten. Immer noch sind die Schuldigen der Mordserie nicht gefasst, was den Nährboden für Spekulationen bildet, denen sich auch Hollywood schon annahm. Mit dem Film „Bordertown“ versuchte Regisseur Gregory Nava die Vorkommnisse aus seiner Sicht zu schildern, was jedoch fehlschlug, da der Film dazu neigte, eher die Hauptdarstellerin Jennifer Lopez in den Mittelpunkt zu stellen, und die schrecklichen Verbrechen nur oberflächlich erwähnte.

In „Das Paradies der Mörder“ werden die Ereignisse aus der Sicht vieler verschiedener Parteien geschildert. Opfer, Polizisten, Politiker, Wirtschaftsbosse und Täter kommen zu Wort. Dies verleiht dem Film eine Eindringlichkeit, die man bei „Bordertown“ schmerzlich vermisst hat. Die Realitätsnähe, die vor allem durch die Beschreibung des einfachen Lebens der Einwohner verdeutlicht wird, lässt den Zuschauer erschaudern, denn dem Eindruck, dass der Film der Wahrheit erschreckend nahe kommt, kann man sich kaum erwehren. Regisseur Carlos Carrera („Capadocia“) versucht dabei nicht unbedingt die Fälle zu lösen, indem er konkrete Tipps auf eventuelle Mörder gibt, sondern verteilt die Schuld der Verbrechen auf alle möglichen Verdächtigen gleichzeitig, sodass der Gedanke einer Verschwörung entsteht. Letztlich liegt Carrera wohl mehr an der Aussage, dass in einem korrupten Land, in dem das Leben einer Frau nicht mehr wert ist als das eines Tieres, Tod und Vergewaltigung zur Normalität werden können.

Doch nicht nur das Thema allein hat dem Film die Authentizität verliehen, die er brauchte, um als mexikanischer Beitrag für den Oscar in der Kategorie „Bester ausländischer Film“ 2009 ins Rennen geschickt zu werden. Originalschauplätze, eine glaubwürdige und begabte Schauspielercrew und ein engagierter Regisseur waren dazu ebenso notwendig wie ein realistisches Drehbuch, das aus der Feder von Sabina Berman („Shalalà“) stammt. Besonders erwähnenswert ist die Leistung der Hauptdarstellerin Ana de la Reguera, die die Rolle der engagierten und gradlinigen Polizistin Blanca mimt. Gerade durch ihre Darstellung der Verzweiflung im Angesicht des Grauens gewinnt der Film eine ungeahnte Tiefe. Hinzu kommt der Einfluss der Originalschauplätze, an denen erst nach langen Verhandlungen mit der mexikanischen Regierung unter strengen Sicherheitsbestimmungen gedreht werden durfte. Das beweist, wie sehr die Behörden die Geschichte fürchteten, was den Film zu einem glaubwürdigen und erschreckenden Stück Zeitgeschichte macht.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild lässt im Großen und Ganzen nichts zu Wünschen übrig. Die Farbqualität ist auf normalem Niveau, genauso wie die Kontraste, die sich ausgewogen gestalten. Der Ton erklingt gleichmäßig aus allen Boxen. Der Mix zwischen Handlung, Dialog und Musik ist gut gelungen. Lediglich ein leichtes Hintergrundrauschen, das aber nicht unbedingt stört, macht sich etwas negativ bemerkbar.

Als Extra bietet die DVD leider nur einen Originaltrailer, obwohl das Thema sich für Interviews mit Cast und Crew geradezu anbietet.

Fazit:
„Das Paradies der Mörder“ ist ein faszinierender, erschreckend authentischer Film über ein unbemerktes Jahrhundertverbrechen, das immer noch kein Ende gefunden hat und von der restlichen Welt fast unbemerkt geblieben ist. Regisseur Carlos Carrera hat durch sein Können und sein Engagement ein Stück Zeitgeschichte geschaffen, das aufgrund seiner Tiefenstruktur garantiert keinen Zuschauer unberührt lässt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
117:20 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Spanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Originaltrailer
Das Paradies der Mörder - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das Paradies der Mörder
El traspatio

Bild unseres Mitarbeiters Yatiker Yildiz
Grausamkeit kennt keine Grenzen


Autor der Besprechung:
Yatiker Yildiz

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Mexiko, 2009
Regie:
Carlos Carrera
Drehbuch:
Sabina Berman
Darsteller:
Ana de la Reguera, Asur Zagada, Marco Pèrez, Ivan Cortes, Joaquin Cosio, Alejandro Calva, Jimmy Smits, Carolina Politi, Amorita Rasgado, Enoc Leano, Adriana Paz, Lisa Owen, Sayed Bodreya, Juan Carlos Barreto

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
08.04.2011