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DVD-Besprechung - Zwischen uns das Paradies

Story:
Luna (Zrinka Cvitesic) und Amar (Leon Lucev) sind ein modernes Paar, das nach dem Krieg in Sarajevo versucht, wieder ein normales Leben zu führen. An der Oberfläche gelingt es ihnen auch, gemeinsam den Alltag zu bewältigen und die Vergangenheit zu vergessen. Doch innerlich sind beide noch immer durch die Kriegsgeschehnisse geprägt. Amar versucht seine Erinnerungen in Alkohol zu ertränken und verliert deswegen sogar seinen Job. Die dadurch verursachten finanziellen Schwierigkeiten gefährden jedoch die Familienplanung des Paares. Als Amar durch einen alten Freund die Möglichkeit erhält, eine Stelle in einem abgelegenen Wahabiten-Camp auf dem Land anzunehmen, ahnen die beiden nicht, dass dadurch ihre Welt erneut auf den Kopf gestellt wird.

Meinung zum Film:
Der Film „Zwischen uns das Paradies“ scheint zunächst ein Film zu sein, der sich über die Gefahren eines aufkommenden Islamismus in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens auszubreiten scheint. Zumindest deuten das die zahlreichen Kommentare auf dem Cover der DVD an. Doch der Film gestaltet sich vielschichtiger, dringt tief in die Psyche der Protagonisten ein, versucht mehr zu erklären, als anzuprangern und schafft so ein sensibles, tiefschürfendes Bild einer Gesellschaft, die nach einem Krieg versucht, wieder zu sich selbst zu finden. So ist denn „Zwischen uns das Paradies“ eher ein Film über Identität, als über die gefährliche Auslegung einer Religion. Mit viel Fingerspitzengefühl offenbart Regisseurin Jasmila Zbanic, die auch das Drehbuch für den Film schrieb, das Bild einer Nachkriegsgesellschaft, die zwischen Gegenwart und Zukunft nach Identität sucht.  

Dank der hervorragenden Schauspieler erkennt der Zuschauer ziemlich schnell, wo die eigentliche Problematik liegt. Zrinka Cvitesic („Libertango“) spielt in der Rolle der Luna eine Person, die zerrissen ist zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Nachdem sie ihre Eltern und ihr Zuhause im Krieg verloren hat, wünscht sie sich nun nichts sehnlicher als einen Neubeginn, der zumindest eine neue Familie beinhalten soll. Die Verzweiflung der Figur transportiert Cvitesic hervorragend. Gleiches gilt für Leon Lucev, der den nach Identität und Nähe suchenden Amar verkörpert. Besonders erwähnenswert ist auch Marija Köhn, die als Großmutter Lunas den verbitterten Geist der Vergangenheit darstellt. Sie demonstriert in grandioser Weise, wie Hass und Rachegelüste nicht nur das eigene Leben zerstören können, sondern auch das der Menschen, die man liebt.  

Es muss als großartige Leistung angesehen werden, dass Regisseurin Zbanic nicht den moralischen Zeigefinger hebt, um eine Religion, oder auch ihre strenge Auslegung zu verurteilen. Es wäre auch zu einfach gedacht, dass der Glaube allein dazu fähig ist, Familien zu zerstören, dass passiert in den allerwenigsten Fällen. Zbanic zeigt die Menschen hinter der Religion, die geplagt sind von der Vergangenheit, die sie nicht los lassen will. Das soziale und kulturelle Leben dieser Menschen ist zerstört und nun befinden sie sich in einer modernen Gesellschaft, die eher von Anonymität lebt, als von Familienbanden, in der der Einzelne in der Masse verschwindet, Konformität mehr zählt als Individualität. Die Flucht in eine Religion, die alles das zu bieten scheint, was man sich im innersten seines Herzens wünscht, ist nur eine Möglichkeit, sich der Gegenwart zu entziehen. So ist Zbanics Film eher als Gesellschaftskritik zu werten, die sein Ziel beim Zuschauer auch erreicht.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild bietet kaum Grund zur Kritik. Die Bildschärfe bewegt sich auf einem guten Niveau und auch die Kontrastwerte verlaufen angenehm ausgewogen. Die Farbqualität ist gut und bewegt sich stets im Normalbereich. Der Ton klingt gleichmäßig aus allen Boxen. Auch der Mix zwischen Dialogen, Musik und Hintergrundgeräuschen ist perfekt aufeinander abgestimmt.

Die DVD bietet leider keine Extras, die jedoch gerade bei diesem Thema wünschenswert gewesen wären.

Fazit:
„Zwischen uns das Paradies“ ist ein hervorragender, tiefsinniger Film mit einer wichtigen Botschaft. Es ist den grandiosen Darstellern, einer sensiblen Regisseurin und einen tollen Drehbuch zu verdanken, dass der Film mehr bietet, als der Zuschauer zunächst ahnt. Ein Film, der auch noch nach dem Abspann beschäftigt und der viel zu intelligent ist, um sich mit abgeschmackten Vorurteilen abzugeben, wie die Pressestimmen auf dem Cover dem Zuschauer weis machen wollen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
2,35:1
2,35:1
97:15 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Bosnisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • -
Zwischen uns das Paradies - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Zwischen uns das Paradies
Na Puta

Bild unseres Mitarbeiters Yatiker Yildiz
Keine Liebe ohne Identität


Autor der Besprechung:
Yatiker Yildiz

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Bosnien / Herzegowina, 2009
Regie:
Jasmila Zbanic
Drehbuch:
Jasmila Zbanic
Darsteller:
Zrinka Cvitesic, Leon Lucev, Ermin Bravo, Mirijana Karanovic, Marija Köhn, Nina Violic, Sebastijan Cavazza, Jasna Ornela Bery, Izndin Bajrovic, Jasna Zalica, Luna Mijovic

Label Deutschland :
good!movies
Verkaufsstart Deutschland :
13.05.2011