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DVD-Besprechung - Krieg und Frieden - Teil 1
Story:
Russland in den Jahren 1805-1812: Der französische Kaiser Napoleon hat sich zum Ziel gesetzt, das russische Zarenreich zu erobern. Während das Militär in zahlreiche Schlachten verwickelt ist und das Volk, dank der permanenten Kämpfe, unter Hunger und Krankheit zu leiden hat, müssen sich auch die Adligen mit dem Kriegsgeschehen und den damit zusammenhängenden Auswirkungen auseinandersetzen. Besonders das Schicksal dreier Menschen wird durch die Eroberungszüge Napoleons auf den Kopf gestellt: Der unehelich geborene und sensible Pierre Besùchow (Anthony Hopkins), der durch den Tod des Vaters in den Adelsstand eintritt, muss sich damit auseinandersetzen, dass das Leben nicht nur aus Philosophie und Tagträumerein besteht, während die junge unschuldige Natascha Rostova (Morag Hood) an Herz und Seele die Schrecken des Krieges und vor allem des Lebens erkennen muss. Prinz Andrej Nikolajewitsch Bolkonskij (Alan Dobie) erkennt, dass er sich von der tyrannischen Einflussnahme seines Vaters entziehen und lernen muss, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Die Lebenswege dieser Drei sind von Not, Elend und Opfern geprägt und doch scheinen sie immer wieder miteinander verbunden zu sein.
Meinung zum Film:
Leo Tolstois historischer Roman „Krieg und Frieden“ wurde seit seiner Publikation 1868 mehrmals verfilmt. Zunächst versuchten sich mehrere russische Regisseure an dem opulenten Werk, wie z.B. Pyotr Chardynin im Jahre 1913. Die erste wirklich große Adaption erfolgte jedoch erst 1956, genau 88 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Klassikers. Sie wurde von King Vidor („Salomon und die Königin von Saba“) verfilmt, der die Hauptrollen mit Henry Fonda, Audrey Hepburn und Mel Ferrer besetzte. Diese Hollywood-Inszenierung, die mit ihren dreieinhalb Stunden schon epische Breiten besitzt, konnte dem Meisterwerk jedoch nicht annähernd gerecht werden, weil für die Kinoversion die Handlungsstränge zu sehr gekürzt werden mussten und viele Details dadurch verloren gingen. Trotzdem wurde der Film mit drei Oscar-Nominierungen und diversen anderen Filmpreisen belohnt. 1967 gelang es der russischen Produktion von Sergej Bondartschuk, der gleichzeitig auch die Rolle des Pierre Besùchow übernahm, einen Film mit mehr Inhalt zu schaffen, der als vierteilige Kinoadaption auf die Leinwand kam. Er gewann auch den Oscar in der Kategorie „Bester ausländischer Film“ und wurde für seine eigenwillige Kameraführung und seine gewaltige Bildsprache gelobt. Doch noch immer gelang es nicht, dem Werk gerecht zu werden, bis sich 1972 die BBC dem Stoff zuwandte.
Die BBC hatte im Gegensatz zum Kino den Vorteil, dass sie den Klassiker als Fernseh-Mehrteiler herausbringen konnte, um somit dem Werk auch den verdienten Raum geben zu können. So entstand in 20 Teilen und mit 865 Minuten Laufzeit die werkgetreueste Adaption und damit auch längste Umsetzung des Romans. Bereits Ende der 60er-Jahre genossen BBC-Produktionen einen exzellenten Ruf in Bezug auf Romanverfilmungen, was sich mit „Krieg und Frieden“ einmal mehr bewies. Durch die unglaubliche Länge konnten Details der literarischen Vorlage erstmals visuell umgesetzt werden, die sonst dem Schneideraum oder der Rationalisierung zum Opfer fielen. Besonders erwähnenswert ist dabei die Zuwendung Pierres zu den Freimaurern. Einige Szenen, in denen Napoleon eine wichtige Rolle spielt, wurden gegenüber dem literarischen Werk sogar noch ausgebaut. Da Regisseur John Davies („The Portrait of a Lady“) nicht am Budget knapsen musste, konnte er es sich leisten, den Film nicht nur an außergewöhnlichen Kulissen spielen zu lassen, wie in Italien und Ex-Jugoslawien, sondern schaffte es auch, für die Massenkampfszenen echte ausgebildete Soldaten als Statisten zu gewinnen, was die Glaubwürdigkeit der Produktion erheblich anhob. Davies ließ es sich auch nicht nehmen, die Verantwortung für alle Teile der Adaption zu übernehmen, so dass trotz der Aufsplittung in zehn einzelne Episoden eine gelungene Gesamtkontinuität zu erkennen ist.
Der junge Anthony Hopkins („Das Schweigen der Lämmer“), der bis dahin eigentlich nur Theaterrollen spielte und nur gelegentlich Rollen für Film und Fernsehen übernahm, konnte mit seiner Darstellung als Pierre Besùchow nicht nur das Fernsehpublikum überzeugen. Für diese Leistung wurde er auch mit dem renommierten BAFTA-Award ausgezeichnet, weil es ihm gelang, dass Facettenreichtum dieser Figur perfekt einzufangen. Alan Dobie („Cribb“), der ebenfalls wie Hopkins ein Bühnendarsteller ist, liefert mit seiner Rolle als Prinz Andreij eine großartige Leistung ab, zu der sogar Mel Ferrer 20 Jahre zuvor mit der gleichen Rolle nicht fähig gewesen ist. Einzig Morag Hood („Die großen Geheimnisse des Orson Wells“) scheint nicht so ganz zu ihrer Rolle als Natascha Rostova zu finden. Das mag vermutlich daran gelegen haben, dass ihre kühle, englische Art und ihr strenges Äußeres nicht unbedingt zu der emotionalen, überschwänglich fröhlichen Figur der Natascha passte. Darüber hinaus können leider auch eine gute Inszenierung, eine im Durchschnitt hervorragende Besetzung und ein ambitionierter Regisseur nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Produktion einige Längen aufweist. Doch alles in allem ist der BBC eine hervorragende Produktion auf hohem Niveau gelungen, die dem Werk Tolstois überaus gerecht wird.
Digitale Aufarbeitung:
Bei der Bildqualität muss man aufgrund des Alters der Serie Abstriche machen. Das Bild wirkt durchgehend unscharf, was besonders bei den zu weichen und leicht verwischten Konturen erkennbar wird. Alle Bilder sind von einem deutlichen, aber vermutlich unbeabsichtigten, Sepiaton überlagert, der alle anderen Farben überdeckt. Lediglich Rot und Grün treten positiv hervor. Der Kontrast lässt leider auch zu wünschen übrig, da er teilweise so steil ist, dass Einzelheiten in der Dunkelheit vollkommen verloren gehen. Der Ton erklingt trotz digitaler Aufarbeitung ziemlich dumpf, aber gleichmäßig aus den Boxen. Manchmal kommt es auch zu Lautstärkeschwankungen, die aber letztlich nicht besonders ins Gewicht fallen. Ansonsten ist der Ton deutlich und klar zu verstehen und auch der Mix zwischen Effekten und Dialogen ist gut aufeinander abgestimmt.
Leider enthalten die DVDs keine Extras. Jedoch ist dem Schuber ein Booklet beigefügt, das ausführlich über den Film, Hintergründe, Cast und Dreharbeiten berichtet. Polyband bringt den ersten Teil der Fernsehserie in einer Box mit drei DVDs heraus. Die Discs befinden sich in einem aufklappbaren Digipak, welches zusätzlich in einem schönen Hardcover-Schuber steckt, an dem lediglich das FSK-Logo ein wenig stört.
Fazit:
„Krieg und Frieden“ der BBC ist eine der opulentesten Literaturverfilmungen, die je gedreht wurden. Mit viel Liebe zum Detail, großartigen Kulissen und Kostümen und einer ausgezeichneten Besetzung entstand ein Film, der trotz einiger Längen nicht langweilig wird. Regisseur John Davies hat es mit dieser werkgetreuen Umsetzung nicht nur geschafft, den Zuschauer zu begeistern, sondern auch dem literarischen Klassiker damit ein optisches Denkmal gesetzt.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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432 Minuten Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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Krieg und Frieden - Teil 1
War and Peace
Wie das Buch, so der Film!
Autor der Besprechung:
Yatiker Yildiz
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
England, 1972 Regie: John Davies Drehbuch: Jack Pulman Darsteller: Anthony Hopkins, Morag Hood, Alan Dobie, Rupert Davies, Joanna David, Faith Brook, Angela Down, Sylvester Morand, David Swift, Fiona Gaunt, Frank Middlemass, Antony Jacobs, Neil Stacy, Anne Blake,Gary Watson, Athene Fielding, Donald Douglas, Donald Burton, Rufus Frampton, Tony Steedman, Joseph Wise, Colin Baker, Basil Henson, Josie Kidd
Label :
Polyband
Verkaufsstart : 15.04.2011
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