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DVD-Besprechung - Hawk - Hüter des magischen Schwertes

Story:
Hawk (John Terry) und Voltan (Jack Palance) sind Brüder, jedoch bis aufs Blut verfeindet. Beide liebten einst die gleiche Frau, die sich jedoch für Hawk entschied, was Voltan an den Rande des Wahnsinns führte und ihn zu einem äußert finsteren Gesellen mutieren ließ. Voltan rächte sich jedoch und nahm Hawk nicht nur die Geliebte, sondern auch noch den Vater. Dabei trug er jedoch auch eine furchtbare Brandwunde im Gesicht davon, die ihn ein Auge kostete. Das magische Schwert ihres Vaters fiel jedoch an Hawk. Als Voltan Jahre später eine Äbtissin entführt um an das Gold des Klosters zu gelangen, prallen beide erneut aufeinander. Diesmal hat Hawk jedoch einige Verbündete um sich geschart, genauer eine Zauberin (Patricia Quinn), den Armbrustschützen Ranulf (William Morgan Sheppard), den Riesen Gort (Bernard Bresslaw), den Elfen Crow (Ray Charleson) und den Zwerg Baldin (Peter O`Farrell).

Meinung zum Film:
Mit „Hawk – Hüter des magischen Schwertes“ und „Der Zauberbogen“ veröffentlicht Koch Media bewusst zwei Produktionen, die einige Gemeinsamkeiten aufweisen, zeitgleich. Beide Titel sind Fantasyfilme und zu Beginn der 80er-Jahre entstanden und waren eigentlich als Pilotfilme für eine im Nachhinein aber nie realisierte TV-Serie gedacht. Trotz ihrer Fernsehherkunft und ihres Nischendaseins genießen beide Filme zumindest in Deutschland aber auch einen gewissen Kultstatus, u.a. durch zahlreiche Ausstrahlungen im Privatfernsehen und zugehörige, nostalgische Gefühle. „Hawk – Hüter des magischen Schwertes“ von Terry Marcel („Gefangene des Universums“) ist jedoch eine britische Produktion und dem gängigen Historienfilm deutlich näher. Die Fantasyelemente wirken, nicht nur wegen der extrem billig umgesetzten Effekte, teilweise eher aufgesetzt. Den strahlenden Helden verkörpert hier der Amerikaner John Terry („Full Metal Jacket“), der zu dieser Zeit noch weitgehend unbekannt war. Seinen finsteren Gegenspieler Voltan mimt Hollywoods Abonnement-Bösewicht Jack Palance („Mercenario – Der Gefürchtete“), der zu dieser Zeit eine schwierige Phase in seiner Karriere, garniert mit zahlreichen Billigproduktionen, durchlebte. Harry Robertson bekannt durch seine Filmmusik zu Hammer-Titeln wie „Nur Vampire küssen blutig“ steuerte hingegen den ohrwurmtauglichen Keyboard-Soundtrack und war auch zusammen mit Terry Marcel für das Drehbuch federführend.

„Hawk – Hüter des magischen Schwertes“ ist ein Film, den man wohl vor allem wegen seiner Effekte im Gedächtnis behält, leider nicht wegen deren herausragender Qualität, sondern vielmehr aufgrund des Fehlens eben dieser. Zu dieser Zeit entstanden auch Genreklassiker wie „Kampf der Titanen“ oder „Conan der Barbar“ die in dieser Hinsicht Welten von „Hawk“ entfernt zu sein scheinen, insgesamt bewegt sich die vorliegende Produktion jedoch sogar lediglich auf dem Niveau von günstig realisierten italienisch-französischen Historienfilm-Fließbandproduktionen aus den 60er-Jahren. Der Eindruck ist somit äußerst trashig. Das liegt an Elementen wie offensichtlich gemalten Burgen im Hintergrund, allen voran aber für die magischen Effekte und die Realisierung der Sequenzen mit Bogenschützen. Sowohl der Elf Crow, als auch Ranulf, der eine Art „Automatikarmbrust“ mit sich herumträgt, verfeuern ihre Pfeile in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Realisiert wird das simpel und unbeholfen durch das unmittelbare Zusammenschneiden bzw. die stetige Wiederholung der gleichen Sequenz. Das magische Schwert und allgemein Magie äußern sich hingegen vor allem immer wieder in schreiend bunten Lichteffekten, die eher Disco-Feeling verbreiten. Allerdings passt das sogar zur flotten Musikuntermalung, die munter klassisch-orchestrale Arrangements, flippige Synthesizerklänge und eindeutig von Ennio Morricone inspirierte Italo-Western-Themen, variiert.

Leider wirkt die Produktion aber insgesamt leider weniger trashig-unterhaltsam, sondern vielmehr bieder-unterfinanziert. Die Geschichte zwischen den beiden ungleichen Brüdern als personifizierte Streiter für gut und böse ist erschreckend vorhersehbar, beschränkt sich auf wenige, phantasielose Locations und jeglicher Ansatz interessanter Schwertkampfsequenzen wird durch das bereits angeführte Pfeilstakkato der beiden Dauerfeueraspiranten im Keim erstickt. Und wird es wieder Erwarten doch einmal brenzlig für unseren Helden, kann der Zuschauer absolut sicher sein, dass sofort wieder die Zauberin zu Hilfe eilen wird. Zudem wirken viele der Nebenakteure äußerst überflüssig, was z.B. auch Voltans Sohn betrifft, über dessen Herkunft überhaupt nichts vermeldet wird. Der Zwerg Baldin hat ebenfalls keine wirkliche, inhaltliche Relevanz, bringt aber ein gewisses komisches Motiv in die Geschichte, dabei ist doch schon mehr als genug unfreiwilliger Humor vorhanden. So kann einem der gute Jack Palance mit seiner albernen Kopfbedeckung, die ein wenig an Darth Vader nach einem schweren Verkehrsunfall erinnert, eigentlich nur Leid tun, und somit auch keine Akzente setzen. Der endgültige Todesstoß für den Film ist jedoch das offene Ende, das direkt in die Serie münden sollte und dabei z.B. einen Magier hinter Voltan ins Zentrum rückt, der bis dahin nur am Rande als geheimnisvolle Gestalt im Hintergrund gewirkt hatte.

Digitale Aufarbeitung:
„Hawk“ hat mittlerweile 30 Jahre auf dem Buckel und war ein kostengünstig produzierter TV-Film. Diese Tatsachen kann die deutsche DVD im originalen Vollbildformat auch nicht verhehlen. Die Bildschärfe bewegt sich gerade noch in einem durchschnittlichen Bereich, besitzt allerdings keine großartige Detailzeichnung. Die Vorlage weist diverse Verschmutzungen und leichte Beschädigungen auf, zudem weist das Bild auch ein deutliches Rauschen auf. Die Farbgebung wirkt zwar natürlich, da aber eher Erd- oder Grautöne überwiegen, hinterlässt das Bild nicht den kräftigsten Eindruck. Bei Tageslichtaufnahmen schlägt sich der Kontrast durchaus wacker, bei Nachtsequenzen hingegen verschmelzen dunklere Flächen, beispielsweise das Haupthaar oder gedeckt eingefärbte Umhänge, regelrecht mit der Finsternis. Die deutsche Tonspur klingt erfreulich klar und kräftig sowie gut verständlich und ausgewogen abgemischt. Großartige Effekte oder gar Raumklang sollten aber nicht erwartet werden. Die englische Originaltonspur klingt im direkten Vergleich leicht verzerrt, orientiert sich aber ansonsten qualitativ an der deutschen Fassung.  

Überraschenderweise konnte für den Film sogar ein Making Of (25:50) ausgegraben werden, das allerdings keine Untertitel aufweist und auch eher in VHS-Qualität vorliegt. Das Feature ist leider insgesamt ziemlich tränig inszeniert und beinhaltet vor allem kurze Interviewsequenzen mit den Verantwortlichen und Darstellern sowie kurze Einblicke in die Umsetzung der Effekte bzw. die Realisierung der Kampfchoreographie. Weiterhin finden sich auf der DVD noch der englischsprachige Originaltrailer und eine Bildergalerie mit Werbematerial bzw. Aushangfotos. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Hawk – Der Hüter des magischen Schwertes“ ist erzählerisch dröge sowie vorhersehbar ausgefallen, bewegt sich effekttechnisch auch für die damalige Zeit auf einem unterirdischen Niveau und hat vor allem gegen Ende das große Problem, dass die Produktion ursprünglich als Pilotfilm für eine Serie geplant war und somit mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Leider entfaltet die Produktion aber auch keinen wirklich trashigen Charme, zumal das Fantasy-Element tendenziell eher aufgesetzt wirkt, während die Ereignisarmut zum Gähnen anregt und die Charaktere vollkommen eindimensional vor sich hin operieren müssen. Technisch ist die DVD wahrlich kein Highlight geworden, angesichts der Herkunft und Produktionsumstände des Films durfte das allerdings auch niemand erwarten, weshalb die Qualität insgesamt zufriedenstellend ausgefallen ist.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
89:44 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Englischsprachiger Originaltrailer
  • Bildergalerie mit Werbematerial
Hawk - Hüter des magischen Schwertes - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Hawk - Hüter des magischen Schwertes
Hawk the Slayer

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Nicht nur erzählerisch im Mittelalter verankert, sondern auch effekttechnisch, jedoch leider trotzdem ohne wirklichen Trash-Appeal


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 1980
Regie:
Terry Marcel
Drehbuch:
Terry Marcel, Harry Robertson
Darsteller:
John Terry, Jack Palance, Bernard Bresslaw, William Morgan Sheppard, Ray Charleson, Peter O`Farrell, Patricia Quinn, Cheryl Campbell

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
29.04.2011