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DVD-Besprechung - Sandokan-Superbox

Story:
Sandokan – Der Tiger von Malaysia
Sandokan (Kabir Bedi), der Tiger von Malaysia, ist ein Pirat von adeligem Geschlecht, dem jedoch wie vielen seiner Landsleute von den britischen Besatzern alles genommen wurde, und der sich deshalb als eine Art Galionsfigur an die Spitze des bewaffneten Freiheitskampfes gestellt hat. Sein gefährlichster Gegenspieler ist James Brooke (Adolfo Celi), der weiße Maharadscha von Sarawak, der im Auftrag der Briten deren Kolonialreich erweitern soll und dabei teilweise unmenschliche Methoden anwendet. An Sandokans Seite kämpft sein treuer, portugiesischer Gefährte Yanez De Gomera (Philippe Leroy), der stets zur Stelle ist, wenn der Tiger in Schwierigkeiten gerät. Als sich Sandokan jedoch ausgerechnet in die junge, kulturell aufgeschlossene, britische Adlige Lady Marianna Guillonk (Carole Andrè) verliebt, führt das zu vielen weiteren Komplikationen.  

Die Rückkehr des Sandokan
Die britische Journalistin Dora Parker (Mandala Tayde) reist nach Indien, um dort über den berüchtigten Freibeuter Sandokan (Kabir Bedi) zu schreiben. Vor Ort gerät sie jedoch direkt in eine Intrige von Raska (Mathieu Carrière), dem Herrscher von Limpur, der seine Cousine Surama (Romina Power), die von Sandokan unterstützt wird, vom Thron Assams stürzen möchte. Aber auch der Engländer James Guilford (Tobias Hoesl) wäre gerne englischer Gouverneur und paktiert zu diesem Zweck mit Raska. So gerät Dora schnell zwischen alle Fronten und verliebt sich zu allem Überfluss auch noch in Sandokan, der doch die englischen Besatzer aus tiefster Seele hasst und aufgrund eines Verrats von ihnen als Mörder gejagt wird...

Meinung zum Film:
Die „Sandokan-Superbox“ wirbt mit dem Slogan „Die komplette Serie auf 6 DVDs“. Das ist jedoch nicht korrekt, denn diese neue Box enthält lediglich die altbekannten und bereits einzeln veröffentlichten Mehrteiler „Sandokan – Der Tiger von Malaysia“ aus dem Jahr 1976, erstmals erschienen im November 2004, und „Die Rückkehr des Sandokan“ aus dem Jahr 1996, erstmals erschienen Ende April 2010. Die sechs DVDs sind dabei technisch und inhaltlich vollkommen identisch zur jeweiligen, vorherigen Auflage und befinden sich diesmal in einem „6-Disc Overlap“ von Scanavo nebst zugehörigem Schuber, der allerdings weder bezüglich der Optik, noch hinsichtlich der Stabilität, besonders viel her macht. Was diese „Superbox“ aber eben nicht enthält, ist die damit in Deutschland weiterhin unveröffentlichte, direkte Fortsetzung von „Sandokan – Der Tiger von Malaysia“, in Spielfilmform namens „La Tigre è ancora viva: Sandokan alla riscossa!“ aus dem Jahr 1977. Diese entstand erneut unter der Regie von Sergio Sollima („Der Gehetzte der Sierra Madre“) und hatte mit Kabir Bedi („Der Schwarze Korsar“), Adolfo Celi und Philippe Leroy („Yankee“) auch die gleichen bekannten Hauptdarsteller mit an Bord. „Die Rückkehr des Sandokan“ entstand erst rund 20 Jahre später unter der Regie von Enzo G. Castellari („Inglorious Bastards“), wobei Kabir Bedi als prägendes Gesicht der Reihe zwar natürlich erhalten blieb, die anderen Hauptcharaktere aber diesmal abweichend von Schauspielern wie Mathieu Carrière ("Die Flambierte Frau"), Friedrich von Thun ("Tod eines Keilers") oder Fabio Testi ("Die Rache der Camorra") verkörpert wurden. Die Verfilmungen basieren zwar alle auf Romanen bzw. Charakteren des italienischen Schriftstellers Emilio Salgari, es handelt sich jedoch um freie, motivische Adaptionen und keineswegs um buchstabengetreue Verfilmungen eines bestimmten Romans.

„Sandokan – Der Tiger von Malaysia“ ist keineswegs ein typischer Piratenfilm und gibt sich auch gar nicht erst die Mühe Sandokans angeblichen Freiheitskampf wirklich genauer zu thematisieren. Im Kern bemüht sich die Reihe vielmehr um eine Betonung des Konflikts zwischen dem Tiger und seinem Rivalen James Brooke, der hier aber deutlich weniger überzeichnet und verdorben dargestellt wird, als Raska in der neueren Verfilmung. Überhaupt wird die an Originalschauplätzen gedrehte Produktion deutlich reifer und hochwertiger als das Nachfolgeprodukt und kann zumindest in den Bereichen Ausstattung und Hauptdarsteller durchaus Pluspunkte sammeln. Der Konflikt der beiden Rivalen verlagert sich jedoch bald und wird zunehmend von dem Techtelmechtel zwischen der jungen, englischen Adligen und Sandokan überdeckt. Wie bereits in der Nachfolgeserie wirkt diese Liaison zweier mehr als ungleicher Charaktere alles andere als glaubwürdig, betont aber immerhin nicht ganz so stark den Kitschfaktor und bemüht deutlich weniger die Tränendrüse, da hier das übergeordnete Motiv der Völkerverständigung, bzw. der Überbrückung kultureller Differenzen, eingearbeitet wird. Leider ist das Auftreten Sandokans in dieser Hinsicht nicht immer glücklich konzipiert, da Kabir Bedi diesem Charakter zwar durchaus einiges an Charisma verleiht, viele seiner Handlungen aber eher brutal oder nicht nachvollziehbar erscheinen. Der Actionanteil der Serie ist sehr gering ausgefallen und auch nicht wirklich überzeugend umgesetzt, Freunde von Piratenabenteuern und Kabir Bedi sollten daher lieber zu „Der Schwarze Korsar“ greifen.  

"Die Rückkehr des Sandokan" ist im Grunde nichts anderes als eine verhältnismäßig hoch budgetierte Seifenoper vor exotischer Kulisse. Neben klassischen Abenteuerelementen überwiegen dementsprechend romantische Irrungen und Wirrungen. Passend dazu servieren die beiden bekannten, italienischen Komponistenbrüder Guido und Maurizio De Angelis einen extrem schwülstigen Soundtrack. Das Drehbuch ist inhaltlich sehr dünn, monotn und extrem vorhersehbar ausgefallen. Im Grunde bietet es kaum andere Strukturen als ein beliebiger Groschenroman und enthält somit Elemente wie soapübliche Intrigen, unglaublich eindimensionale Charaktere nebst nervigem Overacting und natürlich die zahlreichen Spielarten der Liebe. Eigentlich ist Sandokan gefühlt zu 90% der Spielzeit damit beschäftigt, wichtige, ihm nahestehende Charaktere aus der Gewalt seiner schändlichen Rivalen zu befreien. Dabei wird er häufiger selbst gefangen und muss sich befreien oder es gelingt ihm mit der Zielperson zu fliehen, aber einer seiner Helfer wird dabei im Gegenzug erwischt und der Befreiungsversuch beginnt in leicht veränderter Konstellation von vorne. In dieser Hinsicht kopiert die neuere Produktion auch schwerpunktmäßig ihren Vorgänger und wirkt dadurch noch uninspirierter und einfallsloser. Der Versuch das Geschehen durch Actionsequenzen aufzulockern, scheitert durch lahm inszenierte Faust- und Schwertkämpfe auf ganzer Linie. Die Leistungen der Darsteller schwanken zwischen amüsant und indiskutabel, wobei ihnen zugute gehalten werden muß, dass sie teilweise auch völlig falsch besetzt wurden.

Digitale Aufarbeitung:
Bereits vor dem Start von „Sandokan – Der Tiger von Malaysia“ warnt der Hersteller gerechtfertigterweise hinsichtlich der Bildqualität der vorliegenden Veröffentlichung und verweist darauf, dass lediglich eine originale, deutsche 16mm-Kopie des Films abgetastet werden konnte. Dementsprechend war die optische Präsentation der Mini-Serie bereits im Jahr 2004 eher unterdurchschnittlich und wirkt heute, sieben Jahre später, natürlich erst recht nicht mehr zeitgemäß. Die Vorlage weist deutliche Verschmutzungen auf, beinhaltet regelmäßige, leichte Bildfehler und rauscht auch sehr stark. Die Farbgebung wirkt zwar natürlich, aber auch sehr ausgeblichen, was durch Kontrastdefizite mit einem einhergehenden, häufig deutlich zu hellen Bild noch verstärkt wird. Auch die Schärfe bewegt sich auf einem unterdurchschnittlichen Niveau, ohne größere Detailzeichnung, so dass diese Veröffentlichung qualitativ insgesamt eher an alte VHS-Bänder erinnert. Auch „Die Rückkehr des Sandokan“ kann ihren TV-Charakter nicht verhehlen und wurde im Vollbildformat 1,33:1 abgedreht. Die Bildschärfe bewegt sich für eine rund 14 Jahre alte TV-Reihe allerdings auf einem durchaus guten Niveau. Die Farbgebung wirkt natürlich, aber auch leicht ausgewaschen. Das Bild wird von einem starken Rauschen begleitet. Dropouts sowie Verschmutzungen sind regelmäßige Begleiter. „Sandokan – Der Tiger von Malaysia“ klingt altersbedingt leicht verzerrt und effektarm, bietet aber ansonsten eine gute Verständlichkeit und eine harmonische Abmischung. Für die italienische Originaltonspur, die allerdings unvollständig ist und deshalb an einigen Stellen zur deutschen Tonspur wechselt, liegen auch optionale, deutsche Untertitel vor. Sie klingt allerdings deutlich weniger kräftig. „Die Rückkehr des Sandokan“ liegt wahlweise mit deutscher Tonspur oder mit der italienischen Originaltonspur nebst deutschen Zwangsuntertiteln vor. Beide Tonspuren verfügen über eine gute Verständlichkeit und sind ausgewogen abgemischt, besondere Effekte sollten hingegen nicht erwartet werden.

Das Bonusmaterial zu „Sandokan – Der Tiger von Malaysia“ ist qualitativ relativ umfangreich ausgefallen, kann aber im Detail inhaltlich nicht immer voll überzeugen. Am reizvollsten ist sicherlich das eigens für die damalige, deutsche DVD-Erstveröffentlichung angefertige, zweiteilige Feature „Sandokans Abenteuer“ (59:00) ausgefallen, in dem Regisseur Sergio Sollima umfassend aus dem Nähkästchen plaudern darf und viele interessante Details und Hintergründe zur Produktion des Mehrteilers vermittelt. Weniger schön sind allerdings die teils recht ausladenden, reinen Inhaltswiedergaben und die übertriebene Anzahl eingebauter Filmszenen. Ansonsten finden sich im Bonusmaterial eine Fotogalerie mit Fotos von den Dreharbeiten sowie Werbematerial, der originale, deutsche Kinotrailer, Bio- und Filmographien von S. Sollima , K. Bedi und E. Salgari (alle in Textform), die Abspannvarianten der englischen Fassungen, die Super 8-Fassung des Films in vier Teilen nebst erläuterndem Textbeitrag „Sandokan auf Super 8 – Der Traum vom Kino“ und einer Fotogalerie der deutschen Super 8-Cover. “Die Rückkehr des Sandokan” beinhaltet als Bonusmaterial ein Tele 5-Interview mit Mathieu Carrière aus dem Jahr 2009 (22:53). Die Interviewerin Christina Schulte ist jedoch mit ihrem Gesprächspartner hoffnungslos überfordert und es gelingt ihr nicht, bei den teils etwas unkonventionellen Antworten Carrières, halbwegs sinnvoll nachzuhaken. Um die vorliegende Produktion geht es lediglich am Rande. Erschwerend kommt noch der hyperaktive, zappelige Kameramann hinzu. Unter dem Strich redet man hier zwar über Gott und die Welt, aber auch weitgehend aneinander vorbei. Die kurzen Outtakes (2:03) sind nicht weiter erwähnenswert und weisen eine miserable Bildqualität auf. Als "Appetizer" gibt es zudem noch die erste Episode eines weiteren italienischen Mehrteilers, "Das Gesetz der Wüste", aus dem Jahr 1991, der am 7. Mai 2010 ebenfalls von Koch Media auf DVD veröffentlicht wurde.

Fazit:
Die „Sandokan-Superbox“ enthält lediglich die beiden bereits vor einiger Zeit veröffentlichten Produktionen „Sandokan – Der Tiger von Malaysia“ und „Sandokans Rückkehr“ in technisch unveränderter Form und lohnt sich zumindest preislich für Interessenten, die beide Produktionen auf einen Schlag erwerben möchten. Inhaltlich sind jedoch beide Mini-Serien eher altbackene Abenteuerfilme mit einem deutlichen Fokus auf dem romantischen Sektor, sind inhaltlich sehr simpel angelegt und verfügen über eine ziemlich in die Länge gezogene Erzählweise, wobei aber die ältere Produktion zumindest produktionstechnisch deutlich reifer und professioneller wirkt, als der 20 Jahre neuere Schnellschuß. Bezüglich der DVD-Qualität der beiden Veröffentlichungen ergibt sich dagegen ein umgekehrtes Bild, „Die Rückkehr des Sandokan“ bewegt sich noch auf einem ordentlichen Niveau, während „Sandokan – Der Tiger von Malaysia“ qualitativ mehr als bescheiden wirkt, dafür allerdings deutlich interessanteres Bonusmaterial beinhaltet.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
Sandokan - Der Tiger von Malaysia:
320:13 Minuten

Die Rückkehr des Sandokan:
371:48 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch (mit Zwangs-untertiteln)
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • "Sandokans Abenteuer" (2 Teile)
  • Fotogalerie zu "Sandokan - Der Tiger von Malaysia"
  • Deutscher Originalkinotrailer zu "Sandokan Il Tigre"
  • Biographie Sergio Sollima
  • Filmographie Sergio Sollima
  • Abspannvarianten der englischen Version
  • "Sandokan im Kino"
  • Fotogalerie zur Kinofassung von "Sandokan - Der Tiger von Malaysia"
  • Biographie Kabir Bedi
  • Filmographie Kabir Bedi
  • Biographie Emilio Salgari
  • "Sandokan auf Super 8 - Der Traum vom Kino"
  • Super 8-Filmteile 1-4
  • Fotogalerie Super 8-Cover
  • "Im Gespräch mit Mathieu Carrière"
  • Outtakes
  • "Das Gesetz der Wüste" - Episode 1
Sandokan-Superbox - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Sandokan - Der Tiger von Malaysia / Die Rückkehr des Sandokan
Sandokan / Il Ritorno di Sandokan

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Inhaltlich und qualitativ nicht wirklich "super", für Fans von "Sandokan" und Preisfüchse allerdings evtl. eine lohnenswerte Investition


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Frankreich / Italien, 1976 / 1996
Regie:
Sergio Sollima, Enzo G. Castellari
Drehbuch:
Antonia Lucatelli, Giuseppe Mangione, Manlio Scarpelli, Alberto Silvestri, Sergio Sollima, Adriano Bolzoni, George Eastman (basierend auf den Romanen/Charakteren von Emilio Salgari)
Darsteller:
Kabir Bedi, Philippe Leroy, Adolfo Celi, Carole Andrè, Andrea Giordana, Mohammed Azad, Shamsi, Malik Selamat, Mandala Tayde, Mathieu Carrière, Romina Power, Fabio Testi, Tobias Hoesl, Randi Ingerman, Friedrich von Thun, Franco Nero

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
29.04.2011