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Kino-Besprechung - Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten

Story:
Im London des Jahres 1750 begegnet der berüchtigte Piratenkapitän Jack Sparrow (Johnny Depp) seiner ehemaligen Flamme Angelica (Penelope Cruz). Die sorgt dafür, dass er an Bord der "Queen Anne's Revenge" landet, dem Schiff des gefürchteten Piratenkapitäns Blackbeard (Ian McShane). Dieser befindet sich auf der Suche nach der Quelle der ewigen Jugend, über deren Standort Sparrow einige Informationen hat. Aber er ist nicht der einzige, der nach der Quelle sucht. Auch Jacks alter Rivale Captain Barbossa (Geoffrey Rush), neuerdings im Auftrag der englischen Krone, und eine spanische Expedition sind auf dem Weg zum Jungbrunnen.

Meinung zum Film:
Ganze vier Jahre sind ins Land gegangen, seit Johnny Depp ("Alice im Wunderland") sich für "Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt" das letzte Mal in die Piratenkluft gezwängt hatte. Nachdem die letzten beiden Teile der auf einer Disneyland-Attraktion basierenden Abenteuerfilmreihe mit einem Abstand von weniger als einem Jahr aufeinander gefolgt waren, hat man sich für Teil vier etwas mehr Zeit gelassen. Inzwischen hatte man auch Gelegenheit, sich darüber Gedanken zu machen, was an Teil zwei und drei – die zwar reichlich Geld in Disneys Kassen gespült haben, bei Kritikern und Fans jedoch nicht ganz so gut angekommen waren wie Teil eins – verbesserungswürdig sein könnte. Der größte Kritikpunkt war wohl, dass die Storys zu unübersichtlich wurden: unzählige Handlungsstränge, Schauplätze und Figuren gaben sich die Klinke in die Hand und so hatten diejenigen Zuschauer, die nicht alle Filme der Reihe auswendig gelernt hatten, große Mühe, mitzuhalten. Also hat man beschlossen, dass der neueste Teil mit dem Untertitel "Fremde Gezeiten" ein wenig schlanker daherkommen sollte: eine klar strukturierte, in sich abgeschlossene Haupthandlung, weniger Schauplätze und weniger Figuren – dann freut sich auch die Finanzabteilung über das schlankere Budget.

Und dieses Rezept hat tatsächlich ziemlich gut funktioniert! Die rasante und unterhaltsame Handlung von "Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten", die sich lose an Tim Powers Piratenroman "In fremderen Gezeiten" orientiert, schlägt zwar immer noch ein paar Haken, sollte aber für jeden halbwegs aufmerksamen Zuschauer klar nachvollziehbar sein. Auf unnötige Figuren der vorherigen Teile wie Keira Knightleys Elizabeth Swann und Orlando Blooms Will Turner, deren Geschichte mit Teil drei ohnehin abgeschlossen war, hat man verzichtet und konzentriert sich lieber auf Depps Jack Sparrow, Geoffrey Rushs ("The King's Speech") stets unterhaltsamen Captain Barbossa und die neuen Figuren wie Ian McShane ("Deadwood") und Penelope Cruz ("Volver") als Blackbeard und dessen Tochter. Die eben genannten Schauspieler schlagen sich alle ganz prächtig, wie man es von ihnen erwarten würde. Johnny Depp ist immer noch sehr amüsant als dauerbetrunkener Piratenkapitän und besonders Penelope Cruz kann ihm als kesse Piratenbraut ohne weiteres das Wasser reichen.
Ganz ohne ein junges Liebespaar kommt der Film dann aber doch nicht aus: einen (zum Glück nicht allzu großen) Teil des Films hat man einem jungen Missionar und der Meerjungfrau, in die er sich verguckt, gewidmet. Die beiden bleiben ziemlich blass und sind wahrscheinlich der größte Schwachpunkt des Films. Andererseits sind sie aber auch nicht übermäßig präsent und zumindest die Newcomerin Astrid Berges-Frisbey spielt die abwechselnd verletzliche und bedrohliche Meerjungfrau Syrena sehr überzeugend und ist zudem äußerst hübsch anzusehen.

Rob Marshall ("Chicago"), der den Regieposten von Gore Verbinski ("Pirates of the Caribbean 1-3") übernommen hat, macht seinen Job sehr gut und inszeniert einige sehr gelungene Actionszenen, die auch nicht etwa durch zu schnellen Schnitt oder den Einsatz von "Wackelkamera" runiniert werden. Zwar sind die gezielt eingesetzten Effekte weniger überbordend und gigantomanisch als in den letzten beiden Teilen der Reihe, aber dafür funktionieren sie wirklich einwandfrei. Ein Highlight sind die erstaunlich wehrhaften Meerjungfrauen und die längere Actionsequenz, in der sie zum ersten Mal auftreten. Insgesamt ist der Stil des Films etwas weniger abgedreht als in den Vorgängern und alles fühlt sich etwas "kleiner" an, aber das ist ja nicht unbedingt nur negativ zu sehen.
Ein paar Worte muss man auch noch über den 3D-Effekt im Film verlieren. Auch wenn die ersten drei Teile einwandfrei in 2D funktioniert haben, musste Teil drei dank des aktuellen 3D-Wahns natürlich in 3D gedreht werden. Allerdings hat man nicht den ganzen Film mit 3D-Kameras gefilmt, sondern nur etwa zwei Drittel. Die restlichen Szenen wurden in 2D gedreht und nachträglich digital umgewandelt. Im Film wechseln sich also dauernd Szenen in denen der 3D-Effekt sehr gut aussieht mit Bildern ab, die völlig platt wirken oder gar mit dem berüchtigten "Pappaufsteller-Effekt" aufwarten. Daraus resultiert ein 3D-Erlebnis, das zwar nicht ganz so ärgerlich ist wie bei komplett nachträglich konvertierten Filmen wie "Kampf der Titanen", aber auch um Längen weniger gelungen als beim gänzlich in 3D gefilmten "Avatar" und ein wenig irritierend. Die teurere Eintrittskarte für die 3D-Fassung kann man sich also getrost sparen – wenn man denn eine 2D-Vorstellung findet.

Fazit:
"Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten" schafft es zwar nicht, ganz so originell und frisch zu wirken wie Teil eins der Pirates-Saga, weiß aber durchaus, bestens zu unterhalten. Die Story ist gut konstruiert und bleibt stets nachvollziehbar, die Action macht Spaß und die Schauspieler sind hervorragend aufgelegt. Fans der Vorgänger können bedenkenlos ins Kino gehen, selbst wenn ihnen die letzten beiden Teile nicht so gut gefallen haben.

Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten
Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides

Bild unseres Mitarbeiters Adrian vom Baur
Mit Teil vier besinnt sich die "Pirates"-Reihe auf ihre alten Tugenden zurück


Autor der Besprechung:
Adrian vom Baur

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2011
Regie:
Rob Marshall
Drehbuch:
Ted Elliott, Terry Rossio (basierend auf dem Roman von Tim Powers)
Darsteller:
Johnny Depp, Penelope Cruz, Geoffrey Rush, Ian McShane, Sam Claflin, Astrid Berges-Frisbey, Kevin McNally, Richard Griffiths

Verleiher:
Buena Vista International