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DVD-Besprechung - Plug & Pray (Special Edition)
Story:
Mit der Erfindung des Computers wurde eine Entwicklung losgetreten, die wie kaum eine zweite das Leben der Menschen beeinflusst. Doch neben der Frage, was technisch machbar ist, wird auf Grund der zunehmenden Vermenschlichung von Maschinen auch die Einbeziehung von ethischen Grundsätzen immer wichtiger. Wie weit die verschiedenen Meinungen und Ansichten dabei auseinander gehen, zeigt diese Dokumentation von Jens Schanze.
Meinung zum Film:
Der Filmtitel „Plug & Pray“ bezieht sich auf einen Begriff, der sich mit dem Erscheinen von Windows 95 Mitte 1995 etablierte. Dieser bezieht sich auf die technische Funktion „Plug & Play“, mit dem die automatische Erkennung und das Einrichten von Gerätetreibern im Betriebssystem beschrieben wurden. Da diese Funktion seinerzeit aber alles andere als ausgereift und die Einrichtung der Geräte oft mit einigen Problemen verbunden war, wurde aus dem sinngemäß übersetztem „Einstecken & Loslegen“ ein spöttisches „Einstecken & Beten“. Doch die Dokumentation „Plug & Pray“ widmet sich nicht den Tücken von „Plug & Play“. Sie wirft einen Blick auf die technischen Möglichkeiten, die bereits heute bestehen, was die Menschheit in Zukunft noch zu erwarten hat und welche ethischen Bedenken dabei im Wege stehen. Regisseur Jens Schanze, der für seine erste Dokumentation „Otzenrather Sprung“ mit dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde greift bei der Aufarbeitung des Themas selbst nicht direkt ein und überlässt seinen Gesprächspartnern das Wort.
In der ersten Szene der Dokumentation ist der 2008 verstorbene Computerpionier Joseph Weizenbaum zu sehen, der mit den Tücken der Technologie zu kämpfen hat. Er war zeitlebens ein Gegner von zu intelligenten Maschinen und Roboter. Er vertrat immer die Meinung, dass Maschinen den Menschen beim Treffen von schwerwiegenden Entscheidungen zwar helfen sollen, diese Entscheidungen aber niemals selbst fällen dürfen. Grund hierfür war für ihn vor allem das Fehlen von Moral und Ethik, die beim Menschen von frühester Kindheit an mitwachsen. Die Dokumentation zeigt wie Weizenbaum sich auf einem Forum klar gegen intelligente Roboter positioniert, die Menschen immer ähnlicher werden. Er weist unermüdlich immer wieder darauf hin, dass es gar keinen Grund dafür gibt, dass menschenähnliche Maschinen gebaut werden. Wenn er über das Warum zu philosophieren beginnt, klingt immer wieder mit durch, dass einer der Gründe für diese Entwicklung der Traum des Menschen ist, gottgleich zu werden und Leben zu erschaffen. Er hebt auch immer wieder mahnend den Finger, dass wenn Computer in einem Bereich erst einmal eingesetzt wurden, es nahezu unmöglich ist, diesen Schritt wieder rückgängig zu machen.
Ihm gegenüber stehen führende Wissenschaftler wie Raymond Kurzweil, der an der Verschmelzung von künstlicher und menschlicher Intelligenz arbeitet. Er vertritt unter anderem den Standpunkt, dass die Software in unseren Körpern, die DNA längst überholt ist und dringend ein Update benötigt. Ethische Bedenken gibt es auch nicht bei Hiroshi Ishiguro, der ein Roboter-Abbild von sich geschaffen hat, um nach eigenen Aussagen seinen Kindern auch dann gegenwärtig sein zu können, wenn er im Büro ist. Es wird schnell klar, dass diese Wissenschaftler nur wenig Sinn für die ethischen Fragen haben. Für sie gibt es nicht die Fragen, ob es richtig ist, diese Entwicklungen voranzutreiben, sondern einzig, ob man in der Lage ist, diese zu schaffen. Wenn es Bedenken bei Schäden durch Roboter gibt, dann gehen diese eher in Richtung der Haftung. Joseph Weizenbaum muss sich an seinem Lebensabend gefühlt haben wie der Zauberlehrling im Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe, der die Geister, die er rief, anschließend nicht mehr bannen konnte. Doch im Gegensatz zum Zauberlehrling gibt es in seinem Fall keinen großen Hexenmeister, der rettend eingreifen kann. Die Besen werden unaufhörlich weiter das Wasser schöpfen und der Menschheit bleibt nur zu wünschen, dass sie irgendwann nicht in den Fluten versinkt.
Digitale Aufarbeitung:
Zusätzlich zur normalen Edition von „Plug & Pray“, die vom farbfilm Verleih über die bekannten Verkaufsstellen vertrieben wird, bietet Produzent und Regisseur Jens Schanze über sein eigenes Label masha film eine Special Edition der Dokumentation an, die neben einigen zusätzlichen Untertitelspuren auch noch zusätzliches Bonusmaterial enthält. Zu bekommen ist diese Special Edition ausschließlich über die Filmhomepage unter http://www.plugandpray-film.de.
Bei Bild und Ton hat sich im Vergleich zur einfachen Edition nichts verändert. Es macht bei den frisch aufgenommenen Bildern einen durchweg guten Eindruck, lediglich bei Archivaufnahmen sind wie oftmals üblich teils deutliche Abstriche zu machen. Der Ton liegt in Dolby Digital 2.0 und Dolby Digital 5.1 vor. Bei nicht deutschsprachigen Rednern werden deutsche Untertitel eingeblendet.
Den Beginn bei den Extras macht ein Interview mit Regisseur Jens Schanze. In knapp 13 Minuten erzählt er u.a. davon, wie er auf das Thema gekommen ist, wie die Treffen mit den verschiedenen Wissenschaftlern zustande kamen, welche Hürden zu nehmen waren und wie der Filmemacher selbst zu den aufkommenden Fragen in der Dokumentation steht. Anschließend folgen knapp 20 Minuten nicht verwendeter Szenen. Darin gibt es zusätzliches Material zu einzelnen Sequenzen aus der Dokumentation und vor allem zusätzliche Momente mit Joseph Weizenbaum. Darin erzählt dieser unter anderem, wie sein erster Schultag als Teenager in Detroit verlief und welche Tricks angewendet werden und wurden um an große Militärprojekte zu kommen. Als Abrundung gibt es noch den Trailer zum Film in Deutsch und Englisch sowie eine Slideshow mit Bildern, die auch im Film zu sehen sind. Im Gegensatz zur einfachen Edition sind die Arbeitsmaterialien für Schulen im DVD-Rom-Teil nicht mehr enthalten.
Fazit:
„Plug & Pray“ ist ein gelungener Blick auf die Errungenschaften der Computer- und Robotertechnologie mit einem Ausblick auf die Möglichkeiten in der Zukunft. Durch die Augen von Computerpionier Joseph Weizenbaum wird die Vermenschlichung der Maschinen aber auf ihre ethischen Aspekte kritisch beleuchtet und er regt dadurch zu so mancher ernster Überlegung an. Da die Dokumentation nicht versucht selbst ein endgültiges Fazit zu ziehen, bleibt dies jedem Zuschauer selbst überlassen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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91:25 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch, Englisch, Französisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch |
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Bonusmaterial:
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- Interview mit dem Regisseur
- Deleted Scenes
- Trailer
- Slideshow
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Plug & Pray
Plug & Pray
Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister werd' ich nun nicht los!
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2010 Regie: Jens Schanze Drehbuch: Jens Schanze Darsteller: Joseph Weizenbaum, Raymond Kurzweil, Minoru Asada, Giogio Metta, Joel Moses, Hans-Joachim Wünsche, Neil Gershenfeld, Hiroshi Ishiguro
Label :
mascha film
Verkaufsstart : 27.05.2011
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