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Blu-ray-Besprechung - Clean, Shaven
Story:
Peter Winter (Peter Greene) steigt morgens in sein Auto und schaltet das Radio an. Als ein kleines Mädchen ihren Ball an seine Scheibe wirft, sagt ihm eine Stimme aus dem Radio „Schnapp sie dir!“. Peter folgt der Anweisung und steigt aus. Kurze Zeit später steigt er wieder in seinen Wagen und fährt los. Ziel ist das Haus seiner Mutter, wo er etwas über den Aufenthaltsort seiner Tochter Nicole (Jennifer MacDonald) erfahren möchte. Noch bevor Peter dort eintrifft, ist die Polizei bereits auf der Suche nach einem Kindermörder, der eine blutige Spur hinterlassen hat.
Meinung zum Film:
Bei „Clean, Shaven“ handelt es sich weniger um eine erzählte Geschichte, als vielmehr um eine dargestellte Gefühlswelt. Die meiste Zeit über wird die Welt aus der Sicht des unter einer starken Psychose leidenden Peter Winters gezeigt. Dafür wird immer wieder bei der Sichtweise von der Ich- in die Beobachterperspektive gewechselt. Dadurch bekommt selbst eine eher harmlose Szene wie das Trinken eines Kaffees einen äußerst beunruhigenden Ansatz. So sieht man zunächst als Beobachter wie Greene einen Kaffee vor sich stehen hat. Im Hintergrund ist ein Bagger bei der Arbeit zu sehen und zu hören. Der Blick wechselt dann in die Ich-Perspektive. Hoch konzentriert fällt der Blick auf den Becher und mit höchster Anspannung entleert Greene mehrere kleine Portionsbeutel Zucker in sein Getränk. Dabei herrscht um ihn herum eine unangenehme Stille. Der vorher akustisch noch dominierende Bagger ist vollkommen ausgeblendet. Alles was zählt sind der Zucker und der Becher mit Kaffee. Und durch diese Art der Inszenierung wird aus dieser alltäglichen Situation ein verstörender Moment. Diese verstörenden Eindrücke verstärken sich mit der Zeit zusehends. Die vermeintlichen, immer häufiger auftretenden Stimmen aus dem Radio und unpassende Geräusche tragen ihren Teil dazu bei.
Es dauert nach der ersten Szene nicht allzu lange, bis man als Zuschauer erkennt, dass Peter immer tiefer in seiner Psychose zu versinken beginnt und kurz vor dem totalen Zusammenbruch steht. Er beginnt damit die Scheiben und Spiegel an seinem Auto mit Zeitungspapier abzudecken, dreht sich ständig mit gehetztem Blick um und der wirre Ausdruck in seinem Gesicht nimmt immer bedrohlichere Züge an. Als Zuschauer weiß man zu Beginn lange Zeit dabei überhaupt nicht, was das Ziel seiner Reise ist. So fährt man gemeinsam mit Greene über die einsamen, endlos erscheinenden Landstraßen und bekommt dadurch das unruhige Gefühl eines ziellosen Umherirrens. Und auch auf dem Weg gibt es wieder die verschiedenen Perspektiven geboten, die von außen betrachtet den Blick auf einen immer angespannteren Menschen zeigen, während sie aus den Augen des Reisenden immer gehetzter wirken. Zwischendurch werden dann auch immer wieder kurze Fetzen von Gewalttaten in einem schnell geschnittenen Feuerwerk aus Bildern gezeigt, die offensichtlich die inneren Eindrücke Greenes zeigen.
Erholung von der Welt aus den Augen Peter Greenes gibt es immer wieder in den Momenten, wo die Welt seiner Tochter und des ermittelnden Beamten gezeigt werden. Dabei wird die aufgebaute, verstörende Atmosphäre immer wieder ein wenig zerstört. So kommt es nicht nur zu Verschnaufpausen, sondern teilweise leider auch zu einem Abfall der inneren Anspannung. Denn auch wenn die Ermittlungen bei der Suche nach dem Kindermörder immer wieder Zeit in Anspruch nehmen, ist „Clean, Shaven“ kein Psychothriller, in dem die Polizei eine spannungsgeladene Suche nach dem Täter durchführt. Diese Szenen sorgen nach dem Ende des Films vielmehr dazu, sich seine eigenen Gedanken über die eigene Sichtweise auf Menschen zu machen. In den Szenen mit der Tochter wird dann immer wieder etwas über die Hintergründe von Greenes Psychose gezeigt, was er in seinem Leben durchmachen musste und welche möglichen Gründe es dafür gibt, dass er zu dem geworden ist, der er heute ist. Ähnlich wie in Darren Aronofskys „Requiem for a dream“ wird der Abgesang auf ein menschliches Leben nachgezeichnet, der den Zuschauer in die Seele dieses Menschen hineinblicken lässt. Ganz an die Klasse und vor allem die Intensität von Aronofykys Kultfilm reicht „Clean, Shaven“ zwar nicht heran, aber trotzdem schafft er es, einen sehr eindringlichen Blick auf die Leiden eines Menschen zu zeigen, der an einer Psychose leidet. Das Ende rundet den guten Eindruck des Films noch zusätzlich ab und bietet noch einmal einen weiteren Aspekt zum Nachdenken an.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild kann gemessen an aktuellen Produktionen in Sachen HD-Feeling naturgemäß nicht mithalten. Doch für einen kleinen, aus den frühen 90er-Jahren stammenden Film hinterlässt es einen durchaus guten Eindruck. Die Schärfe ist die meiste Zeit über zufriedenstellend und auch der Detailgrad bewegt sich in einem ähnlichen Rahmen. Die Farben wirken insgesamt eine wenig blass, strahlender Glanz wäre bei dem Thema aber auch nicht angebracht gewesen. Analoge Defekte oder Verschmutzungen gibt es nicht zu sehen. Der Ton liegt mangels einer deutschen Synchronisation lediglich in englischer Sprache in PCM 2.0 vor und ist gut zu verstehen. Optionale deutsche Untertitel sind vorhanden.
Als Extra gibt es auf der Blu-ray einen Audiokommentar mit Regisseur Lodge Kerrigan und seinem Kollegen Steven Soderbergh („Traffic – Macht des Kartells“) zu hören. Diesen äußerst informativen Track sollte man sich als Filmliebhaber nicht entgehen lassen. Optionale deutsche Untertitel hierfür sind vorhanden- Wie von Bildstörung gewohnt liegt der Box auch wieder ein Booklet bei. Auf den 12 Seiten im Hochglanzformat gibt es weitere interessante Aspekte zum Film nachzulesen. Anbieter Bildstörung hätte gerne noch weitere Extras auf die Disc gepackt, allerdings hat Regisseur Lodge Kerrigan diese nicht genehmigt.
Ungewöhnlich ist das Format der Blu-ray-Box. Diese ist nicht in der üblichen Höhe anderer Blu-ray-Veröffentlichungen, sondern im üblichen DVD-Format. Auf dem Schuber wird als Format DVD angegeben. Lediglich auf dem Papierumschlag, auf dem auch das FSK-Logo zu sehen ist, ist das Blu-ray-Logo zu finden.
Fazit:
„Clean, Shaven“ ist ein sehr interessanter, teils verstörender Blick in die Seele eines Menschen, der unter einer ausgeprägten Psychose leidet. In sehr eindringlichen Bildern geschildert zieht der Film ab der ersten Szene die Schraube des Wahnsinns immer weiter an und entlässt sein Publikum nach dem Ende mit einem Gefühl der Schuld. Wer diese Form ernster Unterhaltung mag, sollte sich den Film nicht entgehen lassen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,66:1
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78:55 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Englisch Linear PCM 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar mit Regisseur Lodge Kerrigan und Regisseur Steven Soderbergh
- Trailer
- 12-seitiges Booklet
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Clean, Shaven
Clean, Shaven
Eine verstörende Reise durch die Psyche eines geistig kranken Mannes
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1993 Regie: Lodge Kerrigan Drehbuch: Lodge Kerrigan Darsteller: Peter Greene, Megan Owen, Jennifer MacDonald, Molly Castelloe, Robert Albert
Label :
Bildstoerung
Verkaufsstart : 27.05.2011
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