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DVD-Besprechung - Seventy-8
Story:
Renny Meeks (Merk Harbour) ist ein geistig zurückgebliebener, junger Mann mit einem Intelligenzquotienten von lediglich 78 Punkten, was ihm auch den Spitznamen, „78“, einbringt und ihn zum Ziel des Spotts seiner Mitmenschen macht. Als jedoch durch seine Schuld ein kleines Mädchen ums Leben kommt, verschwindet Renny für zehn Jahre in einer Nervenheilanstalt. Nach seiner vermeintlichen Heilung kehrt er in die Kleinstadt Arkham Heights zurück, bekommt jedoch große Probleme sich wieder ins Zivilleben zu integrieren. Als auch noch eine Serie von Morden beginnt, gerät er selbst unter Mordverdacht. Allerdings enthalten die Spuren an den Tatorten Hinweise auf Snuff-Filme, was besonders den Hardcore-Filmer Edward (Dameon Clarke) verdächtig macht.
Meinung zum Film:
„Seventy-8“ wurde bereits gegen Ende des Jahres 2004 fertiggestellt und ist vor allem das Baby von Erik Clapp, der gleich als Regisseur, Drehbuchautor, Editor und Co-Produzent fungierte. Nun, beinahe sieben Jahre nach der Fertigstellung des Films erscheint der Film auch als deutsche DVD-Veröffentlichung, während Erik Clapp allerdings seit seinem Erstling wieder in der Versenkung verschwunden ist. Selbst in den USA erschien der Film erst im November 2009 auf DVD und tingelte bis dahin lediglich über einige kleinere Festivals. Auch gerademal siebzehn Bewertungen und keine einzige Besprechung in der imdb sprechen nicht gerade für einen Geheimtip oder Kassenschlager. Die Darsteller waren zur Entstehungszeit des Films weitgehend unbekannt und daran hat sich bis heute nichts geändert, der große Karrieresprung blieb also aus. Trotzdem bemüht der deutsche Vertrieb hochtrabende Vergleiche und betont dabei vor allem zwei Schwerpunkte, nämlich erstens Analogien zu den Thrillern von Alfred Hitchcock und zweitens, auf der thematischen Schiene, eine gewisse Nähe zu „8MM“ von Joel Schumacher („Falling Down – Ein ganz normaler Tag“), bzw. der Legende des Snuff-Films an sich.
„Seventy-8“ ist eigentlich überhaupt kein Thriller und jeder Vergleich mit Alfred Hitchcock ist, sowohl stilistisch, als auch inhaltlich, völlig aus der Luft gegriffen. Vielmehr wandelt der Film auf den Spuren eines Sozialdramas verhebt sich hier jedoch an allen Fronten. Zunächst erlebt der Zuschauer zwar einige Situationen, in denen Renny Meeks aufgrund seiner geistigen Einschränkungen gemobbt wird, eine wirklich subjektive Einsicht in seine Lebenswelt bekommt der Zuschauer allerdings nie. Nach außen ist Renny einfach ein ruhiger, schüchterner Vertreter seiner Zunft, der offensichtlich das gesprochene Wort nicht gerade als scharfe Waffe auf der Zunge trägt. Aber auch das Thema soziale Reintegration von Straftätern wird bestenfalls gestreift, was sicherlich auch den äußerst eindimensional aufbereiteten Nebencharakteren geschuldet ist. Unter dem Strich bleibt aber vor allem die Frage offen, was der Film eigentlich genau aussagen möchte, denn die Idee, Renny könnte ein Serienkiller sein, wirkt von Anfang an absurd. Zudem wirkt die Snuff-Thematik völlig aufgesetzt und scheint eher ein Rechtfertigungsgrund für visuelle Stilmittel zu sein. Überhaupt scheint sich in dieser winzigen Kleinstadt, die sich vor allem durch äußerst dröge Locations auszeichnet, niemand für diese Snuff-Filme zu interessieren, im Gegenteil wird hier sogar angedeutet, der Sprung vom Hardcore-Porno zum Snuff-Film wäre ja nicht mehr besonders groß.
Viele Hauptcharaktere des Films erfüllen eigentlich lange Zeit gar keine besondere Funktion. Wer das Ende kennt, wird den Eindruck nicht los, dass hier wie bei Episodenfilmen im Nachhinein künstlich Verbindungen zwischen den Figuren hergestellt werden sollten, was bei „Seventy-8“ jedoch nur mehr inhaltliche Tiefe vortäuscht, als wirklich vorhanden ist. In erster Linie plätschert der Film nämlich orientierungslos vor sich hin, der Spannungsaufbau wird völlig vernachlässigt, und selbst vermeintliche inhaltliche Höhepunkte, wie ein tödlicher Zweikampf, oder der Fund eines potentiellen Snuff-Filmlabors, werden belanglos und emotionslos nebenher abgehandelt. Ein Anspruch des filmischen Objekts ist dabei ebensowenig erkennbar wie eine echte Intention des Filmemachers Erik Clapp. Vieles deutet auf einen sperrigen, schwer zugänglich konzipierten und teil-experimentellen Independent-Film hin, dessen ursprüngliches Drehbuch offensichtlich nicht mit dem Rest des Projekts weitergewachsen ist. Kein Ruhmesblatt ist zudem die deutsche Tonspur, die zwar abgesehen von kleineren Nebenrollen keine schlechten Synchronsprecher aufbietet, insgesamt aber anders als die englischsprachige Originaltonspur, viel zu sehr nach steriler Studiokulisse klingt.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der DVD befindet sich nur im durchschnittlichen Bereich, was sicherlich auch mit dem geringen Budget und dem verwendeten, technischen Equipment, gedreht wurde in HDV 24p, zusammenhängen dürfte. Die Sequenzen, in denen Renny selbst von Unbekannten aus Verstecken heraus gefilmt wird, greifen hingegen bewusst auf tatsächliches Super 8-Material zurück. Dementsprechend fällt deren Qualität deutlich ab, dient allerdings auch dazu, einen etwas dreckigeren Look des Films zu produzieren. Der Schwarz-Weiß-Film orientiert sich aber insgesamt eher an einem groben, verrauschten Independent-Look, denn an stylischen Film Noir-Welten. Bei Rückblenden greift der Film hingegen atypisch auf Farbmaterial zurück, bei dem die Farbgebung allerdings deutlich zu grell hervortritt, was den eh schon vorhandenen Kontrast der Bildquellen überbetont. Beide Tonspuren bieten eine gute Verständlichkeit und sind ausgewogen abgemischt, besondere Effekte sollten bei diesem frontlastigen Vertreter allerdings nicht erwartet werden. Die immer wieder als akustisches Stilmittel eingespielten Projektorgeräusche bei den Super 8-Sequenzen beginnen allerdings mit der Zeit doch eher zu nerven.
Auf der DVD befindet sich keinerlei Bonusmaterial. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Seventy-8“ bietet weder den notwendigen Tiefgang für ein Sozialdrama noch den für einen Thriller unverzichtbaren Spannungsaufbau, sondern plätschert die meiste Zeit eher belanglos vor sich hin und bedient sich dabei einiger visueller Spielereien, die jedoch selten die intendierte Wirkung entfalten. Handwerklich kann der Film sein geringes Budget kaum verbergen, bewegt sich aber schon deutlich über dem Niveau eines Amateurfilms, das Drehbuch lässt aber leider klare Strukturen und sinnige Intentionen weitgehend vermissen. Technisch geht die DVD angesichts der Produktionsbedingungen in Ordnung und bewegt sich auf durchschnittlichem Niveau, Bonusmaterial gibt es jedoch nicht.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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98:30 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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Seventy-8
Seventy-8
Konzeptions- und intentionsloses Low-Budget-Werk
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2004 Regie: Erik Clapp Drehbuch: Erik Clapp Darsteller: Merk Harbour, Susana Gibb, Phil Harrington, Richard Folmer, Gail Cronauer, Dameon Clarke, Grant James, Cordell Adams
Label :
Infopictures
Verkaufsstart : 20.05.2011
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