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Blu-ray-Besprechung - Unser täglich Brot

Story:
Die Welt der modernen Nahrungsmittelproduktion ist die Domäne automatisierter Maschinen und assistierender, menschlicher Helfer im Rahmen häufig unmenschlich anmutender Handlangertätigkeiten. Das Schlagwort lautet Massenproduktion. Deshalb verkommen Tiere und Pflanzen zur reinen Ware und wo Effizienz, Rationalität und Profitmaximierung zur höchsten Maxime erhoben werden, bleibt für artgerechte Haltung oder Fragen der Ethik schlichtweg kein Platz. Es muss viel, schnell und billig produziert werden, unter hohem Einsatz von Energie und Wasser, und vieles davon landet letztendlich doch lediglich in den Mülltonnen der wohlhabenderen, industrialisierten Regionen des Planeten Erde. 


Meinung zum Film:
Im April des Jahres 2007 veröffentlichte Alamode Film die preisgekrönte österreichische Dokumentation „Unser täglich Brot“, aus dem Jahr 2005, auf DVD. Etwa vier Jahre später folgt nun die Neuauflage als Blu-ray. Das Werk aus der Feder des österreichischen Dokumentarfilmers Nikolaus Geyrhalter („Das Jahr nach Dayton“) wurde mit zahlreichen Preisen prämiert, darunter der Spezialpreis der Jury des Dokumentarfilm Festival Amsterdam 2005 und der Adolf Grimme Preis 2008 im Wettbewerb „Information & Kultur“. Der Film begleitet die Herstellung von Nahrungsmitteln, anhand ausgewählter Arbeitsschritte im Produktionszyklus, und verzichtet dabei als Besonderheit auf jeglichen Kommentar. Die sorgfältig montierten und dramaturgisch zugespitzten Bilder sprechen für sich selbst und lassen dem Zuschauer somit auch direkten Raum für Diskussionen oder einfach ungläubiges Staunen.

„Unser täglich Brot“ ist keine Dokumentation, die große Glücksgefühle beim Zuschauer hervorrufen wird. Vielmehr bietet sie reichlich Material, das zum Nachdenken anregen sollte, und dürfte dabei emotionale Bandbreiten von Ekel bis hin zu ungläubigem Staunen abdecken. Der Dokumentarfilm beleuchtet die Entstehung/Verarbeitung typischer Lebensmittel wie Schwein, Rind, Lachs, Paprika, Tomaten, Eier, Oliven oder Sonnenblumenöl. Die fehlende Kommentarspur steigert dabei noch die Aufmerksamkeit des Zuschauers, aber auch dessen emotionale Anbindung. Es fehlt die erklärende, rechtfertigende oder auch einfach beruhigende Wirkung sachlich fundierter Fakten. Viele Bilder wirken geradezu aus einem schlechten Science-Fiction-Film entnommen und entfalten, nicht zuletzt aufgrund des ständig präsenten, begleitenden Lärms der Maschinenparks, eine geradezu surreale Wirkung.

Bei der Verarbeitung von Tieren zu Nahrungsmitteln setzt die Dokumentation aber keineswegs nur auf die Darstellung expliziter Grausamkeiten, vielmehr wird hier auch der emotionale Druck, der auf dem „Schlachtvieh“ lastet, eindrucksvoll bebildert. Das im Hintergrund lauernde, eiskalte Kalkül totaler Gewinnmaximierung wird weiterhin, z.B. in Form eines Tennisball-maschinenähnlichen Automaten, der Küken regelrecht in Sammelkörbe „hineinfeuert“, beinahe schon zur Karikatur krankhafter, menschlicher Verhaltensmuster erhoben. Befremden dürften aber auch die Arbeitstätigkeiten bzw. -bedingungen der unterbezahlten, menschlichen Helfer auslösen, wenn diese beispielsweise am Fließband, in monotoner Endlos-Manier, Tierhufe per Zange amputieren dürfen. Bei der Betrachtung des „unmenschlichen“ Umgangs innerhalb der gigantischen Tötungsmaschinerien, der hier insgesamt bezüglich der involvierten Lebewesen betrieben wird, sind in ethisch-moralischer Hinsicht wohl auch Assoziationen mit den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte nicht immer vermeidbar.

Digitale Aufarbeitung:
Die Blu-ray liegt im 1080p/24-Format vor und bietet für den Dokumentarfilmbereich eine sehr überzeugende Bildqualität sowie eine deutlich Aufwertung gegenüber der alten DVD-Veröffentlichung. Gerade Aufnahmen in die Tiefe des Raumes hinterlassen einen gestochen scharfen Eindruck und würden auch sehr hochwertige Desktophintergründe abgeben. Die BD überzeugt aber nicht nur bei der Bildschärfe, sondern offeriert zudem sehr satte, natürliche Farben und einen ausgewogenen, kräftigen Kontrast, der selbst bei Aufnahmen in einem unterirdischen Bergwerk nicht ins Wanken gerät. Das leichte Bildrauschen fällt bei Tageslicht kaum ins Gewicht, tritt bei sehr dunklen Sequenzen aber schon etwas hervor. Die BD verfügt über eine DTS-HD-Master Audio 5.1-Tonspur, die aufgrund der fehlenden Kommentierung und Musikuntermalung im Grunde nur aus der akustischen Kulisse der Produktionshallen und (Ernte-)Maschinen besteht. Begleitet wird diese lediglich von vereinzelten, meistens unverständlichen Gesprächsfetzen der Arbeiter in deren jeweiligen Landessprachen. Insofern fällt eine Bewertung der Tonqualität hier nicht ganz einfach. Der vermittelte, unpersönliche Lärmpegel, bzw. die Bandbreite der Umgebungsgeräusche, wirkt jedoch authentisch und besitzt auch eine effektive, räumliche Dimension. So wandern z.B. gequälte Laute der „tierischen Nahrungsmittelausgangsprodukte“ quer über die Lautsprecher durch die Fertigungshallen.

Auf der BD befinden sich lediglich der Trailer und vier Teaser zum Film. Leider wurde das 16-seitige Booklet der alten DVD-Auflage, mit Hintergrundinformationen und Interviews, wegrationalisiert. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Unser täglich Brot“ ist eine schonungslose Reise in das Herz einer völlig entfremdeten, profitorientierten Nahrungsmittelmassenproduktion, die in vielerlei Hinsicht surreal bis erschütternd auf den Zuschauer einwirken wird und einen völligen Kontrast zur vermittelten, heilen Welt perfider Werbebotschaften in den Massenmedien entwirft. Die Dokumentation überzeugt dabei hinsichtlich ihrer Durchschlagskraft und Brisanz gerade mit ihrer effektiven, zugespitzten Montage und der fehlenden Orientierungshilfe in Form einer begleitenden, sachlichen Kommentierung. Technisch hinterlässt die Blu-ray-Version der Dokumentation einen sehr überzeugenden Eindruck, das Bonusmaterial wurde allerdings gegenüber der DVD-Veröffentlichung sogar etwas zurückgefahren.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
95:50 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Instrumental
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Vier Teaser
Unser täglich Brot - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Unser täglich Brot
Unser täglich Brot

Dieser Film wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet


Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Eine surreal bis befremdlich anmutende Reise in das Herz der gewerbsmäßigen, automatisierten Massenproduktion von Lebensmitteln


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Österreich, 2005
Regie:
Nikolaus Geyrhalter
Drehbuch:
Nikolaus Geyrhalter, Wolfgang Widerhofer
Darsteller:
Claus Hansen Petz, Arkadiusz Rydellek, Barbara Hinz, Renata Wypchlo, Alina Wiktorska, Ela Kozlowska, Anna Bethke, Malgorzata Nowak

Label Deutschland :
Alamode Film
Verkaufsstart Deutschland :
20.05.2011