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DVD-Besprechung - Good Food - Bad Food

Story:
Die moderne Landwirtschaft setzt spätestens seit der mit der „Grünen Revolution“ eingeläuteten Massenproduktion auf Kunstdünger, Pestizide, massive Bewässerung und schweres, landwirtschaftliches Gerät. Nach Meinung der Kritiker führt diese Methodik aber zu negativen Folgen wie Bodenerosion, Verschmutzung von Gewässern und des Grundwassers, einer Reduktion der Arten- bzw. Nutzpflanzenvielfalt, einer massiven Beeinträchtigung bzw. Bedrohung der Insekten- und Tierwelt sowie letztendlich minderwertigen bzw. ungesunden Endprodukten, also den Nahrungsmitteln. Weiterhin geraten Bauern weltweit, vor allem aber in der Dritten Welt, zunehmend in die Abhängigkeit großer Agrarmultis von deren Saatgut bzw. Pestiziden. Gentechnisch veränderte Produkte zementieren diese Situation häufig noch weiter.

Meinung zum Film:
„Good Food Bad Food – Anleitung für eine bessere Landwirtschaft“ ist die erste Langfilmdokumentation der Französin Coline Serreau („Drei Männer und ein Baby“), die hier nicht nur Regie führte und den Dokumentarfilm konzipierte, sondern auch noch die Kameraführung übernahm. Im Grunde reiste sie im Alleingang kreuz und quer über den Erdball, um vor Ort Fachleute für eine ökologische Landwirtschaft zu interviewen und deren konkrete Projekte vorzustellen. Die Perspektive ist dabei bewusst sehr einseitig gewählt. Somit kommen innerhalb der Dokumentation weder Konzernvertreter von Agrarmultis, als potentiell parteiisch abgestempelte, politische Würdenträger, oder gar Bauern, die vor allem mit Pestiziden und schwerem Gerät ihren Lebensunterhalt bestreiten zu Wort. „Good Food Bad Food“ besteht zum größten Teil aus Interviewsequenzen, bietet aber auch Vor-Ort-Eindrücke von landwirtschaftlichen Nutzflächen in Frankreich, Indien, Brasilien, Russland oder Burkina Faso.  

„Good Food Bad Food“ sollte als Dokumentation grundsätzlich mit Vorsicht genossen werden. Im Interview gibt die Regisseurin freimütig zu, dass sie sich dem Thema hier sehr subjektiv genähert hat und auch keine Gegenmeinungen oder Rechtfertigungen der vermeintlichen Agrarlobby mit ihrem Film verbreiten wollte. Unabhängig von der Aussagekraft der angeführten Vertreter für eine ökologische bzw. „bessere“ Landwirtschaft und des Wahrheitsgehalts ihrer Aussagen, sollte der Zuschauer sich dementsprechend auf eine sehr einseitige Betrachtung der Landwirtschaft einstellen. Zunächst hat die Dokumentation jedoch eher mit strukturellen und technischen Problemen zu kämpfen. Ohne wirkliche Einführung präsentiert der Film sich zunächst als Aneinanderreihung von Interviews mit potentiellen Fachleuten für Agrarfragen, vornehmlich aus Frankreich, Indien, Brasilien, oder Russland, die zunächst keinen wirklichen roten Faden beinhaltet, weiterhin recht amateurhaft zusammenmontiert wurden, was sich z.B. durch ständige Bildsprünge bemerkbar macht, und auch noch mit einer nervig-wackeligen Handkamera aufgenommen wurden. Dieser ideologisch überladene erste Teil des Films, der vor allem die traditionell, ökologisch verträgliche Landwirtschaft preist und die moderne, industrielle, umweltschädigende Landwirtschaft verteufelt, wird dabei überhaupt nicht konkret und wirkt extrem fragmentarisch. Wirkliche Fakten sucht der Zuschauer hier vergeblich und es handelt sich vor allem um ein substanzloses Plädoyer im Sinne der Regisseurin.

Glücklicherweise fängt sich die Dokumentation allerdings nach etwas mehr als 40 Minuten und wendet sich endlich konkret der Frage zu, wie man die Landwirtschaft auch in der heutigen Zeit ökologisch verträglich gestalten könnte, um damit produktiv hochwertige Lebensmittel, zum Wohle von Mensch, Tier und Umwelt, zu erzeugen. Dieser Teil wird dabei hinsichtlich verträglicherer Anbaumethoden, natürlicher Düngererzeugung oder der Rekultivierung verbrauchter Böden erstaunlich praxisnah gestaltet und wirkt somit auch durchaus nachvollziehbar. Die Projekte vor Ort untermauern die Argumentation der Interviewpartner und es werden auch durchaus einige fundierte Kritikpunkte bezüglich der industriellen Landwirtschaft angeführt, die über eine simple Kritik an massivem Pestizideinsatz oder gentechnisch verändertem Saatgut hinausgehen. Denn mit Hilfe von schlüssigen Argumentationsketten werden hier eindringlich wichtige, ökologische Zusammenhänge verdeutlicht, die bei der Landwirtschaft industrieller Prägung offensichtlich häufig auf der Strecke bleiben. Leider gestaltet sich aber auch dieser Teil thematisch teilweise etwas sprunghaft. Zudem beraubt er sich mit einigen Einzelmeinungen, vor allem von Vandana Shiva, die offensichtlich an jeder Ecke eine patriarchalische Verschwörung in der Landwirtschaft wittert, oder dem zumindest teil-esoterischen Bezug auf die biologisch-dynamische Landwirtschaft von Rudolf Steiner, aber auch protektionistischen Tendenzen, wieder ein wenig seiner Glaubwürdigkeit.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist aufgrund des verwendeten Equipments dieses „Ein-Frau-Projekts“ nur von durchschnittlicher Qualität. Die Bildschärfe ist lediglich befriedigend ausgefallen, das Bild wirkt gelegentlich zu weich und es mangelt der Präsentation an Details. Hinzu treten deutliche Überstrahlungen und diese Aufhellung des Bildes vermittelt bei der Farbgebung stets einen leicht ausgewaschenen Eindruck. Bildrauschen ist deutlich vorhanden, unangenehmer macht sich allerdings die Kompression bemerkbar die immer wieder für Unruhen sorgt und deutliches Kantenflimmern produziert. Die deutsche Tonspur übersetzt die O-Töne der Interviewten im Voice-over-Verfahren. Die Tonspur selbst ist, genau wie die französische Originaltonspur, erwartungsgemäß sehr unspektakulär ausgefallen, bietet aber stets eine gute Verständlichkeit. Alternativ ist es auch möglich die französische Sprachfassung mit den optionalen, deutschen Untertiteln zu nutzen.

Das Interview mit der Regisseurin Coline Serreau (14:08) hilft zwar hinsichtlich der Einschätzung ihrer Intentionen und der Zielsetzung bzw. Machart der Dokumentation gebärdet sich aber ansonsten weitgehend substanzlos. Die Deleted Scenes (40:48) beinhalten unterteilte Interviewsequenzen mit fünf weiteren Fachleuten bzw. Akademikern, die jedoch inhaltlich extrem breit gestreut, und schwerpunktmäßig auch eher philosophisch oder politisch angelegt sind, natürlich mit starker ideologischer Einfärbung. Der direkte Zusammenhang mit dem Dokumentarfilm erschließt sich dabei aber häufig gar nicht mehr. Weiterhin befinden sich auf der DVD noch der deutsche Originaltrailer und sieben Kino-Teaser. Der mitgelieferte Schuber besitzt keine FSK-Kennzeichung, während die enthaltene Amaray-Hülle selbst jedoch entsprechend gekennzeichnet ist und kein Wendecover besitzt.

Fazit:
„Good Food Bad Food – Anleitung für eine bessere Landwirtschaft“ ist ein sehr einseitiges Statement zugunsten der ökologischen Landwirtschaft, während die moderne, industriell-agrarische Methodik pauschal verteufelt wird. Die erste Hälfte der Dokumentation hat weiterhin mit strukturellen und technischen Problemen zu kämpfen, die lohnende zweite Hälfte mit konkreten Beispielen und nachvollziehbar dargestellten, ökologischen Zusammenhängen entschädigt jedoch in vieler Hinsicht für diese Schwächen. Technisch darf schon aufgrund der technischen Umstände der Produktion nicht mehr als durchschnittliches Dokumentarfilmniveau erwartet werden, das Bonusmaterial ist hingegen ziemlich umfangreich ausgefallen, leider ist dessen Nutzwert allerdings beschränkt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
1,78:1
1,78:1
112:50 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Französisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Interview mit Regisseurin Coline Serreau 
  • Deleted Scenes
  • Deutscher Originaltrailer
  • Sieben Kino-Teaser
Good Food - Bad Food - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Good Food Bad Food - Anleitung für eine bessere Landwirtschaft
Solutions locales pour un désordre global

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Aufgrund mangelnder Objektivität als Dokumentation des Agrarsektors mit Vorsicht zu genießen, als geistige Anregung mit konkreten, praktischen Bezügen aber durchaus interessant


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2010
Regie:
Coline Serreau
Drehbuch:
Coline Serreau
Darsteller:
Dominique Guillet, Vandana Shiva, Ana Primavesi, Philippe Desbrosses, Pierre Rabhi, João Pedro Stedile, Serge Latouche, Claude und Lydia Bourguignon

Label Deutschland :
Alamode Film
Verkaufsstart Deutschland :
20.05.2011