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Blu-ray-Besprechung - Summer Scars

Story:
Die sechs Jugendlichen Bingo (Ciaran Joyce), Leanne (Amy Harvey), Paul (Jonathan Jones), Jonesy (Darren Evans), Mugsy (Ryan Conway) und Ben (Christopher Conway) aus Wales beschließen gemeinsam die Schule zu schwänzen und lieber in den nahe gelegenen Wäldern abzuhängen. Nach einem Unfall mit ihrem geklauten Moped geraten sie jedoch an den etwas kauzigen, aber zunächst sympathischen Einsiedler Peter (Kevin Howarth). Schon bald wird jedoch klar, dass Ben zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen neigt und eigentlich einen ganz guten Psychopathen abgeben würde. Problematischerweise können die Kids jedoch nicht einfach weglaufen, da Pauls Bruder Mugsy gehbehindert ist, und ihn die verschworene Clique nicht allein zurücklassen will.

Meinung zum Film:
„Summer Scars“ ist eine britische Low-Budget-Produktion aus dem Jahr 2007, die schon im Oktober 2009 in Deutschland als DVD veröffentlicht wurde, und ein Jahr zuvor bereits im Rahmen des Fantasy Filmfest als Deutschlandpremiere zu sehen war. Regisseur Julian Richards („Darklands“) setzte dabei auf authentische, eher filmunerfahrene Jugendliche, den Star seiner Produktion „The Last Horror Movie“ Kevin Howarth („Don't Look Back!“) als sinistren Gegenspieler und eine knackig-kurze Laufzeit von deutlich unter 70 Minuten.

Die Basis des Films ist dabei recht gut durchdacht. Sechs Jugendliche, die eine verschworene Einheit bilden, geraten an einen charismatischen Erwachsenen, der die Hierarchie der Gruppe durcheinander wirbelt und als eine Art „Verführer“ agiert. Doch aus einem harmlosen Spaß wird relativ schnell blutiger Ernst, da eben jener Erwachsene alles andere als einen Wohltäter oder kindgerechten Spielgefährten darstellt. Die Gruppe von Jugendlichen ist ihm jedoch mehr oder weniger ausgeliefert, da eines ihrer Mitglieder aufgrund einer Gehbehinderung für eine Flucht nicht in Frage kommt. Aus dieser Grundkonstellation entwickelt sich zwar ein solides Maß an Spannung, für wirklichen Nervenkitzel, unvorhersehbare Wendungen der Story, oder wirklich innovative Einfälle reicht es jedoch leider nicht. Das liegt u.a. daran, dass sich der Film eher wie ein Coming-of-Age-Drama anfühlt und weniger wie ein Horrorfilm. Auch das auf Dauer doch recht eintönige Setting im Wald, taugt nicht gerade zu visuellen Höhenflügen. Ein echter Stimmungskiller ist weiterhin die völlig in den Sand gesetzte, deutsche Synchronisation, die beispielsweise für die Jugendlichen deutlich zu alte Synchronsprecher auffährt, aber auch sonst absolut künstlich und unpassend wirkt.

Auf Dauer fehlt der Produktion leider ein konstant hoher Spannungsbogen, gerade im letzten Drittel wirkt das Storygerüst ausgereizt. Hier hapert es dann vor allem an einer besseren Berücksichtigung des Hintergrunds von Peter als erklärendem Muster für seine Motivation sowie Handlungsmuster. Zudem versteigt sich das Drehbuch in diesem Teil mit der Hinzunahme einer sexuellen Dimension, die nicht wirklich schlüssig in den sonstigen Filmablauf integriert wurde. Die jugendlichen Darsteller agieren insgesamt recht glaubwürdig, spielen aber auch manchmal etwas zu sehr zurückgenommen. Dagegen erzeugt Kevin Howarth, mit seinem Spiel auf der Klaviatur der Emotionen, effektiv ein Wechselbad der Gefühle, irgendwo zwischen Faszination und Abneigung.

Digitale Aufarbeitung:
„Summer Scars“ war bereits aufgrund seiner geringen Produktionskosten und des korrelierenden, eher preisgünstigen, technischen Equipments nicht gerade der Idealkandidat für eine Blu-ray-Veröffentlichung. Dementsprechend verwundert es auch nicht, dass sich der vorliegende BD-Transfer lediglich im 1080i-Halbbildformat präsentiert. Trotz technischer Überlegenheit gegenüber der alten DVD-Veröffentlichung bewegt sich die Bildqualität nicht auf dem Niveau, das von einer Blu-ray-Veröffentlichung im Jahr 2011 erwartet werden darf. Zwar wurde an der Auflösungsschraube gedreht und natürlich existieren auch kompressionsbedingte Vorteile, plastisch wirkt das Bild aber zu keiner Zeit. Das ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass aufgrund der schwierigen Drehbedingungen in den Wäldern, inklusive stetig wechselnder Lichtverhältnisse, auch die Kontrastwerte gewissen Schwankungen unterliegen, was sich in einigen Überstrahlungen, aber auch wenigen, zu sehr abgedunkelten Sequenzen äußert. Das Bild wirkt zwar gegenüber der DVD feiner aufgelöst, für eine BD aber auch zu glattgebügelt, da nur selten tiefergehende Details geliefert werden, was die Vorlage stellenweise auch etwas zu weich wirken läßt. Erschwerend treten noch die deutlichen Bewegungsunschärfen hinzu, die bereits von der DVD-Version bekannt waren. Bildrauschen ist hingegen quasi gar nicht zu sehen. Die Farbgebung wirkt weitgehend natürlich, die Verantwortlichen wählten aber bewusst einen kühleren Look, weshalb das Bild einen eher entsättigten Eindruck hinterlässt. Gegenüber der DVD ist eine neue, deutsche DTS-HD-Master Audio 5.1-Tonspur hinzugekommen, „Summer Scars“ ist allerdings kein Film, der von dieser Tatsache wirklich großartig profitieren könnte. Der Film besteht vor allem aus diversen, frontlastigen Dialogen und zeichnet sich ansonsten eher durch akustische Effektarmut aus. Direktionale Umgebungsgeräusche sind die Ausnahme, lediglich die Musikuntermalung verteilt sich recht effektiv über die Lautsprecher. Ansonsten liefern die Tonspuren durchgehend eine gute Verständlichkeit und eine ausgewogene Abmischung.  

Für eine kleine Nischenproduktion bietet “Summer Scars” durchaus interessantes Bonusmaterial, wenn auch leider durchgängig ohne Untertitel. Das recht ausführliche Making Of (29:54) und der Audiokommentar mit Regisseur Julian Richards sowie der Produzentin Sabina Sattar überschneiden sich allerdings auch inhaltlich. Beide liefern jedoch umfangreiche Hintergründe zur Produktionsgeschichte und zur Konzeption des Films. Im Making Of kommen zusätzlich auch noch die Darsteller selbst zu Wort. Den Abschluss des Bonusmaterials bildet der englische Trailer zum Film. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Summer Scars“ ist eine solide, britische Low-Budget-Produktion irgendwo zwischen Coming-of-Age-Drama und Psychothriller, die mit ihren geringen Mitteln durchaus ordentliche Unterhaltung realisiert, aber in keiner Hinsicht wirklich herausragen kann. Das Storygerüst wirkt dabei durchaus schlüssig und auch die Darsteller bestreiten effektiv ihrer Rollen, gerade im letzten Drittel geht dem Film aber doch inhaltlich etwas die Puste aus. Technisch ist die BD-Fassung der DVD-Veröffentlichung zwar überlegen, wirkliches HD-Feeling kommt jedoch zu keiner Zeit auf, zudem ist die deutsche Synchronisation vollkommen misslungen, auch wenn das Bonusmaterial durchaus interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Films gewährt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
68:11 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Audiokommentar mit Regisseur Julian Richards und Produzentin Sabina Sattar
  • Englischer Trailer
Summer Scars - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Summer Scars
Summer Scars

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Solide, britische Low-Budget-Produktion, in der eine Gruppe von Jugendlichem einem zunächst sympathisch wirkenden Psychopathen weitgehend hilflos ausgeliefert ist


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2007
Regie:
Julian Richards
Drehbuch:
Julian Richards, Al Wilson
Darsteller:
Kevin Howarth, Ciaran Joyce, Amy Harvey, Jonathan Jones, Darren Evans, Ryan Conway, Christopher Conway

Label Deutschland :
MiG Film
Verkaufsstart Deutschland :
12.05.2011