 |
DVD-Besprechung - Die Rache des Wikingers 4
Story:
Der norwegische König Olav (Egill Ólafsson) ist besessen davon, die Wikinger zum Glauben an Jesus Christus zu bekehren. Doch natürlich geben die nordischen Krieger ihre alten Götter rund um Odin nicht so leicht auf. Kurzerhand entführt Olav Embla (Maria Bonnevie), die Frau des Häuptlingssohns Askur (Gottskálk D. Sigurdarson). Er wird sie nur dann freilassen, wenn es Askur gelingt, das Volk von Island zum Christentum zu konvertieren. Eine schier aussichtslose Mission, doch im Namen der Liebe macht sich Askur trotzdem auf den Weg ins Ungewisse.
Meinung zum Film:
Rund alle sechs Monate wieder kommt von MiG eine neue Veröffentlichung unter dem selbst gebastelten Reihentitel "Die Rache des Wikingers" - und langsam muss man, ähnlich wie bei der Schwesterreihe "Die Kreuzritter", wohl wirklich nicht mehr so ganz durchblicken, nach welchem Schema hierfür Filme ausgewählt werden. So erschien im letzten Juni - nach den zwei aufeinander aufbauenden isländischen Produktionen "Das versunkene Imperium" und "Im Schatten des Raben" aus den 1980ern - ein italienischer Film von 1965 ("Eric, der Wikinger") als "Teil 3", obwohl dieser überhaupt nichts mit den ersten beiden zu tun hat. Im Oktober kam dann eine Trilogie-Box mit besagten "Teilen" eins bis drei und nun wird "Die Rache des Wikingers 4" veröffentlicht, bei dem es sich um den dritten Film der isländischen Trilogie handelt, deren erste beide Teile auch als erste beide Teile dieser "Rache des Wikingers"-Serie veröffentlicht wurden. Klingt nicht nur verwirrend, sondern ist es auch - und wer jetzt schon geistig ausgestiegen ist, dem kann man sicherlich keinen Vorwurf machen, denn wirklich durchschauen muss man das Ganze inzwischen nicht mehr.
Wie dem auch sei, mit "Der weiße Wikinger" liegt nun auch endlich der letzte Teil der "Wikinger-Trilogie" von Regisseur und Drehbuchautor Hrafn Gunnlaugsson vor. Bereits in seinen vorherigen beiden Filmen versuchte Gunnlaugsson, das Hollywood-Klischee der Wikinger zu zerstören und ein realistischeres Bild der einstigen nordischen Krieger zu schaffen. Mit "Das versunkene Imperium" gelang ihm dies auch sehr gut, der Film gilt als einer der gelungensten und realitätsgetreuesten Wikingerfilme überhaupt. Allerdings konnte Gunnlaugsson mit den zwei Nachfolgern nicht mehr an den Erfolg der vorherigen Werke anknüpfen. Dabei ist die Grundidee dieses dritten Films gar nicht mal uninteressant, denn die Geschichte erzählt von der gewalttätigen Christianisierung der Wikinger durch König Olav I. Tryggvason von Norwegen. Der Titel "Der weiße Wikinger" spielt dabei auf eine zur damaligen Zeit unter den einfachen Leuten verbreitete Vorstellung an, die Christus als weiß gekleideten Wikingerkrieger ansah, der sein Kreuz wie ein Schwert schwingt, um die Leute zu seinen Untertanen zu machen. Hier im Film ist es nun Askur (Gottskálk D. Sigurdarson), der zum "weißen Wikinger" wird, um widerwillig die Isländer zu christianisieren, damit König Olav seine Frau Embla (Maria Bonnevie) freilässt.
Trotz des Potenzials, das sich aus der Storyidee ergibt, mag das Ergebnis nicht so recht überzeugen. Vielleicht liegt es daran, dass "Der weiße Wikinger" 1991 von den Produzenten zusammengeschnitten wurde und nicht ganz den Vorstellungen des Regisseurs entsprach (erst 2007 veröffentlichte er einen Director's Cut unter dem Titel "Embla", der die weibliche Hauptfigur ins Zentrum des Geschehens holte), auf jeden Fall schafft es der Film nicht, den Zuschauer mitzureißen. Das fängt schon bei der etwas übertriebenen Darstellung des Königs an, dessen Kruzifix mit ihm spricht und sogar als "Zeichen" blutet. Zwar ist natürlich klar, dass es sich um ein Hirngespinst des vernebelten Olav handelt, äußerst albern wirken die Szenen aber trotzdem. Das größere Problem ist jedoch, dass Askur, der Protagonist der Geschichte, eine extrem langweilige Figur ist und von Gottskálk Sigudarson noch schwächer gespielt wird. Bereits in seiner ersten Szene - seiner Hochzeit - bekommt man ihn mit einem dämlich grinsenden Gesichtsausdruck zu sehen, den er dann auch mehr oder weniger den gesamten Film über beibehält. Embla alias Maria Bonnevie weist da deutlich mehr darstellerisches Potenzial auf und es ist schade, dass MiG nicht gleich den Director's Cut auf DVD vorgelegt hat, denn ihre Rolle ist auch deutlich spannender als die von Askur. Doch so konzentriert sich der Film nun auf die recht unspektakulären Abenteuer ihres Mannes und zieht sich mit seiner zweistündigen Laufzeit endlos in die Länge, was beim Zuschauer eher zum Gähnen statt zum Mitfiebern führt.
Digitale Aufarbeitung:
Die technische Qualität der DVD von "Der weiße Ritter" ist leider eine Zumutung. Das Bild bewegt sich auf unterem VHS-Niveau. Die Farben sind ausgewaschen, der Kontrast ist viel zu steil und überstrahlt ständig und Schärfe ist überhaupt nicht vorhanden - statt Details bekommt man nur matschige Flächen zu sehen. Rauschen, Dropouts und Verschmutzungen sind ebenso an der Tagesordnung wie Kompressionsprobleme. Auch der Ton weiß wenig zu überzeugen. In der vorhandenen Dolby-Digital-2.0-Spur sind die Dialoge zu leise abgemischt und dadurch gelegentlich schlecht zu verstehen. Außerdem klingt alles recht blechern und manchmal brummt der Ton zudem. (Von den nervigen, absichtlich gekünstelt quäkend klingenden Synchronsprechern gar nicht erst zu reden.) Schade, aus einem Film aus dem Jahr 1991 hätte sich sicherlich mehr herausholen lassen.
Bonusmaterial ist nicht vorhanden.
Fazit:
"Der weiße Ritter" kann leider nicht überzeugen, was vor allem daran liegt, dass die komplette zweistündige Laufzeit über eine Figur im Mittelpunkt steht, die von ihrem Darsteller (Gottskálk Sigudarson) äußerst schwach gespielt wird. Zudem ist die technische Qualität so schlecht, dass man durch sie noch zusätzlich irritiert wird und kein rechter Filmgenuss aufkommen mag. Da bleibt nur zu hoffen, dass man in Zukunft noch irgendwann den im Jahr 2007 entstandenen Director's Cut "Embla" auf Deutsch zu sehen bekommen wird, der den Fokus auf die deutlich interessantere Figur - Askurs Frau Embla - legt und idealerweise auch als technisch hochwertigeres Master verfügbar sein sollte.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,66:1
|
125:42 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Isländisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
Der weiße Wikinger
Hvíti víkingurinn
Recht unspannendes zweistündiges Wikingerabenteuer
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Island/Norwegen, 1991 Regie: Hrafn Gunnlaugsson Drehbuch: Hrafn Gunnlaugsson, Jonathan Rumbold Darsteller: Gottskálk D. Sigurdarson, Maria Bonnevie, Egill Ólafsson, Helgi Skúlason, Tomas Norström, Sveinn M. Eiðsson, Þorsteinn Hannesson, Bríet Héðinsdóttir
Label :
MiG Film
Verkaufsstart : 12.05.2011
|