 |
DVD-Besprechung - Alice im Wunderland
Story:
Alice (Charlotte Henry) sitzt gelangweilt zuhause, weil sie wegen des starken Schneefalls das Haus nicht verlassen darf. In ihrer Lethargie träumt sie sich in eine Welt hinter den Spiegeln, wo sie einem weißen Kaninchen (Richard Gallagher) begegnet, dass unter ständigem Gemurmel in seinen Bau verschwindet. Alice folgt dem Tier und fällt durch einen Schacht direkt ins Wunderland. Dort trifft sie eine Menge seltsamer Gestalten, wie der geheimnisvollen Grinsekatze (Richard Arlen) oder dem verrückten Hutmacher (Edward Everett Horton), mit denen sie eine Menge Abenteuer erlebt.
Meinung zum Film:
Paramounts Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Lewis Carroll „Alice im Wunderland“ aus dem Jahr 1933 ist einer der skurillsten Filme seiner Zeit. Regisseur Norman Z. McLeod („Let’s Dance“) vereinte Surrealismus, Irrationalität und Wahnsinn um damit einer zügellosen Phantasie freien visuellen Lauf zu lassen. Dabei orientierte sich Drehbuchautor Joseph L. Mankiewicz („Cleopatra“) bei den Dialogen teilweise fast wörtlich an der literarischen Vorlage und versuchte sich bei den nötigen Kürzungen für das Medium Film an schon inszenierten Bühnenfassungen zu orientieren. Das Besondere des Films entstand wohl eher aus Zufall, als nach einer Testvorfühung der ursprünglichen Fassung das Studio die Schere ansetzte und den Film um ca. 20 Minuten kürzte. Dadurch wurden Szenen gestrichen, die den Film weicher gemacht hätten, wie beispielsweise am Schluss einen erneuten Übergang von Phantasiewelt in die Realität, was nun jedoch nicht stattfindet. Faszinierend ist jedoch der fehlende rote Faden in der Zusammenstellung der Episoden, die damit dem Bild eines wirklichen Traumes näher kommen, als man zunächst annahm. Dadurch rückte der Film zwar in greifbare Nähe der Surrealität, aber er wurde auch authentischer.
Bei der Auswahl der Darsteller konnte Paramount aufgrund der großen Fülle von Vertragsschauspielern aus dem Vollen schöpfen. Gary Cooper(„Vera Cruz“) nutzte beispielsweise eine Drehpause an einem anderen Film, um den kurzen Part des wirren und reitunfähigen „White Knight“ zu übernehmen. Cary Grant („Über den Dächern von Nizza“), der damals noch keine große Berühmtheit war, spielt die Rolle des „Mock Turtle“, für die eigentlich Bing Crosby („Die oberen Zehntausend“) vorgesehen war. W.C. Fields („Christmas Carol“) mimt den missmutigen und überheblichen Humpty Dumpty und verleiht dieser Figur durch sein schauspielerisches Talent wahre Authentizität. Für die Figur des Hutmachers hatte Paramount den auch in Wirklichkeit überaus snobistischen, jedoch stets verwirrten Edward Everett Horton („Arsen und Spitzenhäubchen“) auserwählt, was sich als wahrer Kunstgriff erwies. Für die Hauptrolle der Alice wurde ein landesweites Casting angesetzt, das letztlich die reizende Charlotte Henry („The Last Gentleman“) für sich entschied. Sie verkörpert die Figur der Alice fantastisch und kam den Ansprüchen des Publikums sehr nahe. Weil fast alle Darsteller in Kostümen steckten, die sie fast unkenntlich machten, wurde dem Film eine Titelsequenz vorausgeschickt, damit zu jeder Figur auch das bekannte Gesicht präsentiert werden konnte.
Der Stoff von Carrolls „Alice im Wunderland“ hatte in den 30er Jahren Hochkonjunktur. Der 100. Geburtstag des Schriftstellers wurde gerade gefeiert, weshalb an vielen Bühnen gerade diese Thematik sehr beliebt war. Da Hollywood sich gern mit klassischen, literarischen Stoffen eindeckte, insbesondere solche, die sich schon vor einem größeren Publikum bewährt hatten, war es nur eine Frage der Zeit, bis Carrolls Stoff Hollywoods Aufmerksamkeit erregte. Paramount gelang es sich die Rechte an der Vorlage sogar noch vor Walt Disney zu sichern. Um dem Studio, dass durch den Börsenkrach stark in Mitleidenschaft gezogen worden war, finanziell wieder auf die Beine zu helfen, wurden nicht nur ein großes Starensemble engagiert, sondern auch jede verfügbare Tricktechnik genutzt, um das Werk perfekt zu visualisieren. Auch die übrige Ausstattung, für die William Cameron Menzie („Vom Winde verweht“) verantwortlich war, ließ keine Wünsche offen, so dass der Film, letztlich zu dem einzigartigen Werk werden konnte, das die Zuschauer noch heute begeistert.
Digitale Aufarbeitung:
Obwohl der Film aus dem Jahre 1933 stammt und keinerlei digitale Aufarbeitung erfahren hat, kann man das Bild nicht unbedingt als schlecht bezeichnen. Es ist nur leicht körnig und auch die Alterserscheinungen halten sich in Grenzen. Der Kontrast hält sich auch auf einem ausgewogenem Niveau. Der Ton tönt ein wenig dumpf aus den Boxen, was jedoch nicht unbedingt verwunderlich ist. Der Mix zwischen Dialog, Musik und Hintergrundgeräuschen ist jedoch einwandfrei.
Als Extras bietet die DVD eine Menge Material. Zum einen gibt es einen Originaltrailer, zum anderen eine Bildergalerie, welche seltenes Werbematerial enthält, die einen guten Einblick auf die Werbekampagne von Paramount ermöglicht. Das Glanzstück besteht jedoch in der ca. vierzigminütigen Stummfilmfassung von „Alice im Wunderland“ aus dem Jahre 1915, die in voller Länge zu sehen ist. Dadurch ist ein direkter Vergleich mit der Verfilmung von 1933 möglich, was vor allem für eine Betrachtung der Entwicklung der Special Effects interessant ist. Außerdem hat die Koch Media AG dem Film ein informatives Booklet mitgegeben, das über die Hintergründe des Films informiert.
Fazit:
„Alice im Wunderland“ von 1933 ist eine für seine Zeit unglaublich surreale und liebevolle Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Lewis Carroll. Paramount Pictures inszenierte die Produktion mit einem Großaufgebot von bekannten Schauspielern, die unter der Leitung von Regisseur Norman Z. McLeod ein grandioses und vor allem zeitloses Kinoereignis schufen.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,33:1
|
73:00 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Englisch Dolby Digital 1.0 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch |
|
Bonusmaterial:
|
- Originaltrailer
- Alice im Wunderland - Verfilmung aus dem Jahr 1915
- Bildergalerie
|
|  |
Alice im Wunderland
Alice in Wonderland
Herrliches Spektakel!
Autor der Besprechung:
Yatiker Yildiz
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1933 Regie: Norman Z. McLeod Drehbuch: Joseph L. Mankiewicz (basierend auf dem Kinderbuchklassiker von Lewis Carroll) Darsteller: Richard Arlen, Roscoe Ates, William Austin, Gary Cooper, Leon Errol, W.C. Fields, Alec B. Francis, Cary Grant, Charlotte Henry, Sterling Holloway, Lillian Harmer, Edward Everett Horton, Richard Gallagher
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 27.05.2011
|