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Kino-Besprechung - The Tree of Life

Story:
Jack O'Brien ist einer von drei Brüdern. Zusammen wachsen sie im Amerika der 60er Jahre auf und entwickeln, eingebettet zwischen den strengen Ritualen der Erwachsenen und den anarchischen Spielen der Gleichaltrigen, ihre eigene Sicht auf die Welt. Als Jack erwachsen ist, blickt er zurück.

Meinung zum Film:
Sechs Jahre sind seit Terrence Malicks letztem Film „The New World“ vergangen. Mit „The Tree of Life“, der in Cannes bereits die Goldene Palme gewonnen hat, präsentiert Malick einen Film, der ambitionierter, versierter, aber auch poetischer ist, als sein Vorgänger. Anhand der Geschichte von Jack (Sean Penn, „Mystic River“), der zusammen mit zwei Brüdern, einem strengen, rationalen Vater (Brad Pitt, „Inglorious Basterds“) und einer sanften Mutter (Jessica Chastain) seine Kindheit im mittleren Westen der USA verlebt, zeigt „The Tree of Life“ exemplarisch, wie mit zunehmenden Eindrücken der komplexen Welt die Unschuld und Naivität aus den Kinderaugen weicht.

Nick Nolte, der in Malicks „The Thin Red Line“ spielte, hat sehr treffend realisiert, dass Malick etwas hat, was allen anderen Mainstream-Regisseuren fehle, nämlich Zeit. „The Tree of Life“ erforscht die Perspektive der drei O'Brien-Brüder in einfühlsamer Detailliertheit, umspannt das ambivalente Verhältnis zu den sich sehr unterscheidenden Eltern und bettet den eigentlich äußerst handlungsarmen Plot in Bilder, von denen man meint, sie entspringen der eigenen Erinnerung – so verklärt-träumerisch und doch evident scheinen sie. Abseits des Event-Kinos legt Malick den Fokus auf das oft unbeachtete Davor und Danach des Ereignisses: in „The Tree of Life“ geht es um die Erwartung, die zwangsläufige Enttäuschung und die intime Reflexion.

Als einer der Brüder stirbt, verliert sich „The Tree of Life“ in einem existentialistischen Bilderstrom, der an die psychedelische Raumschifffahrt aus Kubricks „2001: A Space Odyssey“ erinnert und den Plot in den Kontext des gesamten Universums stellt. Denn so präzise und einfühlsam, wie Malick Jacks individuelles Schicksal einzufangen vermag (was den Film sehr vom kalten „2001“ unterscheidet), ist er doch viel mehr daran interessiert, dass sich jedes menschliche Leben erst im Zusammenhang mit der Vergangenheit der Erde verstehen lässt. Zwischen indivuellem Lebensentwurf und Großem Schöpfungsplan bleibt die Kamera hängen an den kleinsten Einzelheiten, die ein Kinderauge erblicken kann, um sich dann der erhabenen Größe des Weltalls zuzuwenden. Gerade weil dieser Ausflug in die Entwicklungsgeschichte der Erde eher störend als verbindend wirkt, zeigt sich Malicks Weltsicht: So wie sich das Leben heute gestaltet, ist es unvereinbar mit der Natur.



Fazit:
„The Tree of Life“ ist kein Film, den man konsumiert wie andere Filme. Für den Kinosaal zu intim, für den heimischen Fernseher jedoch zu bildgewaltig, versperrt sich der fünfte Film Malicks jedwedem Versuch einer herkömmlichen Kategorisierung. Die Frage, ob man die wunderbare Coming-of-age-Geschichte mit den allegorisch überschäumenden Weltraumbildern vereinheitlichen kann, muss jeder für sich selbst beantworten.

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The Tree of Life
The Tree of Life

Bild unseres Mitarbeiters Wadim Halter
Terrence Malicks fünfter Kinofilm erzählt in opulenten Bildern eine Coming-of-Age-Geschichte im Amerika der 60er Jahre


Autor der Besprechung:
Wadim Halter

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2010
Regie:
Terrence Malick
Drehbuch:
Terrence Malick
Darsteller:
Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain, Hunter McCracken

Verleiher:
Concorde Film