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DVD-Besprechung - Der Tiger von Kwantung
Story:
Der Vater und der Onkel von Jackie (Jackie Chan) sind Mitglieder einer Geheimorganisation. Als sie jedoch von ihrem Meister den Auftrag erhalten, einen unbescholtenen Bürger zu töten, weigern sie sich. Der Meister ist darüber sehr ungehalten und tötet Jackies Vater, während sein Onkel entkommen kann und sich fortan um Jackies Erziehung kümmert, und zwar ganz im Sinne der Nächstenliebe, was seine Ausbildung zu einem Kämpfer ausschließt. Jackie hat da jedoch völlig andere Ansichten und sucht sich heimlich einen Meister, der ihn zu einem großen Kämpfer ausbildet. Als Jackie jedoch ausgerechnet ebenfalls mit Mitgliedern der Organisation aneinander gerät, ist es mit der Geheimhaltung vorbei. Seine Kenntnisse kommen ihm zwar nun zugute, der Onkel greift aber zu drastischen Methoden, um diesen Verrat zu bestrafen: Jackie muß sich selbst die Finger verstümmeln.
Meinung zum Film:
„Der Tiger von Kwantung“, auch bekannt als „The Master mit den gebrochenen Händen“ oder „Master with Cracked Fingers“, entstand bereits im Jahr 1971 und war die erste Hauptrolle des späteren Hongkong-Superstars Jackie Chan („Forbidden Kingdom“). Die Produktion stand jedoch unter keinem guten Stern und mußte aus finanziellen Gründen abgebrochen werden. Nachdem Jackie Chan jedoch zum Star avanciert war, holten findige Geschäftsleute das unvollendete Werk im Jahr 1978 wieder aus der Schublade und flickschusterten noch neue Sequenzen in den Film hinein, beispielsweise Elemente der zu dieser Zeit sehr populären „Drunken Master“-Filme. Da Jackie zu dieser Zeit natürlich diese Art filmischer Schaffensnachweise nicht mehr nötig hatte, wurde seine Rolle einfach ausgeweitet, indem ein Double eingesetzt wurde und dazu holte man sich dann noch den „echten“ Drunken Master Simon Yuen („Die Schlange im Schatten des Adlers“).
„Der Tiger von Kwantung“ ist leider ein absolutes Spiegelbild seiner Entstehungsgeschichte. Ein roter Faden ist nur noch rudimentär erkennbar, viele Sequenzen wirken völlig fehl am Platze und beim Zuschauer entsteht dadurch nie der Eindruck, einen durchgehenden Film zu sehen. Produktionstechnisch und darstellerisch wird hier ebenfalls eine extreme Talsohle durchschritten, was zum Beispiel in zahlreichen Kämpfe auf der „grünen Wiese“ mündet. Da kann wenigstens nicht zerstört werden und es müssen keine teuren Locations angemietet werden ... Problematisch ist auch die Stimmung des Films, mal gibt er sich sehr düster und teilweise auch etwas blutig, andererseits gibts dann aber wieder den „ulkigen Meister“ und irgendwelche merkwürdigen Comedy-Einlagen. Auch inhaltlich kann der Zuschauer nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, denn wieso wohnt der Onkel mit Jackie eigentlich in direkter Nachbarschaft zur Organisation, die ihn töten wollte, oder wieso treibt der Onkel Jackie in die Selbstverstümmelung, siehe Alternativtitel, die ihn allerdings rein filmisch nur wenige Minuten in die kampftechnische Passivität verdrängt, weil hernach eine geradezu verblüffende Wunderheilung zu beobachten ist.
Aber auch für Jackie-Chan-Fans oder Freunde des gepflegten Kung Fu hat dieser filmische Parasit leider so gut wie nichts zu bieten. Zwar würde auch der heutige Jackie Chan nicht gerade als Charakterdarsteller durchgehen, hier zahlt er aber deutlich sichtbar noch einiges an Lehrgeld und die sich in Bälde abzeichnende große Karriere war noch keinesfalls vorhersehbar. Auch die Kämpfe bieten nur eine müde Choreographie ohne Tempo und Dynamik. Selbst akrobatische Einlagen sind eher die Ausnahme und gehen zudem vor allem auf das Double zurück, nicht aber auf Jackie Chan selbst. Zähflüssig hangelt sich der Film von Kampf zu Kampf, langweilt dabei den Zuschauer zu Tode, nur um ihn dann durch die zahlreichen Abfolgefehler wieder aus seinem wohlverdienten Schlaf zu reißen.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVD wird vom Hersteller als „Erstmals komplett digital remastered“ beworben und in der Tat hinterlässt der Film für einen beinahe 40 Jahre alten Nischentitel einen ziemlich guten Eindruck. Allen bisherigen Veröffentlichungen des Films ist diese Fassung auch deutlich überlegen und präsentiert sich im korrekten, anamorphen Widescreenformat 2,35:1. Die Bildschärfe macht einen ordentlichen bis guten Eindruck, lediglich in einigen Sequenzen werden Teile des Bildes unscharf, siehe z.B. die Trainingssequenz mit dem Meister bei 0:08. Die Farbgebung macht einen natürlichen und relativ kräftigen Eindruck. Verschmutzungen und Bildfehler sind überhaupt nicht auszumachen, lediglich Bildrauschen fällt gerade bei dunkleren Sequenzen etwas ins Gewicht. In diesen Abschnitten kann leider auch der Kontrast nicht wirklich überzeugen, da hier doch einiges an Bildinformationen verschluckt wird. Den Rest der Zeit kann der Kontrast allerdings durchaus überzeugen. Die Kompression macht sich hin und wieder etwas bemerkbar. Gerade an den Rändern von Kleidungsstücken sind deutliche Doppelkonturen erkennbar. Entgegen den Herstellerangaben auf dem Cover liegen die deutsche und die Mandarin-Tonspur lediglich in Mono, im Format DD 1.0, vor. Die Verständlichkeit der deutschen Tonspur ist allerdings sehr gelungen ausgefallen, auch wenn naturgemäß keine Klangwunder erwartet werden dürfen. Bedauerlich ist allerdings das komplette Fehlen von Untertiteln, was den Wert der Mandarin-Tonspur für deutsche Käufer deutlich reduziert.
Die vorliegende DVD-Edition des Films offeriert einiges an Bonusmaterial. Neben dem US-Trailer ist das zunächst eine Deleted Scene (4:02), die offensichtlich aus einem anderen Eastern stammt, jedoch seinerzeit in die deutsche VHS-Veröffentlichung eingefügt wurde. Weiterhin befinden sich auf der DVD noch eine alternative Langfassung (83:07), die ein paar zusätzliche Szenen in englischer Sprache sowie einen stark abweichenden, teilweise auf lustig getrimmten Endkampf enthält, und die deutlich kürzere deutsche Kinofassung (69:44), bei der alle Comedy-Sequenzen entfernt wurden, um dem Film einen ernsteren Anstrich zu verpassen. Beide Versionen liegen gegenüber dem Hauptfilm in deutlich reduzierter Bildqualität vor. Den Abschluss des Bonusmaterials bildet eine Bildergalerie mit Aushangfotos, deutschen Videocovern und einem Presseheftauszug. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Der Tiger von Kwantung“ ist wohl die weltbeste Veröffentlichung eines wirklich grottenschlechten, aus monetären Motiven zusammengeschusterten Kung Fu-Streifens, mit dem Jackie Chan heutzutage sicherlich nicht mehr in einem Atemzug genannt werden möchte. Der Zuschauer kann hier wirklich nur ungläubig auf den Bildschirm starren und auf die Produzenten fluchen, die wohl auch bereit wären, ihre eigene Großmutter zu verkaufen, wenn nur der Preis entsprechend ausfiele. Die deutsche Veröffentlichung des Films ist hingegen technisch erstaunlich gut ausgefallen und bietet einiges an interessantem Bonusmaterial, einziger Makel sind in dieser Hinsicht die fehlenden Untertitel.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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81:40 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 1.0 | Mandarin Dolby Digital 1.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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- US-Trailer
- Deleted Scene
- Alternative Langfassung
- Deutsche Kinofassung
- Bildergalerie
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"The Master" mit den gebrochenen Händen
Guang Dong Xiao Lao Hu
Diese filmische Flickschusterei wäre besser in einem dunklen, feuchten Archiv verrottet!
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Hongkong, 1971 Regie: Ngai Hoi Fung, Gam Yam Drehbuch: Sun Liu Darsteller: Jackie Chan, Simon Yuen, Chen Hung-Lieh, Shu Pei-Pei, Tien Feng, Hon Gwok-Choi, Ma Chien-Tang, Kwan Chung, Tai San
Label :
Voulez Vous Film
Verkaufsstart : 20.05.2011
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