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DVD-Besprechung - Molotow - Der Mann hinter Stalin
Story:
Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow, eigentlich Wjatscheslaw Michailowitsch Skrjabin, „der Hammer“, prägte das Gesicht der russischen Außenpolitik über viele Jahrzehnte. Er war der zweite Mann hinter dem „Generalissimus“ Josef Stalin. Molotow war ein Revolutionär der ersten Stunde, der eigentliche Herausgeber des Parteiorgans Prawda und ein enger Kampfgefährte Stalins. In den Jahren 1921 bis 1930 war Molotow Sekretär des Sekretariats des Zentralkomitees der KpdSU. Im Jahr 1926 avancierte er zum Vollmitglied im Politbüro. Hinsichtlich der Massenexekutionen im Verlauf der Stalinschen Säuberungen entpuppt sich Molotow als williger Vollstrecker. In der Zeit vom Dezember 1930 bis Mai 1941 war Molotow Ministerpräsident bzw. Vorsitzender des Rates der Volkskommissare. Zusätzlich bekleidete er von 1939 bis 1949 das Amt des Außenministers, das er von 1953 bis 1956, nach Stalins Tod, der ihn zwischenzeitlich ausgebootet hatte, erneut innehate. Danach endete Molotows politische Blütezeit. Bis zu seinem Tod im Jahr 1986 blieb er ein glühender Verfechter der Politik Josef Stalins.
Meinung zum Film:
„Molotow – Der Mann hinter Stalin“ ist wie bereits „Hitler & Stalin - Porträt einer Feindschaft“ eine Produktion der LOOKS Filmproduktionen GmbH in Koproduktion mit der Transit Film GmbH, die im Auftrag des ZDF, in Zusammenarbeit mit ARTE, entstand. Federführend waren hier auch wieder Ullrich H. Kasten („Hitler & Mussolini - Eine brutale Freundschaft“) und Hans-Dieter Schütt. Die Dokumentation entstand im Jahr 2010 und erlebte im Dezember eben dieses Jahres seine TV-Premiere. Konzeptionell setzt Kasten offensichtlich erneut auf eine emotionalisierende Darstellung der historischen Abläufe, hat diese Vorgehensweise aber gerade hinsichtlich des Sprechers, Reinhard Kuhnert, der die Geschehnisse aus dem Off kommentiert, vollkommen übertrieben. Dessen Verlautbarungen entpuppen sich als eine endlose Aneinanderreihung nichtssagender Anekdoten, die in einer extrem pathetischen, prätentiösen und pseudo-poetischen Manier vorgetragen werden. Ansonsten besteht die Dokumentation aus alten Archivaufnahmen in Schwarz-Weiß, aktuellem Filmmaterial von Begehungen historischer Schauplätze, Kulturdenkmäler, oder Bauwerke und Spielszenen mit dem russischen Darsteller Jurij Danilin als Molotow. Der Sinn dieser glücklicherweise seltenen Sequenzen bleibt jedoch im Verborgenen, denn wir sehen hier nur einen wortlosen, alten Mann mühsam durch die Gegend schlurfen.
Im Grunde reicht bereits der Anfang der Dokumentation, um die eindimensionale Kernthese abzuleiten, die dann lediglich fortwährend fast 90 Minuten lang durchgekaut wird. Molotow war das absolut loyale Schoßhündchen Stalins, auch noch lange nach dessen Tod, und hat dadurch schwere Schuld auf sich geladen, so wird er hier als „kaltherziger Organisator kommunistischen Terrors“ beschrieben. Fakten stehen einer solch prätentiösen, den Zuschauer bevormundenden Ansage natürlich nur im Weg, deswegen konzentriert sich der Erzähler lieber auf die Vermittlung mehr oder weniger belegter Anekdoten, während das Archivmaterial, häufig beliebig bis nichtssagend, unterlegend abgespult wird. Der „Kalte Krieg“, die Konferenzen von Potsdam, Teheran und Jalta, das sind für die Macher der vorliegenden Dokumentation offensichtlich nur Fußnoten der Geschichte, die bestenfalls mal in Nebensätzen auftauchen. Wichtige biographische Daten zu Molotow werden ausgespart, bereits zu Beginn gibt es einfach mal einen Zeitsprung über dreizehn Jahre, von 1917 bis 1930, was Molotow in der Zwischenzeit „treibt“, bleibt ein Rätsel und über die Arbeitsweise oder die Verhandlungstaktiken Molotows wird rein gar nichts vermittelt, dafür erfährt der irritierte Zuschauer lediglich, dass er aufgrund seines Sitzfleisches als „Steinarsch“ galt, was angesichts der vorliegenden Darbietung beim Publikum kein sehr häufiges Phänomen darstellen dürfte.
Zumindest optisch interessant sind die aktuellen Aufnahmen der historischen Schauplätze und Kulturdenkmäler. Allerdings wird in diesen Sequenzen akustisch fatalerweise ständig nur eine simple Dualität zwischen stalinistischem Terror und kultureller Blüte diagnostiziert. Vergleichbar simple Formeln durchziehen die gesamte Dokumentation und die emotionale Ausrichtung nebst wertender, einseitiger Kommentierung erinnert an die typische populärwissenschaftliche Schule von Guido Knopp. Auch über seine Quellen schweigt sich das vorliegende Werk weitgehend aus, lediglich Briefe zwischen Molotow und seiner Frau Paulina werden regelmäßig angeführt, wobei über deren Herkunft, Intention und inhaltliche Besonderheiten jedoch leider kein Wort verloren wird. Die wichtigsten Fragen stellt die vorliegende Dokumentation jedenfalls gar nicht erst, so gelingt es ihr beispielsweise eben nicht, den Weg vom Revolutionär zum eiskalten Schreibtischtäter nachvollziehbar aufzuzeigen, und auch über das persönliche Verhältnis von Molotow und Stalin hüllen sich die Macher in Schweigen. Molotows politische Erfolge, oder was ihn eigentlich als Funktionär genau auszeichnete, bleiben ebenso ein Rätsel.
Digitale Aufarbeitung:
Naturgemäß besteht die vorliegende Dokumentation auch zu größeren Teilen aus Archivmaterial in Schwarz-Weiß, das einige altersbedingte Spuren aufweist. Die aktuellen Farbaufnahmen bieten hingegen gute, leicht verrauschte TV-Qualität. Der Ton gibt sich zwar unspektakulär, aber auch zweckmäßig, und besteht vor allem aus den Wortbeiträgen des Erzählers, die gut verständlich ausgefallen sind.
Das Bonusmaterial ist sehr schwach ausgefallen. „Molotov Cocktail Party“ (0:58) und „Moscow at the End of the War“ (6:35) sind unkommentierte Schwarz-Weiß-Aufnahmen, komplett ohne Ton, erstere aus einer US-Wochenschau entnommen, während letztere offensichtlich russischem Propagandamaterial entspricht. „United Nations Opening Conference“ (10:45) ist wieder amerikanischen Ursprungs, genauer einer Newsreel der United News, die sich mit der Gründungskonferenz der UN vom 26.6. 1945 in San Francisco beschäftigt. Nach nur etwas mehr als sechs Minuten folgen allerdings bereits andere Meldungen. Die Veröffentlichung besitzt kein Wendecover.
Fazit:
„Molotow – Der Mann hinter Stalin“ ist eine eindimensionale, faktenarme und prätentiöse Pseudo-Dokumentation voller sinnfreier Anekdoten und pathetisch überhöhter Sprache. Das Archivmaterial wirkt größtenteils so nichtssagend wie die Spielszenen deplaziert ausfallen, während das aktuelle Bildmaterial der historischen Schauplätze von unqualifiziert wirkenden Kommentaren begleitet wird. Technisch macht die vorliegende DVD einen ordentlichen Eindruck, das Bonusmaterial ist allerdings absolut verzichtbar ausgefallen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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88:08 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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- Molotov Cocktail Party
- United Nations Opening Conference
- Moscow at the End of the War
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Molotow - Der Mann hinter Stalin
Molotow - Der Mann hinter Stalin
Molotow wäre angesichts dieser Pseudo-Dokumentation wohl der Cocktail aus der Hand gefallen, oder er hätte ihn geworfen...
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2010 Regie: Ullrich H. Kasten Drehbuch: Ullrich H. Kasten, Hans-Dieter Schütt Darsteller: Jurij Danilin
Label :
Polyband
Verkaufsstart : 24.06.2011
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