 |
DVD-Besprechung - Soweit die Kräfte reichen
Story:
Jan Sigurd Baalsrud (Jack Fjeldstad) wird im Jahr 1943 bei einer Sabotagemission an der norwegischen Nordküste von einem Landsmann verraten. Nach dem Angriff eines deutschen Patrouillenbootes auf ihr Fischerboot ist Baalsrud der einzige Überlebende. Es beginnt eine abenteuerliche Flucht durch das gesamte von Deutschen besetzte Norwegen, bis zur Grenze des neutralen Schwedens. Ständig gejagt von deutschen Verfolgern, und im Wettstreit mit den unbarmherzigen Kräften der Natur, bahnt sich Baalsrud seinen Weg durch Eis und Kälte, ist dabei aber auch immer wieder auf die Hilfe einheimischer Patrioten angewiesen.
Meinung zum Film:
„Soweit die Kräfte reichen“, in der DDR seinerzeit auch als „Der Stärkere“ bekannt, ist ein norwegisches Schwarz-Weiß-WK2-Kriegsdrama aus dem Jahr 1957. Der Film basiert auf dem Roman „We Die Alone: A WWII Epic of Escape and Endurance“ des Briten David Howarth, der selbst an Spezialeinsätzen in Norwegen, wie z.B. Spionagemissionen, teilnahm. Im Mittelpunkt des auf historischen Tatsachen basierenden Films steht die reale Persönlichkeit des norwegischen Widerstandskämpfers Jan Sigurd Baalsrud, dessen abenteuerliche Flucht aus Norwegen hier geschildert wird. Der Film wurde 1958 für den Auslands-Oscar nominiert und auch im gleichen Jahr auf dem Filmfestival von Cannes gezeigt. Im Jahr 1991 wurde der Film vom einheimischen Fernsehpublikum zum besten norwegischen Film aller Zeiten gewählt.
Auch wenn das Kriegsdrama zu seiner Zeit mit Meriten überhäuft wurde und thematisch sowie bezüglich des deutschen Titels etwas an Fritz Umgelters Klassiker „So weit die Füße tragen“ erinnert, kann der Film aus heutiger Sicht keine wirklichen Begeisterungsstürme mehr auslösen. Zwar besitzt er eine wirklich gute, effektive Kameraarbeit und bietet auch eindrucksvolle, an Originalschauplätzen entstandene Landschaftsaufnahmen, hinsichtlich der Dramaturgie ergeben sich jedoch zahlreiche Mängel. Regisseur Arne Skouen („Der Herr und seine Diener“) wählte, auch budgetbedingt, einen sehr minimalistischen Ansatz. Das spiegelt sich aber nicht nur in der Ausstattung des Films, wo dieses Faktum allerdings sehr gut kaschiert wird, sondern auch in der Erzählweise. Zunächst einmal steigt der Titel direkt mit dem Scheitern der Sabotagemission in den Film ein, das Problem liegt darin, dass der Zuschauer somit eigentlich nichts über Baalsrud erfährt, weder hinsichtlich biographischer Details noch über seine menschlichen Qualitäten. Seine Flucht wird dadurch zu einer unpersönlichen Angelegenheit für den Zuschauer. Das bessert sich leider auch später im Film nicht mehr, denn die Zahl seiner Dialoge im Verlauf der Geschichte können an einer Hand abgezählt werden und verlaufen zudem extrem einsilbig.
Ein weiteres Problem in dieser Hinsicht ist die Passivität des „Helden“, die sich eigentlich in kaum einer der ausnehmend positiv gestalteten Kritiken im Internet wiederfindet. Lediglich in der ersten halben Stunde des Films agiert Baalsrud als willensstarker, mit allen Wassern gewaschener Widerstandskämpfer. Dabei wirkt die Darstellung seiner „Taten“ auf der Flucht nicht sehr realistisch und scheint mehr der Steigerung des Unterhaltungswerts zu dienen. So jagt er beispielsweise auf Skiern mitten durch eine Gruppe seinen Weg kreuzender Deutscher oder liefert sich Schusswechsel mit deutschen Soldaten, die er mit seiner Pistole, gegen die Gewehre seiner zahlenmäßig überlegenen Widersacher, stets siegreich gestalten kann. Die Suche der Deutschen nach ihm wirkt allerdings stets seltsam unkoordiniert, was die Bedrohungslage nicht gerade verschärft. Hier fehlt auch eine für dieses Genre typische, spannungssteigernde Darstellung der Aktivitäten der Gegenseite. In der Folgezeit wird die unbarmherzige Natur zu Baalsruds ärgstem Feind . Er kann sich schließlich aufgrund einer Fußverletzung nicht mehr selbstständig fortbewegen und wird auch noch schneeblind. Deshalb ist er fortan auf Gedeih und Verderb seinen norwegischen Landsleuten ausgeliefert, die sich allerdings glücklicherweise alle als glühende Patrioten entpuppen. Später wird Baalsrud noch zwei Wochen lang in einer Schneehöhle verschüttet und leidet unter starken Halluzinationen.
Digitale Aufarbeitung:
Die Vorlage für die DVD wurde scheinbar von den Norwegern bereits
restauriert, dadurch macht das Bild dieses über 50 Jahre alten
Schwarz-Weiß-Films insgesamt einen relativ guten Eindruck. Dieses Lob
verdienen sich aber vor allem die Bereiche Bildschärfe und Kontrast.
Leider gibt es aber auch einige Schwächen: Zunächst wabert das Bild und
neben dem normalen, begleitenden Bildrauschen, sind auch immer wieder
deutlich stehende Rauschmuster, z.B. bei der Explosion eines Schiffs
(0:10) zu sehen. Bei der Kompression wurde also offensichtlich an
einigen Stellen geschlampt und das ist auch an der eher niedrigen
Datenrate ablesbar, die sich meistens um den Bereich von 5 Mbps
einpendelt, jedoch auch immer wieder unter diese Grenze rutscht. Verschmutzungen der Vorlage halten sich in Grenzen, einige Sequenzen
weisen jedoch schon Spuren von Zersetzungsprozessen auf, wie sie der
Zuschauer sonst eher von sehr alten Stummfilmen kennt. Die DVD verfügt über eine deutsche und norwegische Mono-Tonspur. Optional gibt es englische Untertitel für den gesamten Film oder deutsche Untertitel für die ehemals in der deutschen Fassung fehlenden Szenen im Originalton, jeweils wahlweise weiß oder gelb. Auf der Rückseite des Covers wird bereits vor Schwankungen bei der Tonqualität gewarnt, da die letzte deutsche Kinorolle abgetastet worden sei. Und in der Tat gibt sich die deutsche Tonspur recht schrebbelig und verzerrt. Zudem begleitet ein ständiges Hintergrundrauschen das Geschehen. Besonders ärmlich klingen allerdings Effekte, wie z.B. abgefeuerte Waffen, hier tönt jede Spielzeugpistole authentischer. Eine gute Verständlichkeit der Dialoge wird aber trotzdem gewährleistet. Die norwegische Originaltonspur hinterlässt einen deutlich besseren und wesentlich kräftigeren Eindruck, was sich auch in den realistischer klingenden Effekten spiegelt.
Das Bonusmaterial besteht aus der deutlich kürzeren deutschen Kinofassung des Films (78:41), die auch nur in reduzierter Bildqualität vorliegt und einen etwas mitgenommenen Eindruck hinterläßt. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Soweit die Kräfte reichen“ ist ein norwegisches Kriegs- bzw. Fluchtdrama mit sehr minimalistischem Ansatz, sowohl technisch als auch inhaltlich. Dabei stehen der guten Kameraführung und den eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen leider zahlreiche dramaturgische Mängel im Weg, die sich bereits in der Konzeption des Films offenbaren, und auch die Darstellung der Ereignisse wirkt nicht immer realitätsbezogen. Technisch macht die DVD bei der Bildqualität insgesamt einen guten Eindruck, bei der deutschen Tonspur gibt es allerdings gewisse Qualitätseinbußen.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,33:1
|
91:25 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 1.0 | Norwegisch Dolby Digital 1.0 |
|
Untertitel:
|
|
Englisch |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
Soweit die Kräfte reichen
Ni liv
Minimalistisches norwegisches Kriegsdrama mit dramaturgischen Schwächen
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Norwegen, 1957 Regie: Arne Skouen Drehbuch: Arne Skouen (basierend auf einer Romanvorlage von David Howarth) Darsteller: Jack Fjeldstad, Henny Moan, Alf Malland, Joachim Holst-Jensen, Lydia Opøien, Edvard Drabløs, Sverre Hansen, Rolf Søder
Label :
WGF Verkaufsstart : 15.06.2011
|