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DVD-Besprechung - Drei Spaghetti in Shanghai
Story:
In Bangkok werden sechs amerikanische Spezialagenten entführt. Jetzt liegt es am FBI-Mann Captain Wallace (Robert Malcolm), deren Versteck ausfindig zu machen, die Entführer unschädlich zu machen und die Geiseln zu befreien. Allerdings stößt Wallace vor Ort schnell an seine Grenzen und ersucht seine beiden kleinkriminellen Freunde Max (Antonio Cantafora) und Jerry (Salvatore Borghese) um Hilfe. Die erwarten jedoch als Gegenleistung den Inhalt des Tresors aus dem US-Konsulat, für Wallace eine echte Zwickmühle. Allerdings erweisen sich auch Meister Tang (Lo Lieh) und seine Musterschülerin Lotusblüte (Shih Szu) als wertvolle Hilfe im Kampf gegen die Entführer bzw. Drogenhändler.
Meinung zum Film:
„Drei Spaghetti in Shanghai“ stellt die vierte Ausgabe der Reihe „Vergessene Eastern“ des Labels Voulez Vous dar, deren letzter Titel, „Das Tödliche Duell der Shaolin“, bereits sieben Monate zurückliegt. Der Film lief zwar 1974 in einer leicht gekürzten Fassung in deutschen Kinos (die fehlenden Sequenzen wurden für die vorliegende DVD nebst deutscher Untertitel wieder eingefügt), das Werk erschien jedoch nie auf VHS und lief auch auf keinem einheimischen Fernsehsender. Der Titel ist eine Co-Produktion der legendären Shaw Brothers („Der Pirat von Shantung“) aus Hongkong mit der italienischen „Internazionale Nembo Distribuzione Importazione Esportazione Film“ (INDIEF). Wie bereits bei ihren Co-Produktionen mit den Hammer Studios („Die 7 Goldenen Vampire“) verbanden sich hier die Exotik des Fernen Ostens und die hohe Kunst des Kung Fu mit europäischen Tugenden. Das war in diesem Fall aber eben kein gotischer Horror, sondern vielmehr italienischer Klamauk. Und im Deutschen wurde diese Komponente durch die als kultverdächtig geltende deutsche Schnodder-Synchronisation aus dem Hause Brunnemann („Die 2“) noch weiter „veredelt“.
Die fernöstliche Hälfte der Hauptdarsteller repräsentieren Lo Lieh („Wu Kung - Herr der blutigen Messer“) und Shih Szu („Die Todeskammern der Shaolin“). Die italienische Seite wird hingegen durch Robert Malcolm („Der Barmherzige mit den schnellen Fäusten“), Antonio Cantafora („Satan der Rache“) und Salvatore Borghese („Fäuste, Bohnen und Karate“) gestellt. Der Actiondirector des Films war Jackie Chan („Der Tiger von Kwantung“), der hier auch noch als Stuntman sowie Nebendarsteller fungierte. Bei der konkreten Sichtung des Films geraten die großen Namen und die Idee, das Beste aus verschiedenen Kulturkreisen zu verbinden, jedoch schnell in Vergessenheit. Der Film, auch bekannt als „Supermen Against the Orient“, gibt sich zumindest inoffiziell auch als Teil der „Drei Supermänner“-Reihe aus, zu der Regisseur und Drehbuchautor Bitto Albertini z.B. „Drei tolle Kerle“ beisteuerte. So tragen unsere „Helden“ gegen Ende auch alberne rote Strampelanzüge, die kugelsicher sein sollen. So richtig blamieren muss sich allerdings vor allem Sal(vatore) Borghese, der hier nicht nur den Grimassenaugust mimt, sondern auch noch vor sich hinnuschelt wie ein Bekloppter.
Die deutsche Synchronisation müht sich zwar, etwas „Spaß“ zu vermitteln, entkoppelt sich aber mit ihren Zoten auch zunehmend von der nur marginal vorhandenen Rahmenhandlung. Unter Einfluss von etwas Alkohol und unter Ausblendung diverser korrespondierender visueller Sequenzen, im Sinne eines Hörspiels, mag hier wohl sogar teilweise etwas Spaß aufkommen, die Sprüche reichen aber qualitativ bei Weitem nicht an ihre Gegenstücke aus „Die 2“ heran. Die Slapstickeinlagen erinnern qualitativ leider eher an italienische Militärklamotten wie „Helm auf - Hose runter“, hier gilt: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Darstellerisch herrscht leider auch das große Elend, gerade Robert Malcolm, von dem nach diesem Werk nie wieder etwas zu sehen war, erweist sich als vollkommen hauptrollenuntauglich, auch wenn er aussieht wie eine Kombination von Tom Selleck und Omar Sharif. Die Action zerfällt in durchschnittlich choreographierte Kung-Fu-Sequenzen mit Asiaten und eher klamaukig angelegte Balgereien unter Beteiligung der europäischen Fraktion. Die Qualitäten von Spencer- und Hill-Produktionen sollten hier allerdings nicht als Messlatte angelegt werden.
Digitale Aufarbeitung:
Laut Cover wurde der vorliegende Film extra neu von der letzten deutschen Kinorolle abgetastet und die DVD präsentiert ihn im anamorphen Originalbreitbildformat 2,35:1. Unter Berücksichtigung des Alters und der Seltenheit des Titels hat sich dieser Aufwand technisch auf jeden Fall gelohnt. Die Schärfe bewegt sich in einem guten Bereich, die Farbgebung wirkt sehr kräftig und Defekte sind, außer beim Showdown, eigentlich gar nicht festzustellen. Auch die leichten Verschmutzungen fallen kaum ins Gewicht. Das Bildrauschen ist allerdings ziemlich stark ausgefallen und beeinträchtigt leider auch die Schärfe, das Bild wirkt dadurch leicht verzerrt. Kantenflimmern und leichte Bewegungsunschärfen sind ebenfalls wahrnehmbar, auch die Kompression sorgt für leichte Unruhen. Die DVD offeriert gleich drei Tonspuren, neben der deutschen Blödelsynchronisation handelt es sich dabei noch um die englische und die italienische Sprachfassung, wobei Letztere aufgrund der insgesamt fehlenden Untertitel nur für die wenigsten deutschen Käufer hilfreich sein dürfte. Zwar warnt das Cover vor leichten Tonschwankungen, insgesamt überzeugt die deutsche Tonspur aber durch gute Verständlichkeit und eine ausgewogene Abmischung. Sie wirkt kräftig und nur leicht blechern. Kurze Tonaussetzer sind die absolute Ausnahme.
Auf der DVD befinden sich als Bonusmaterial der italienische Videotrailer, der deutsche Kinovorspann (2:21), Fragmente der deutschen Kinofassung (5:13) und eine Bildergalerie mit Werbematerial, Aushangfotos sowie einem Programmheftausschnitt. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
Bei der Produktion von „Drei Spaghetti in Shanghai“ fallen zwar einige große Namen ins Auge, die Verbindung von italienischem Klamauk und asiatischer Kampfkunst sowie exotischen Schauplätzen misslingt jedoch völlig, was vor allem auch der uninspirierten, öden Drehbuchvorlage geschuldet ist. Einen gewissen Kultstatus besitzt der Film wegen seiner zotigen, deutschen Brunnemann-Synchronisation, die allerdings auch schon ziemlich in die Jahre gekommen ist und das eigentliche Filmgeschehen nicht überdecken kann. Technisch hat sich der Hersteller hier sichtlich Mühe gegeben und präsentiert den Film in für einen solchen Nischentitel erstaunlich guter Qualität.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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94:01 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 | Italienisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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- Italienischer Videotrailer
- Deutscher Kinovorspann
- Fragmente der deutschen Kinofassung
- Bildergalerie mit Werbematerial
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Drei Spaghetti in Shanghai
Si huang yi hou
Eine zotige deutsche Synchronisation macht noch keinen guten Spaghetti-Eastern...
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Hongkong / Italien, 1974 Regie: Bitto Albertini Drehbuch: Bitto Albertini, Gino Capone Darsteller: Robert Malcolm, Antonio Cantafora, Salvatore Borghese, Jacques Dufilho, Lo Lieh, Shih Szu, Alberto Farnese, Tung Lam
Label :
Voulez Vous Film
Verkaufsstart : 24.06.2011
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