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DVD-Besprechung - Wagen nach Wien
Story:
Tschechien, kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs: eine junge Frau wird Zeuge, als deutsche Soldaten ihren Mann erhängen. Voller Zorn schwört sie Rache. Ihre Chance bekommt sie, als zwei versprengte Landser sie dazu zwingen, sie mit ihrem Pferdewagen an die österreichische Grenze zu bringen. Doch als die Frau die Chance hat, die beiden Soldaten zu töten, entscheidet sie sich anders.
Meinung zum Film:
Als der Film „Wagen nach Wien“ 1966 in die tschechischen Kinos kam, wurde er heiß diskutiert. Grund dafür war zum einen die sympathische Darstellung der deutschen Soldaten, dem einstigen Kriegsgegner. Zum anderen jedoch die überaus kritische Zeichnung der tschechischen Partisanen, die in der Tschechoslowakei als Krieghelden galten. Dabei ist die Handlung aus heutiger Sicht denkbar einfach gestrickt. Die Vorgeschichte, der Tod des Bauern und die Entführung seiner Frau, wird in Textform erzählt. Danach wird die Fahrt dargestellt und die damit verbundenen Kommunikationsversuche der drei Protagonisten. Doch gerade in dieser einfachen Grundhandlung versteckt Regisseur Karel Kachyna auf eine großartige Art und Weise eine wichtige Botschaft: aus welchen Gründen tötet man einen Menschen?!
Gerade weil der Hauptdarstellerin Iva Janzurovà („Es lebe die Republik“) nur eine kleine Dialogsequenz zu Verfügung steht, muss sie all ihre Emotionen, die Verzweiflung, die Wut und auch ihre Vergebung, allein über ihre Mimik verkörpern, was sie auch fantastisch beherrscht. Ihr Gegenspieler wird dargestellt durch Jaromir Hanslik,(„1:0 für Jikta“) dessen Aufgabe es ist nicht nur den größten Dialogpart zu übernehmen, sondern auch Verletzlichkeit und Grausamkeit in einer Person darzustellen. Hanslik schafft es vorzüglich, den Zuschauer von der Ambivalenz seiner Rolle zu überzeugen. Der dritte im Bunde, die Rolle des verletzten zweiten Soldaten, wird von Ludek Munzar („Anna, die Schwester Janas“) gespielt. Auch er schafft es, seiner Rolle Glaubwürdigkeit einzuhauchen.
Kachyna beweist sein Talent nicht nur in der optimalen Auswahl seiner Schauspieler, sondern auch in Einfachheit seiner Kameraführung, der Schlichtheit seiner Kulisse und der fast greifbaren Stille, denn der Film kommt fast gänzlich ohne Musik aus. Die Kamera fokussiert über die Hälfte des Films den Pferdewagen, entweder aus der Perspektive der Soldaten oder aus der Perspektive der Bäuerin. Somit kann der Zuschauer gleichsam den jeweiligen Blickwinkel der einzelnen Protagonisten einnehmen. Die einzige Kulisse besteht aus einem Wald, der sich auf beiden Seiten des Weges zu befinden scheint. Ob das nun als Sparmaßnahme gedeutet werden soll, oder ob der Wald eine allgegenwärtige Macht demonstrieren soll, ist Interpretationssache. Eines ist sicher, trotz all dieser Schlichtheit gelang es Kachyna, einen interessanten Film zu machen, dessen Botschaft bis heute Gültigkeit besitzt. Es ist ein Appell an die Menschlichkeit.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild hat trotz seines Alters eine gute Qualität. Die Konturen sind klar und deutlich zu erkennen. Über die Farbqualität lässt sich leider nichts sagen, da es sich um einen Schwarz-Weiß-Film handelt, aber der Kontrast hält den gesamten Film über eine gute Balance. Auch am Ton gibt es nichts zu bemängeln. Er klingt klar und gleichmäßig aus allen Boxen. Der Mix zwischen Dialog und Hintergrundgeräuschen ist gut gelungen.
Als Extras besitzt die DVD die deutsche Kinofassung des Films, die 29 Minuten länger läuft als das tschechische Original.
Fazit:
Mit überaus einfachen Mitteln gelingt es Regisseur Karel Kachyna einen wirklich interessanten Film über die Wahrung der Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit zu kreieren. Die hervorragende und talentierte Schauspielercrew, eine einfühlsame Kameraführung und eine unendlich scheinende Kulisse trägt dazu bei, dass dieser Film ein Meisterstück seines Genres geworden ist.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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76:34 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 1.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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Wagen nach Wien
Kocar do Vidne
Ruf nach Menschlichkeit!
Autor der Besprechung:
Yatiker Yildiz
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
CSSR, 1966 Regie: Karel Kachyna Drehbuch: Jan Prochàzka, Karel Kachyna Darsteller: Iva Janzurovà, Jaromir Hanslik, Ludek Munzar, Jaroslav Moucka, Vladimir Ptàcek
Label :
WGF Verkaufsstart : 15.06.2011
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