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DVD-Besprechung - Heldenkampf in Stalingrad
Story:
Ein Kradmelder, ein Scharfschütze und ein einfacher Soldat jüdischer Herkunft, alle Teil der Roten Armee, überleben als Einzige einen Angriff der deutschen Truppen. Es gelingt ihnen, aus deren Gefangenschaft zu entkommen, und sie fliehen in das nahegelegene Dorf Bljanoe. Dort versteckt sie der Vater des Scharfschützen, der dort auch das Oberhaupt ist, und versorgt sie mit Nahrung und Medizin. Innerhalb dieser Schicksalsgemeinschaft traut jedoch keiner dem anderen über den Weg und die Deutschen verschärfen zunehmend ihre Bemühungen, die Flüchtlinge wieder einzufangen.
Meinung zum Film:
„Heldenkampf in Stalingrad“ ist wohl eine der unpassendsten „Germanisierungen“, die für den vorliegenden Titel möglich waren. Gekämpft wird hier eher wenig, Helden gibt es eigentlich gar keine und das Geschehen spielt sich nichtmal in der Nähe von Stalingrad ab, geschweige denn, dass es hier Kesselschlachten oder Häuserkämpfe geben würde. Vielmehr handelt es sich um ein kammerspielartiges WK2-Drama aus weitgehend nihilistischer Perspektive. Regisseur Dmitri Meskhiyev („Over the Dark Water“) und DrehbuchautorValentin Chernykh („Der Brandherd“) sind in europäischen Gefilden weitgehend unbekannt. Yelena Yatsura war allerdings ein Jahr später auch eine der Produzentinnen des gelungenen russischen Afghanistan-Kriegsfilms „Die Neunte Kompanie“. Auch in der Darstellerriege finden sich ein paar bekannte Gesichter: Konstantin Khabenskiy wurde vor allem durch „Wächter der Nacht“ bzw. „Wächter des Tages“ bekannt, Mikhail Evlanov war ebenfalls bei „Die Neunte Kompanie“ mit an Bor, und der Ukrainer Bogdan Stupka spielte zuletzt die Hauptrolle in „Steppensturm – Aufstand der Kosaken“. In Russland gewann „Svoi“, wie der Film im Original heißt, zahlreiche Preise.
Der Film beginnt mit einem Überfall einer deutschen Einheit auf das Quartier russischer Truppen. Dabei gibt es zwei relativ grausame Szenen - ein Panzer überrollt den Kopf eines Soldaten und ein anderer Soldat trägt nur noch den Torso eines Kameraden auf dem Rücken -, die zunächst auf ziemlich harte Kriegsaction schließen lassen. Stattdessen folgt die nächste etwas längere, deutlich unspektakulärere Actionsequenz allerdings erst wieder am Ende des Films. Insofern ist die gesamte Covergestaltung und sonstige Werbekampagne des Vertriebs völlig unangemessen. Im Kern geht es bei „Svoi“ um eine unfreiwillige Schicksalsgemeinschaft von vier Personen, die auf engstem Raum zusammengepfercht und nicht nur von außen bedroht ist, sondern auch im Inneren von zahlreichen Konfliktlinien durchzogen wird. Der Film verströmt eine ziemlich nihilistische Atmosphäre gegenseitigen Misstrauens, in dem nur das eigene Überleben zählt und Menschen zu instinktgesteuerten Bestien verkommen. Aber auch wenn der Film einige fähige Darsteller versammelt und ihm ein interessantes Szenario zugrunde liegt, scheitert der Titel leider zum einen an seiner zu überzogenen Darstellung und zum anderen an seinem eindimensionalen, auf der Stelle tretenden Drehbuch.
Besonders in den wenigen kleineren Kampfsequenzen übertreibt es der Regisseur mit den „Auseinandersetzungen bis aufs Blut“, die nur aus Stoßatmung - tierähnlichen Geräuschen - zu bestehen und mit allgemeinem Kontrollverlust des nicht instinktgesteuerten Verhaltens einherzugehen scheinen. Weitere Subtilität geht auch durch die mäßige deutsche Synchronisation verloren, der es erheblich an Feingefühl für die situativen Stimmungen mangelt. Problematisch ist außerdem der massive Leerlauf des Drehbuchs, da sich irgendwann die Faszination einer Atmosphäre aus Misstrauen und gegenseitigen Verdächtigungen erschöpft, jedoch eigentlich objektiv betrachtet handlungstechnisch wenig passiert. So bestehen weite Teile des Films schlicht aus voyeuristischen Szenen, in denen zwei der drei Soldaten notgeil aus ihrem Versteck die Frauen des Hofes beobachten. Weiterhin stellt sich im Verlauf der Geschichte zunehmend die Frage, wieso die „Gefangenen“ keinen Versuch unternehmen, ihrem stetig unsicherer werdenden Versteck zu entfliehen.
Digitale Aufarbeitung:
Was bei der vorliegenden DVD sofort ins Auge fällt, sind die extrem entsättigten Farben des Films. Sie sollen wohl einerseits einen zeitgenössischen Look erzeugen und andererseits die düstere, lebensfeindliche Stimmung des Werks unterstreichen. Der Titel wirkt dadurch optisch allerdings auch extrem trist und ist dem Schwarz-Weiß-Film häufig näher als dem Farbfilm. Umso bitterer ist es da, dass der Kontrast viel zu steil ausgefallen ist und der Film von extremen Überstrahlungen durchzogen wird. Falls diese Maßnahmen bewusste Stilmittel darstellen sollen, muss dieses Experiment leider als gescheitert betrachtet werden. Weiterhin ist das Bild ziemlich grobkörnig ausgefallen. Die Bildschärfe bewegt sich jedoch in einem guten Bereich, auch wenn das Bild hin und wieder leicht zu wabern scheint. Die DVD enthält gleich vier Tonspuren nebst optionaler englischer Untertitel, die alle gut verständlich ausgefallen sind. Der Klang ist allerdings ansonsten sehr frontlastig und unspektakulär.
Als Bonusmaterial befindet sich auf der DVD lediglich das Making Of (38:09) zum Film im russischen Originalton ohne jede Form von Untertiteln. Damit ist dieses Feature für deutsche Käufer weitgehend nutzlos. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Heldenkampf in Stalingrad“ ist - entgegen dem, was uns der Titel sowie der Vertrieb suggerieren möchten - ein kammerspielartiges Kriegsdrama mit sehr wenig Action und einem atmosphärisch ziemlich düsteren Anstrich. Leider mangelt es dem Regisseur an Subtilität für sein ernstes Thema und das Drehbuch enthält einfach zu viel Leerlauf und gegen Ende auch einige ziemlich unglaubwürdige Wendungen. Technisch beherbergt die DVD Licht und Schatten, besonders die extravagante stilistische Visualisierung wirkt jedoch eher misslungen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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110:41 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch Dolby Digital 2.0 | Russisch Dolby Digital 2.0 |
Russisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Englisch |
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Bonusmaterial:
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Heldenkampf in Stalingrad
Svoi
Keine Helden, kein Stalingrad und fast keine Kämpfe ...
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Russland, 2004 Regie: Dmitri Meskhiyev Drehbuch: Valentin Chernykh Darsteller: Konstantin Khabenskiy, Sergey Garmash, Mikhail Evlanov, Bogdan Stupka, Natalya Surkova, Anna Mikhalkova, Fyodor Bondarchuk, Sergei Dyachkov
Label :
WGF Verkaufsstart : 21.07.2011
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