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Blu-ray-Besprechung - Leben & Tod einer Pornobande
Story:
Marko (Mihajlo Jovanovic) hat als frischgebackener Absolvent der Filmhochschule künstlerisch große Ambitionen, muss jedoch schnell feststellen, dass seine hochtrabenden Pläne in der serbischen Filmwirtschaft wenig Anklang finden. Stattdessen landet er schnell im Pornogeschäft, beschließt aber auszusteigen und brennt mit der Kohle seines Produzenten durch. Mit dem Geld chartert er sich einen klapprigen Kleinbus und trommelt eine illustre Schar von Charakteren zusammen, die u.a. Hardcore-Darsteller, zwei homosexuelle AIDS-Kranke, Drogensüchtige und gescheiterte Schauspieler beinhaltet. Nun noch den Minivan mit reichlich Farbe und frivolen Motiven versehen und fertig ist die „Pornobande“, das erste Live-Porno-Cabaret Serbiens, das fortan von Dorf zu Dorf zieht. Das Projekt droht allerdings bereits früh zu scheitern, als jedoch plötzlich der zwielichtige Franz (Srboljub Milin) mit einer sehr lukrativen, aber moralisch umso verwerflicheren Geschäftsidee an Marko herantritt.
Meinung zum Film:
Serbien erarbeitet sich in letzter Zeit einen Ruf als Hort filmischer Extreme. „A Serbian Film“ von Srdjan Spasojevic ertrank geradezu in seiner Aneinanderreihung von Tabubrüchen, wirkte aber letztlich gerade dadurch weniger schockierend, sondern vielmehr wie eher unfreiwillig komische Exploitation der billigsten Sorte. Mit „Leben & Tod einer Pornobande“ wollte der serbische Dokumentarfilmer Mladen Djordjevic („Made in Serbia“), der auch das Drehbuch schrieb, nun einen ähnlich wilden Trip voller Tabubrüche hinlegen, allerdings mit deutlich mehr inhaltlicher Substanz und erzählerischer Tiefe. Dabei stand ihm allerdings lediglich ein winziges Budget von rund 140.000 Euro zur Verfügung und selbst bei der Finanzierung dieser Summe gab es einige Probleme. So entschied sich Djordjevic aus Gründen der Durchführbarkeit nicht nur gegen die Mitwirkung von Laien bzw. echten Hardcore-Darstellern, sondern verzichtete auch bewusst auf einheimische Stars und rekrutierte lieber eine Riege frischer, unverbrauchter Gesichter. Zur Seite stand ihm dabei der Kameramann Nemanja Jovanov, der in eben dieser Funktion auch bereits bei „A Serbian Film“ involviert war. Die Blu-ray besitzt wahlweise ein deutsches oder englisches Menü, dementsprechend werden dann auch der Hauptfilm und das Bonusmaterial untertitelt.
„Leben & Tod einer Pornobande“ präsentiert sich in einem eher dreckigen, ungeschminkten Look, den der Regisseur mit der Ästhetik des Hässlichen treffend umschrieben sieht. Genretechnisch ist der Film am ehesten als Roadmovie mit hohem Dramaanteil in Form eines Videotagebuchs zu beschreiben. Gerade diese Form der Darstellung, gepaart mit dem massiven Einsatz wackliger Handkameras, verleiht dem Werk mehr oder weniger den Anstrich einer (fiktiven) Dokumentation. Im Hinblick auf die Anzahl und Ausformungen seiner Tabubrüche muss sich der Titel dabei nicht hinter „A Serbian Film“ verstecken. Abgesehen von diversen Hardcore-Sequenzen, die allerdings in Zeiten des Internets auch nicht mehr die ganz großen Aufreger darstellen, gibt es (gestellte) Tiersnuff- und menschliche Snuffzenen, gefakte Hinrichtungsvideos von Terroristen, Splattersequenzen, wie z.B. eine Zerteilung per Kettensäge oder Enthauptungssequenzen, angedeutete Sodomie sowie mehrere Vergewaltigungen zu sehen. Was den Film dabei zu Beginn auszeichnet, ist allerdings ein sehr subversiver, schwarzer Humor der die dargestellten Kopulationssequenzen und Grausamkeiten in ironischer Weise reflektiert. Gerade die guten darstellerischen Leistungen tragen außerdem dafür Sorge, dass die schrillen, abgehalfterten Charaktere nicht nur als Bebilderung einer ausgeflippten Freakshow fungieren.
Auch der Einstieg in den Film und die zunehmende, künstlerische Desillusionierung Markos tragen abseits der täglichen Frustbewältigung auch durchaus humorvolle Züge. Spätestens mit dem ersten größeren Auftritt von Franz, nach etwas mehr als 30 Minuten, verliert der Film jedoch zunehmend seine ironische Distanz, was leider nicht in größeren Realismus - die erzählerische Dimension verdüstert sich deutlich und der Film wird zunehmend zu einer Studie des Verfalls -, mündet, sondern eher konzeptionelle Schwächen offenbart. Zum einen beginnt der Film erzählerisch zunehmend auf der Stelle zu treten, u.a. da sich die stetig beschleunigende Spirale des Verfalls hier bereits mehr als deutlich abzeichnet, was sich bis zum Ende auch nicht mehr ändern wird, und rein formal die Struktur bzw. Dramaturgie des Films unter seinem episodenhaften Videotagebuchcharakter zu leiden beginnt. Die inhaltliche Entscheidung, die Pornobande bzw. ihren Regisseur jetzt ausgerechnet auf einen Snuff-Trip zu schicken, wirkt außerdem im Hinblick auf den Anspruch, Realität abzubilden, völlig deplaziert. Auch charakterlich ist das Hineingleiten der größtenteils gescheiterten Existenzen in einen Mikrokosmos sinnloser Gewalt bzw. Brutalität, unter Ausschaltung sämtlicher Moral oder Ethik, in dieser Sprunghaftigkeit nicht ohne Weiteres ableitbar. Gerade die nun vermehrt auftretenden, spontanen Gewaltexzesse erinnern hier, auch qualitativ, leider zu häufig an billige, plakative Genre-Amateurfilmproduktionen.
Digitale Aufarbeitung:
Hinsichtlich der Bildqualität der vorliegenden Blu-ray haben die Verantwortlichen von Bildstörung von Anfang an mit offenen Karten gespielt. Der Film wurde mit sehr geringem Budget auf DV-Material gedreht, genauer mit einer ziemlich kostengünstigen Panasonic AG-DVX100. Bildstörung gibt bei den technischen Spezifikationen der BD freimütig zu, dass es sich hier um einen SD-Upscale und um kein natives HD-Material handelt. Für eine Blu-ray wird dementsprechend hinsichtlich rein technischer Standards ein unterdurchschnittliches Bild geboten, auch wenn sie der DVD-Fassung des Films, allein schon kompressionsbedingt, immer noch überlegen ist. Unter Berücksichtigung der Produktionsumstände handelt es sich somit aber auch um den bestmöglichen Transfer. Im Detail zeigen sich typische Schwächen von günstigeren DV-Produktionen. Das Bild wirkt tendenziell weich, ohne großartige Detailzeichnung, die Farbgebung wirkt trotz der schrillen Gestaltung der Produktion etwas schwach auf der Brust und der Kontrast ist zu steil ausgefallen, was das Bild zu hell erscheinen lässt. Weiterhin macht sich ein deutliches Bildrauschen bemerkbar, das gerade bei Nachtszenen sehr extrem ausfällt, und dort einen wirklich unschönen Eindruck hinterlässt. Der Film wurde nie deutsch synchronisiert und liegt somit lediglich mit der ursprünglichen serbischen Tonspur vor, diese gibt es allerdings immerhin in DTS-HD Master Audio 5.1. Die BD offeriert wahlweise deutsche oder englische Untertitel. Die Tonspur selbst ist sehr ausgewogen abgemischt, gut verständlich und klingt, gerade auch hinsichtlich der Musikuntermalung, durchaus kräftig. Ansonsten sollten allerdings angesichts der Produktionsumstände des Films und seiner Machart keine Wunder erwartet werden.
Das Bonusmaterial ist wie von Bildstörung gewohnt extrem umfangreich ausgefallen und kann auch in qualitativer Hinsicht voll überzeugen. Das gesamte Bonusmaterial ist, je nach Menüwahl, wahlweise deutsch oder englisch untertitelt. Das Interview mit Regisseur Mladen Djordjevic (41:21) liefert eine Vielzahl interessanter Hintergrundinformationen zu der Entstehung des Films, Problemen bei der Finanzierung, der „Ästhetik des Hässlichen“, dem Casting der Darsteller sowie den Reaktionen von Kritik und Publikum auf seinen Film. Das Interview mit Kameramann Nemanja Jovanov (24:01) fällt hingegen qualitativ etwas ab, u.a. weil sich Jovanov gegen seine Muttersprache entscheidet und das dargebotene gebrochene Englisch sprachlich wenig ergiebig wirkt. Der Audiokommentar, diesmal mit Djordjevic und Jovanov im Duett, ist dann allerdings wieder ein echtes Highlight und erweist sich als endlos sprudelnder Quell interessanter Hintergründe zum Film. Hier sind u.a. auch die autobiographischen Züge des Films und die realen Vorbilder der Filmcharaktere ein wichtiges Thema. Das Behind-the-Scenes-Feature (26:57) präsentiert auf extrem lockere Art und Weise Impressionen und Stimmungsbilder von den Dreharbeiten. Es ist inhaltlich zwar nicht sehr ergiebig, zeigt aber einige ergiebige Details zu den verwendeten Spezialeffekten. Die kommentierte Bildergalerie (22:17) ist ebenfalls eher humorvoll gehalten und enthält Bilder vom Set, Artworks sowie Material zu den Spezialeffekten. Weiterhin finden sich auf der Blu-ray noch der originale Kinotrailer, vier Deleted Scenes (16:25) und der Bereich „Fakt & Fiktion. Dieser beinhaltet drei Ausschnitte von älteren Dokumentarfilmen Djordjevics, die Einfluß auf den vorliegenden Film hatten. „Porno Guerilla“ (2:49) ist ein kurzer Ausschnitt aus „Made in Serbia“, dessen komplette Fassung im Rahmen der „Limited Edition“ des vorliegenden Titels, ohne FSK-Freigabe, erhältlich ist. Er zeigt die realen Vorbilder für die Charaktere der Pornobande. „Gespenster des Krieges“ (13:22) enthält Sequenzen aus „Warriors“, die das reale Vorbild für einen serbischen Sniper, eines der Snuff-Opfer im Film, darstellen. „Die Weiße Quaida“ (12:16) enthält hingegen Teile der Dokumentation „Ali Hamad's Story“ und liefert die Hintergründe zu den im Film enthaltenen, gestellten Terror- bzw. Foltervideos. Weiterhin liegt der Veröffentlichung noch ein sehr gelungenes und informatives 28-seitiges Booklet bei, das Texte von Jochen Werner und dem US-Filmkritiker Steven Shaviro enthält. Das Cover der BD ist ebenso flatschenfrei wie der Schuber. Wie bereits bei „Lärm & Wut“ wurde um letzteren nämlich intelligenterweise ein Umschlag mit fast identischem Motiv gelegt, auf dem sich der FSK-Sticker befindet.
Fazit:
„Leben & Tod einer Pornobande“ wirkt zu Beginn wie ein erfrischend neuer Erzählansatz, der keine Tabubrüche scheut, diese aber nicht exploitativ ausschlachtet, sondern seine Aussage mit ironischer Distanz und einer guten Prise Gesellschaftskritik garniert. Der realistische Ansatz gerät aber spätestens mit zunehmender Dominanz der Snuff-Thematik immer mehr ins Wanken und erzählerisch leidet der Film zunehmend unter seiner dokumentarischen, episodenhaften Videotagebuchstruktur sowie der hyperaktiven Handkamera. Technisch präsentiert Bildstörung mit dieser BD das bestmögliche Ergebnis, das allerdings trotzdem schon aufgrund der Produktionsweise des Films nie HD-Feeling aufkommen läßt. Dafür ist das Bonusmaterial wieder enorm umfangreich und auch inhaltlich extrem ergiebig ausgefallen und zeigt die Inbrunst und Sorgfalt, mit der bei Bildstörung gearbeitet wird.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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111:47 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Serbisch DTS-HD Master Audio 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch, Englisch |
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Bonusmaterial:
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- Interviews mit Regisseur Mladen Djordjevic und Kameramann Nemanja Jovanov
- Audiokommentar von Mladen Djordjevic und Nemanja Jovanov
- Behind the Scenes
- Kommentierte Bildergalerie
- Kinotrailer
- Vier Deleted Scenes
- "Porno Guerilla"
- "Gespenster des Krieges"
- "Die Weiße Quaida"
- 28-seitiges Booklet
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Leben & Tod einer Pornobande
Zivot i smrt porno bande
Kein exploitativer Gewaltporno wie "A Serbian Film", aber auch nicht der große Wurf mit der gesellschaftskritischen Sprengkraft des Verfalls
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Serbien, 2009 Regie: Mladen Djordjevic Drehbuch: Mladen Djordjevic Darsteller: Mihajlo Jovanovic, Srboljub Milin, Ana Acimovic, Predrag Damnjanovic, Radivoj Knezevic, Srdjan Jovanovic, Ivan Djordjevic, Bojan Zogovic
Label :
Bildstoerung
Verkaufsstart : 01.07.2011
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