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DVD-Besprechung - Der Fall Sylvester Matuska

Story:
Sylvester Matuska (Michael Sarrazin) hat im 1. Weltkrieg bei einer Brückensprengung seinen besten Freund verloren. Seitdem leidet er unter einer krankhaften Bewusstseinsspaltung und will seinen toten Kameraden rächen. Zu diesem Zweck beginnt Matuska, Eisenbahnschienen zu sabotieren und verübt Attentate auf Personenzüge. Dabei verfeinert er langsam seine Methoden und am 13. September 1931 realisiert er sein „Meisterstück“: Eine Brückensprengung lässt den Nachtschnellzug Budapest – Wien entgleisen und dessen Absturz von der Brücke fordert 24 Tote und 14 Schwerverletzte.

Meinung zum Film:
„Der Fall Sylvester Matuska“ ist eine deutsch-ungarische Koproduktion der André Libik Filmproduktion München und des Mafilm Hunnia Studio, Budapest aus dem Jahr 1982. Der Film erscheint innerhalb der Reihe „Pidax Historien-Klassiker“. Regie führte Sándor Simó („Brillenträger“), während Krimispezialist Egon Eis („Die toten Augen von London“) das Drehbuch beisteuerte. Die Hauptrolle übernahm Michael Sarrazin („Sie möchten Giganten sein“). Weitere wichtige Charaktere verkörpern die deutschen Schauspieler Towje Kleiner („Der Schneemann“), Constanze Engelbrecht („Durchreise“) und Armin Mueller-Stahl („Wolf unter Wölfen“).

„Der Fall Sylvester Matuska“ orientiert sich an historischen Fakten. Das Attentat auf den Schnellzug und Matuska als Urheber hat es tatsächlich gegeben. Die besondere Brisanz dieser Zeit der Weltwirtschaftskrise, nebst Massenarbeitslosigkeit und politischer Instabilität, vermag das vorliegende Werk aber leider fast gar nicht zu nutzen. Der Film verortet sich selbst irgendwo zwischen Drama und Kriminalfilm, was konzeptionell deutliche Schwächen ans Licht bringt. Zunächst einmal ist Matuska dem Zuschauer von Anfang an als der Täter bekannt und steht ganz klar im Zentrum der Erzählung. Für ein Drama ist die Darstellung seiner Person, die Schilderung seiner Lebensumstände und die Ausleuchtung seines Charakters allerdings einfach unzureichend. Der Zuschauer erlebt einen Menschen, der zu extremer Aggressivität neigt, bei seinen Taten allerdings sehr berechnend wirkt. Fernab seiner Taten wirkt er gebildet und relativ abgeklärt. Sein finanzieller Hintergrund bleibt ebenso wie sein beruflicher Werdegang nach dem Krieg ein Rätsel, materiell leiden er und seine Familie allerdings offensichtlich keine Not. Seine Motive bleiben leider sehr verschwommen und auch die Instrumentalisierung seiner Taten durch konkurrierende linke und rechte Gruppierungen bleibt eine Randnotiz. Einzig greifbare Motivation ist der Hass auf die Politik(er), was aber leider nicht näher ausgeführt wird.

Der Kriminalteil verläuft hingegen sehr behäbig und weitgehend spannungsfrei. Matuska ist ein Schürzenjäger und Frauenheld. Als also plötzlich Ilona (Constanze Engelbrecht) ziemlich plump in die Handlung eingeführt wird, dürfte den meisten Zuschauern klar sein, dass diese Beziehung für Matuska noch fatale Folgen haben wird. Was ihn allerdings genau an dieser Frau fasziniert, bleibt unklar, die Darstellerin bleibt nämlich äußerst blass und ihr Charakter ist äußerst eindimensional angelegt, wie ein instrumental-personalisierter Kniff des Drehbuchs. Armin Mueller-Stahl, mit dem groß geworben wird, hat nur ein paar Miniauftritte, die den Film auch nicht aus seiner Vorhersehbarkeit entheben können. Towje Kleiner hätte hingegen einen sehr interessanten Entwickler abgegeben, leider räumt ihm das Drehbuch aber einfach zu wenig Platz ein, als dass er sich hier weitergehend entfalten könnte. Der finale Anschlag wurde nicht mit Modellen, sondern mit einem echten Zug nebst Waggons realisiert. Dieser Aufwand spiegelt sich in der Qualität der eher unspektakulären Aufnahmen allerdings nicht wieder. Besonders die Innenaufnahmen der Passagierwaggons hätten besser weggelassen werden sollen.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der DVD wirkt insgesamt immer etwas weich, was durch nicht optimale Kontrastwerte, gerade bei Nachtaufnahmen, und teilweise deutliches Bildrauschen unterstrichen wird. Im Detail kann das Bild dementsprechend nicht besonders überzeugen, lediglich Nahaufnahmen von Gesichtern wirken ziemlich scharf. Die Farbgebung wurde offensichtlich für ein zeitgenössischeres Flair bewusst entsättigt, wirkt allerdings bezüglich der verwendeten Farbpalette und deren Ausdruckskraft auch etwas kraftlos. Beschädigungen und Laufstreifen sind selten, aber vorhanden, ansonsten wirkt die Vorlage allerdings ziemlich sauber. Die deutsche Tonspur ist wenig überraschend sehr frontlastig ausgefallen. Die Verständlichkeit ist gut, die Soundwiedergabe klingt aber leicht verzerrt und etwas blechern.

Auf der DVD befindet sich keinerlei Bonusmaterial. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Der Fall Sylvester Matuska“ wirkt zwar handwerklich ziemlich reif und bietet auch starke Darsteller, die Mischung aus Drama und Kriminalfilm kann aber nie richtig zünden. Für ein Drama wirkt die Darstellung zu oberflächlich und es verbleiben einfach zu viele Fragezeichen. Für einen Krimi mangelt es dem Film hingegen aufgrund seiner Vorhersehbarkeit und der perspektivischen Festlegung auf den Täter deutlich an Spannung. Technisch ist die DVD wahrlich kein Highlight, angesichts des Alters und der Seltenheit des Films jedoch noch zufriedenstellend ausgefallen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
87:23 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • -
Der Fall Sylvester Matuska - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Fall Sylvester Matuska
Viadukt

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Dieses Kriminaldrama hebt zwar Züge aus den Gleisen, aber es reißt keine Zuschauer aus den Sesseln


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Ungarn, 1982
Regie:
Sándor Simó
Drehbuch:
Egon Eis
Darsteller:
Michael Sarrazin, Towje Kleiner, Constanze Engelbrecht, Armin Mueller-Stahl, Ferenc Bács, Antal Leisen, Teri Tordai, Dorottya Udvaros

Label Deutschland :
Pidax film
Verkaufsstart Deutschland :
01.07.2011