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DVD-Besprechung - Zeugnis aus der grünen Hölle
Story:
Anne-Marie Gavrinis (Macha Méril) wird von ihrem totgeglaubten Vater Jean-Marie (Henri Bove / Marc Ranieri) an dessen Sterbebett nach Südamerika zitiert. Durch seinen engen Freund und Pfleger, den Arzt Dr. Albert Matoury (Robert Liensol), erfährt Anne-Marie langsam mehr vom harten, leidvollen Schicksal ihres Vaters, der den Großteil seines Lebens unter unmenschlichen Bedingungen als Sträfling auf den Teufelsinseln vor Französisch-Guyana verbrachte.
Meinung zum Film:
„Zeugnis aus der grünen Hölle“ ist eine französisch-deutsch-schweizerisch-österreichische Koproduktion aus dem Jahr 1983 und entstand im Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten TF1, ZDF, SRG und ORF. Der französische Regisseur Jean L'Hôte („Lektion d'amour oder die Tugend unserer Väter“) schrieb auch das Drehbuch zum Film. Von den Darstellern sind am ehesten noch Macha Méril („Der Schrei nach Leben“) und Hélène Duc („Tanguy – Der Nesthocker“) etwas bekannter. Letztere spielt allerdings eine vergleichsweise kleinere Rolle. Der TV-Film ist als Dokumentarspiel bzw. Doku-Drama konzipiert, das sich auch gegenwärtig („Eichmanns Ende“ / „An einem Tag in Duisburg“) im deutschen Fernsehen wieder größerer Beliebtheit erfreut. Die Teufelsinseln vor Französisch-Guyana dürften Cineasten am ehesten durch Franklin J. Schaffners „Papillon“ mit Steve McQueen („Bullit“) und Dustin Hoffman („Rain Man“) geläufig sein.
Das vorliegende Werk vermischt dabei drei Erzählstrukturen. Die Rahmenhandlung spielt in der Gegenwart, wo sich die Tochter des Sterbenskranken daran macht, mit Hilfe von Dr. Matoury die Biographie ihres Vaters aufzuarbeiten, und z.B. auch die Stätten seines Martyriums aufsucht. Die zweite Handlungsebene spielt in der Vergangenheit und zeigt den jungen Jean-Marie in seiner Zeit als Häftling. Das dritte Hauptelement des Films sind Zeitzeugenaussagen deutlich gealterter, ehemaliger Häftlinge der Teufelsinseln, die von ihren Erlebnissen zu ihrer Haftzeit berichten oder darüber, wie bzw. warum sie überhaupt dort gelandet sind. Leider gerät der Einstieg in die (Gegenwarts-)Handlung äußerst zäh und besonders Madame Méril führt sich darstellerisch auf wie eine hysterische Ziege kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Interessant wird das Dokumentarspiel eigentlich erst, wenn endlich Jean-Marie und seine Zeit als Häftling in den Mittelpunkt rückt und immer wieder Zeitzeugen die Authentizität der Bilder unterstreichen. Auf der Gegenwartsebene nähert sich der Film zudem über vorgelesene Briefe des Vaters, Illustrationen eines inhaftierten Malers zum Lagergeschehen und über die Begehung der ehemaligen Zellenblöcke dieser Erfahrungswelt der Gefangenen weiter an.
Erzählerisch schlägt der Film ein eher gemäßigtes Tempo ein und wirkt auch insgesamt ein wenig altmodisch. Die Aussagen der Häftlinge schwanken zwischen Galgenhumor, Verbitterung und Prahlerei über ihre Taten ohne Reue hin und her und liefern somit ein interessantes, vielfältiges Spektrum von Eindrücken. Dabei wird nicht mit Kritik an den unverhältnismäßigen Haftbedingungen gespart. Dieser Bereich umfasst brutale Wärter, klimatische Extrembedingungen, monatelange Einzelhaft, Mord und Totschlag unter den Insassen, Korruption und Bereicherung durch das Wachpersonal sowie mörderische koloniale Zwangsarbeitsmaßnahmen. Als Beispiel für Letztere wird ein Straßenbauprojekt genannt, dessen Gesamtstrecke von zwölf Kilometern durch einen Blutzoll von 17000 toten Sträflingen erkauft wurde. Auch vergebliche Fluchtversuche der Verurteilten werden im Film thematisiert, um die Aussichtslosigkeit ihrer Situation zu unterstreichen.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der DVD macht leider keinen besonders guten Eindruck. Die Schärfe schwankt von weich bis matschig, das Bild tendiert bei Tagesszenen zu deutlichen Überstrahlungen, während der Kontrast bei dunkleren Szenen einiges verschluckt. Das Bild rauscht deutlich und teilweise liegen starke Bildfehler vor. Auch an den Bildrändern weist die Vorlage Alterserscheinungen auf. Außerdem ist der Bildstand unruhig ausgefallen und sorgt somit für ein leicht waberndes Bild. Teilweise sind auch deutliche Kompressionsartefakte (Bootsszene bei 49:19) zu beobachten. Die deutsche Tonspur klingt etwas verzerrt, bietet allerdings eine gute Verständlichkeit. Die Soundeffekte klingen hingegen katastrophal, so wirkt z.B. eine schlurfende Abteilung Häftlinge bei (45:30) akustisch eher wie eine Hommage an die Galoppimitation aus „Die Ritter der Kokosnuss“. Ab und an sind auch merkwürdige Störgeräusche oder hohe Pfeiftöne zu vernehmen, die Musikuntermalung gegen Ende leiert ebenfalls deutlich.
Auf der DVD befindet sich keinerlei Bonusmaterial. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Zeugnis aus der grünen Hölle“ ist ein mittlerweile etwas altmodisch anmutendes Dokumentarspiel, das sich zunächst mit einem holprigen Einstieg und einer leicht defizitären Rahmenhandlung negativ bemerkbar macht. Wenn schließlich alle drei Erzählebenen zusammentreten, liefert der Film jedoch interessante, vielfältige Hintergrundinformationen zu den Lebensumständen der Häftlinge auf den berüchtigten „Teufelsinseln“ vor Französisch-Guayana und erreicht auch dramaturgisch ein den Zuschauer enervierendes Niveau. Technisch sollten sich die Erwartungen der Zuschauer an die in dieser Hinsicht mit zahlreichen Schwächen gesegnete DVD jedoch in Grenzen halten.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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90:20 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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Zeugnis aus der grünen Hölle
Lettres du bagne
Eindringliches Dokumentarspiel zum menschenverachtenden Lagerleben auf den Teufelsinseln vor Französisch-Guyana
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Frankreich / Österreich / Schweiz, 1983 Regie: Jean L'Hôte Drehbuch: Jean L'Hôte, François Porcile Darsteller: Macha Méril, Robert Liensol, Marc Ranieri, Hélène Duc, Toni Thomas, Joseph King, Henri Bove
Label :
Pidax film
Verkaufsstart : 01.07.2011
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