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DVD-Besprechung - Die Flucht ohne Ende
Story:
Im Jahr 1926 erzählt Franz Tunda (Helmuth Lohner) seinem Freund, dem Schriftsteller Joseph Roth, in einem Pariser Bistro die abenteuerliche Geschichte seines Lebens seit seinem Eintritt als Soldat der österreichisch-ungarischen Armee in den 1. Weltkrieg. Bereits im Jahr 1916 gerät er im Rang eines Oberleutnants in russische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Flucht wird aus Tunda der Sibirier polnischer Herkunft Baranowicz. Nach einer längeren Zeit in Sibirien erfährt er vom Kriegsende, fällt jedoch in die Hände von Weißgardisten, vor denen ihn ausgerechnet die Bolschewiken retten. Tunda verliebt sich in deren Kommandeurin Natascha (Dagmar Mettler) und wird selbst zum Kämpfer für die Revolution. Nach dem Ende des Bürgerkrieges zieht es Tunda jedoch wieder nach Europa. Stationen sind seine alte Heimat Österreich, ein längerer Aufenthalt bei seinem Bruder in Deutschland und ein Abstecher nach Paris, wo er seine einstige Braut Irene vermutet. Doch der Kriegsheimkehrer Franz Tunda bleibt, egal wo er sich aufhält, heimatlos und entwurzelt.
Meinung zum Film:
„Die Flucht ohne Ende“ ist eine deutsch-österreichisch-schweizerische Koproduktion aus dem Jahr 1985 von ORF, WDR, NDR, die in Zusammenarbeit mit SRG und RTV Ljubljana entstand. Die vierteilige Miniserie hat eine Gesamtdauer von beinahe vier Stunden und pro Folge ergeben sich Laufzeiten von 56 bis 60 Minuten. Die Veröffentlichung verteilt die vier Episoden gleichmäßig auf zwei DVDs. Die Erzählung basiert auf dem Roman „Die Flucht ohne Ende. Ein Bericht.“ des österreichischen Schriftstellers Joseph Roth („Das Spinnennetz“) aus dem Jahr 1927. Adaptiert wurde diese literarische Vorlage von Regisseur und Drehbuchautor Michael Kehlmann („Radetzkymarsch“) einem ausgewiesenen Fachmann für Verfilmungen dieses Autors. Die Hauptrolle übernahm Helmut Lohner, mit dem Kehlmann bereits bei „Radetzkymarsch“ zusammenarbeitete. In weiteren Rollen agieren Kehlmanns Ehefrau Dagmar Mettler („Der Meister des jüngsten Tages“) und die drei groß beworbenen, aber nur mit wenig Spielzeit gesegneten Fritz Muliar („Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“), Mario Adorf („Die Blechtrommel“) und Peter Weck („Ich heirate eine Familie“).
„Die Flucht ohne Ende“ ist die abenteuerliche und bedrückende Chronik des Schicksals eines Entwurzelten, der zwischen den Nationalitäten und Staaten hin- und hergetrieben wird wie ein Blatt im Wind, als Kriegsheimkehrer während seiner Odyssee jedoch nie irgendwo wirklich sesshaft wird. Im Zentrum steht dabei die Figur des Franz Tunda, an dem sich die gesamte Handlung ausrichtet und durch dessen Wahrnehmung politische und gesellschaftliche Strömungen bzw. Umwälzungen in Russland und Europa für den Zuschauer konkret erfahrbar werden. Der monarchistische Offizier wird zum roten Revolutionär, schließlich zum Funktionär, später verarbeitet er seine Erfahrungen in Sibirien als Schriftsteller. Er gelangt jedoch vor allem aus materieller Not nicht mehr wirklich in seine einstigen höheren gesellschaftlichen Sphären. Sein einstiges Umfeld ist ihm aber sowieso längst fremd geworden, auf der Suche nach Halt jagt er schließlich gleich zwei Frauen hinterher, in denen sich seine Sehnsüchte manifestieren, seine einstige Braut Irene, und die französische Dame Claire Debreuil. Was immer Tunda aber suchen mag, auch bei seinen zahlreichen Frauengeschichten findet er es nicht. Er bleibt jedoch ein Ruheloser und stellt sich aufgrund seiner mannigfaltigen Erfahrungen am Ende desillusioniert folgende Frage: „Wohin gehöre ich in dieser Welt, die nicht die meine ist?“
Das Werk ist vor allem eine Charakterstudie des Franz Tunda, in dem aber durch den Erzähler, in Person von Joseph Roth, und längere Dialoge immer wieder philosophische, gesellschaftliche und politische Fragen dieser Zeit abgehandelt werden. Dementsprechend gerät die Miniserie auch zu einem zeitgenössischen Sittengemälde, ist aber gleichzeitig partiell auch eine Art Abenteuerfilm vor dem Hintergrund historischer Umwälzungen. Tunda kommentiert stets äußerst kritisch und teilweise mit beißender Ironie krankhafte Symptome des modernen Europas, dem er voranschreitende Verfallserscheinungen attestiert, entwickelt aber gleichzeitig eine Art krankhafte Faszination für diese gesellschaftlichen Schiefstände. Ein Entwurzelter, der sich mangels beseelender Hoffnungen geradezu in das Elend hineinstürzt, dadurch aber auch immer tiefer in eine Spirale aus kritischer Distanz zu den und offener Ablehnung für die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse hineingerät und sich somit selbst stetig den Boden unter den eigenen Füßen entzieht.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der vorliegenden DVDs kann leider nicht wirklich überzeugen. Die Bildschärfe hinterlässt nur einen weichen bis matschigen Eindruck. Die Farben wirken ausgewaschen und es liegen Bewegungsunschärfen vor. Außerdem verlaufen die Kontrastwerte nicht gerade ausgewogen und schlucken gerade in dunklen Szenen einiges an Details. Zudem liegt ein starkes Bildrauschen vor. Lediglich die Kompression verhält sich weitgehend unauffällig. Die deutsche Tonspur klingt klar und gut verständlich aus den Lautsprechern ist aber naturgemäß sehr frontlastig ausgefallen. Dialoge, Soundeffekte und die Musikuntermalung sind sehr harmonisch abgemischt.
Auf der DVD befindet sich keinerlei Bonusmaterial. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Die Flucht ohne Ende“ verkörpert die Odyssee eines Kriegsheimkehrers, der zwar einst seine Heimat verließ, dort jedoch nach seiner Rückkehr nie wieder wirklich angekommen ist. Der Vierteiler stellt gleichzeitig die Charakterstudie eines Entwurzelten sowie ein Gesellschafts- und Sittenbild seiner Zeit dar und lebt vor allem von seinen wechselhaften, subtil vermittelten Stimmungen, einem exzellenten Hauptdarsteller und einer sprunghaft-unberechenbaren Erzählweise, die in dem Innenleben des Franz Tunda seine analoge Entsprechung findet. Technisch hat die DVD mit einigen Schwächen zu kämpfen, ist aber, auch aufgrund mangelnder Alternativen, für Interessenten durchaus noch zufriedenstellend ausgefallen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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231:39 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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Die Flucht ohne Ende
Die Flucht ohne Ende
Abenteuerlich-deprimierende Chronik eines Kriegsheimkehrer, der nie wirklich in seine verlorene Heimat zurückkehrt
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Österreich / Schweiz, 1985 Regie: Michael Kehlmann Drehbuch: Michael Kehlmann (basierend auf einer Romanvorlage von Joseph Roth) Darsteller: Helmut Lohner, Dagmar Mettler, Leslee Udwin, Peter Dirschauer, Gabriele Isakian, Fritz Muliar, Peter Weck, Mario Adorf
Label :
Pidax film
Verkaufsstart : 01.07.2011
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