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Blu-ray-Besprechung - Good
Story:
John Halder (Viggo Mortensen) ist Professor für Literatur in Berlin und gerät als Nicht-Parteimitglied im April 1937 eher unfreiwillig in den Dunstkreis der Nationalsozialisten. Einer seiner Romane, der sich mit der Frage der aktiven Sterbehilfe beschäftigt, erregt die Aufmerksamkeit der SS. Halder wird daraufhin beauftragt, einen Aufsatz zum Thema Euthanasie zu verfassen. Es folgt ein stetiger Aufstieg innerhalb der SS, erkauft mit vielen kleinen Kompromissen, und das obwohl Halder eigentlich ideologisch als weitgehend unbelastet gelten kann. Unter diesem Makel leidet auch die Beziehung zu seinem besten Freund Maurice Glückstein (Jason Isaacs), der selbst Jude und somit einer stetig wachsenden Bedrohung ausgesetzt ist. Schließlich bittet er John um Hilfe für seine Ausreise.
Meinung zum Film:
„Good“ ist eine britisch-deutsche Koproduktion aus dem Jahr 2008, die auf dem gleichnamigen Theaterstück von C.P. Taylor (Cecil Philip Taylor) aus dem Jahr 1981 basiert. Der Film besaß immerhin ein Budget von rund 15 Millionen US-Dollar, verzeichnete aber in der westlichen Hemisphäre katastrophale Einspielergebnisse und kam in Deutschland trotz des in der Hauptrolle agierenden, durchaus prominenten Viggo Mortensen („The Road“) gar nicht erst in die Kinos. Regie führte bei seiner ersten und bisher einzigen internationalen Produktion der in Wien geborene Brasilianer Vicente Amorim („2000 Nordestes“), während der im Filmgeschäft bis dahin kaum in Erscheinung getretene John Wrathall („Magic Moments“) das Drehbuch schrieb. Weitere wichtige Rollen spielen Jason Isaacs („Die Schattenmacht – The State Within“), Mark Strong („Der Mann, der niemals lebte“) und Jodie Whittaker („Perrier's Bounty“). Der Film wurde komplett in Budapest gedreht, bietet aber nur wenige Außenaufnahmen.
„Good“ versteht sich als historisches Drama, das seinen Zuschauern gerne näherbringen möchte, wie auch anständige deutsche Bürger in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus in die Fänge dieses Regimes geraten konnten. Ein sicherlich nicht uninteressanter Ansatz, der jedoch eine vielschichtige Aufarbeitung erfordert, die im vorliegenden Fall leider zu keiner Zeit gewährleistet wird. Großen Anteil daran hat bereits die extrem dröge Erzählweise, die sich mehr Johns häuslichen Problemen - wie der Pflege seiner kranken Mutter, der Entfremdung gegenüber seiner Ehefrau, oder der Affäre mit der Studentin Anne (Jodie Whittaker) - widmet, als sich mit den immer tiefer einsickernden täglichen Einflüssen des nationalsozialistischen Gedankenguts bzw. Machtapparats auseinanderzusetzen. So versinkt der Film in endlosem, grauem Alltag, während Johns langsamer Aufstieg in den Reihen der SS eher am Rande abgehandelt wird. So wundert sich der Zuschauer dann auch etwas, wenn John gegen Ende plötzlich ein Konzentrationslager in SS-Uniform abschreitet. Seine politische Unbedarftheit bzw. geradezu naive Einstellung spiegelt sich hingegen vor allem in seinen Gesprächen mit seinem jüdischen Freund, Maurice, die einigen Raum einnehmen. Der Film bleibt aber auch hier dermaßen banal, oberflächlich und eindimensional, dass sich der Kehle des Zuschauers am liebsten ein Schrei der Frustration entringen würde.
Letztendlich weiß der Film leider auch inhaltlich gar nicht, was er eigentlich darstellen möchte. So bleiben Johns Wirken für die SS und sein Aufstieg innerhalb der Organisation erschreckend vage und in der handzahmen, „cleanen“ Inszenierung wirkt es tatsächlich bis zum Ende so, als hätte John eigentlich weitgehend seine weiße Weste behalten, auch wenn er wohl einen faulen Kompromiss nach dem anderen eingegangen ist bzw. sich der Sache des Nationalsozialismus nie in den Weg gestellt hat. Seine „Gutartigkeit“ spiegelt sich dann vor allem auch in den Gesprächen mit Maurice. Seine Versuche diesem zu helfen, oder auch ihn später nach seine Deportation ausfindig zu machen, sind ein Markenzeichen für die unglaubliche Naivität des vorliegenden Films. Dabei wird Mortensens Spiel regelrecht auf Comedy-Niveau heruntergebrochen, weil sich John gegenüber der SS subtil wie ein Elefant im Porzellanladen verhält und mit seinem ständigen Gestammel und slapstickhafter Gestik eher in einen Inspektor-Clouseau-Film gepasst hätte. Surreale Elemente wie Johns Halluzinationen, die eine Art Warnzeichen gegenüber dem heraufziehenden Unglück darstellen sollen, und die seltsam weichgezeichnete Optik des Films reißen den Zuschauer zusätzlich aus den wenigen realistisch anmutenden Bausteinen der Erzählung. Ein weiterer Minuspunkt in dieser Hinsicht sind die deutschen Synchronsprecher, die emotional dermaßen dick auftragen, als befände sich der Zuschauer hier in einer brasilianischen Telenovela.
Digitale Aufarbeitung:
Obwohl die Blu-ray im 1080p-Bildformat vorliegt, ist das vorliegende auf einem Theaterstück basierende Drama erwartungsgemäß nicht gerade die Basis für visuelle Extravaganzen. Die Schärfe ist eher im durchschnittlichen Bereich angesiedelt, das Bild wirkt etwas weich (6:32) bis teilweise regelrecht weichgezeichnet (46:05) und hinterlässt zu keiner Zeit einen plastischen Eindruck. Feinere Detailzeichnung ist ebenfalls nicht auszumachen. Die Farbgebung wirkt hingegen sehr kräftig und natürlich. Bildrauschen ist deutlich erkennbar und tritt gerade in sehr dunklen Sequenzen (50:41) stark hervor. Die Kontrastwerte hinterlassen einen eher diffusen Eindruck und es liegen auch immer wieder deutliche Überstrahlungen vor (13:35), vielleicht auch als Stilmittel. Die deutsche Tonspur klingt gut verständlich und ist ausgewogen abgemischt, Raumklang sollte hingegen bei diesem ruhigen Drama nicht erwartet werden. Leider klingt die deutsche Fassung gegenüber der englischen Originaltonspur auch sehr stark nach steriler, künstlich eingespielter Studioaufnahme.
Auf der BD befinden sich neben dem deutschen sowie englischen Trailer auch noch Interviews (59:41) mit den Darstellern Viggo Mortensen, Jason Isaacs, Jodie Whittaker, Steven Mackintosh und Mark Strong, Regisseur Vicente Amorim, Produzentin Miriam Segal, Drehbuchautor John Wrathall, Komponist Simon Lacey, Ausstatter Andrew Laws, Sprachtrainer Andrew Jack und Kostümdesignerin Györgyi Szakàcs sowie eine B-Roll (29:44). Beide Features verfügen über deutsche Untertitel. Leider täuscht die immense Laufzeit des Bonusmaterials auch nicht über dessen geringe Qualität hinweg. Da die Interviews gleich zwölf Personen einbeziehen, wird die Laufzeit deutlich relativiert und reduziert sich pro Sprecher auf lediglich noch vier bis maximal acht Minuten. Die Aussagen fallen dementsprechend weitgehend oberflächlich bis nichtssagend aus, enthalten viel Lobhudelei für die Kollegen, transportieren platte persönliche Einschätzungen der damaligen Zeit und enthalten ansonsten lediglich die Wiedergabe von Filminhalten. Die B-Roll bietet zwar einen visuellen Einblick in die Dreharbeiten, ist aber völlig unkommentiert und gibt nur ellenlang bereits bekannte Szenen aus dem Film wieder. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Good“ ist ein oberflächliches, geradezu banal sowie naiv anmutendes Geschichtsdrama zur Zeit des Nationalsozialismus. Das gut gemeinte Ziel, die langsame Einbindung vermeintlich unbescholtener Bürger in die verbrecherischen Machenschaften nationalsozialistischer Ausprägung zu dieser Zeit nachzuzeichnen, scheitert jedoch auf ganzer Linie, vor allem am in Marginalien abschweifenden, drögen und dramaturgisch weitgehend hilflosen Drehbuch. Technisch kann die Blu-ray ebenfalls nicht wirklich überzeugen, auch wenn das wahrscheinlich zu einem guten Teil den Stilmitteln des Films geschuldet ist, enttäuscht aber auch hinsichtlich des Bonusmaterials.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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95:49 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1 | Englisch DTS-HD Master Audio 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Deutscher Trailer
- Englischer Trailer
- Interviews mit den Darstellern Viggo Mortensen, Jason Isaacs, Jodie Whittaker, Steven Mackintosh und Mark Strong, Regisseur Vicente Amorim, Produzentin Miriam Segal, Drehbuchautor John Wrathall, Komponist Simon Lacey, Ausstatter Andrew Laws, Sprachtrainer Andrew Jack und Kostümdesignerin Györgyi Szakàcs
- B-Roll
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Good
Good
Fatal banal und für den Zuschauer dramaturgisch auch eher eine Qual
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien / Deutschland, 2008 Regie: Vicente Amorim Drehbuch: John Wrathall (basierend auf einem Theaterstück von C.P. Taylor) Darsteller: Viggo Mortensen, Jason Isaacs, Jodie Whittaker, Steven Mackintosh, Mark Strong, Gemma Jones, Anastasia Hille, Ruth Gemmell
Label :
Ascot Elite
Verkaufsstart : 19.08.2011
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