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DVD-Besprechung - Middle Men
Story:
Der Geschäftsmann Jack Harris (Luke Wilson) ist der perfekte Problemlöser für andere Leute und er besitzt einen guten Riecher für lukrative Geschäfte. Als die beiden zugedröhnten Genies Wayne Beering (Giovanni Ribisi) und Buck Dolby (Gabriel Macht) in einem lichten Moment den sicheren softwarebasierten Kreditkartenzahlungsverkehr über das Internet realisieren, wird das World Wide Web zum Nirvana für Pornoproduzenten und deren kostenpflichtige Dienstleistungen. Und sie verdienen kräftig dabei mit. Dann bekommen sie jedoch massiven Ärger mit ihrem neuen Teilhaber, der Russenmafia. Der Anwalt Jerry Haggerty (James Caan) vermittelt daraufhin den Kontakt zu Jack. Der überführt ihr Geschäftsmodell in die geordneten Bahnen eines professionellen Großunternehmens und legt somit einen kometenhaften Aufstieg hin. Dadurch vernachlässigt er aber auch zunehmend seine Familie.
Meinung zum Film:
„Middle Men“ wurde von Christopher John Mallick („Exxxit: Life After Porn) produziert. Er ist der Besitzer und CEO von ePassporte, N.V. - registriert in Curaçao, einem Inselteil der Niederländischen Antillen -, einem e-commerce-Unternehmen, das Zahlungen und Überweisungen mit Hilfe des Internets ermöglicht. Das Unternehmen wurde jedoch am 7. Oktober 2010 aufgelöst und scheinbar ging dabei nicht alles mit rechten Dingen zu. So scheinen Kunden des Unternehmens um Millionen von Dollar geprellt worden zu sein und es besteht der Verdacht, dass diese Millionen von Mallick dazu genutzt wurden, mit seinen Firmen Mallick Media / Oxymoron Entertainment Filme wie „Middle Men“ zu produzieren. Der vorliegende Film basiert nun auf Mallicks geschäftlichen Erfahrungen mit der Porno-Industrie auf Basis seiner Tätigkeit als vertrauenswürdiger „Mittelsmann“, der die weltweiten kreditkartenbasierten Zahlungen für deren Internetdienstleistungen überhaupt erst ermöglichte. Der Trubel um seine Firma und die zweifelhafte Finanzierung des Films half „Middle Men“ an den Kinokassen jedoch nicht wirklich. In den USA lief der Film mit einem Budget von immerhin 22 Millionen Dollar nur drei Wochen in den Kinos und spielte lediglich rund 733.000 Dollar ein. In Deutschland kam der Film gar nicht erst in die Kinos und er wird auch nicht auf Blu-ray veröffentlicht.
Dabei konnte Regisseur und Co-Autor George Gallo („Lauschangriff - My mom's new boyfriend) bei der Realisierung des Projekts eine bis in die Nebenrollen überzeugend besetzte Darstellerriege aufbieten. Während der eher auf Komödien spezialisierte Luke Wilson („Die Super Ex“) die Hauptrolle übernahm und wiedermal weitgehend einen bodenständigen „Normalo“ verkörpert, spielen ihn prominente Nebendarsteller wie James Caan („Misery“) als schmieriger Anwalt, Giovanni Ribisi („The Big White“) und Gabriel Macht („The Spirit“) als drogenkonsumierende Chaoten, die auch aus „Fear and Loathing in Las Vegas“ entlaufen sein könnten, Kevin Pollak („Die üblichen Verdächtigen“) als unkonventioneller FBI-Mann oder Rade Serbedzija („The Eye“) als unberechenbarer Don der Russenmafia beinahe an die Wand. Der Film selbst nimmt es, trotz entsprechender Versicherungen, mit der Wahrheit bzw. Realität sicherlich nicht besonders genau und stellt einen typischen „Rise-and-Fall“-Vertreter dar. Die Hauptperson legt einen gewaltigen Aufstieg hin, verliert irgendwann total die Bodenhaftung und kehrt schließlich mehr oder weniger reumütig, aber um einige Erfahrungen reicher, in sein altes Leben zurück, als sich die Gelegenheit dazu bietet. Diese Art von Geschichte wird gerne im Genre des Gangsterfilms erzählt, bekannte Vertreter sind hier Scorseses Werke „GoodFellas“ oder „Casino“. „Middle Men“ streift zwar ebenfalls die Sphäre der Unterwelt, neben der Russenmafia spielt auch das FBI eine größere Rolle, letztendlich dominiert aber erst mal ein gewisser „Startup“-Charakter. Startups und Internet, das erinnert natürlich an „The Social Network“, allerdings geht es hier etwas „erwachsener“ zu, wird hier doch immerhin der weltweite Siegeszug des Internets als pornographischem Rundum-Sorglos-Paket thematisiert.
Dabei arbeitet der Film nach dem Muster bekannter Vorbilder, das bedeutet eine nicht-chronologische, kommentargestützte Erzählweise, verbunden mit ständigem Wechsel der Zeitebenen sowie Flashbacks, eine grelle, durchgestylte Bildsprache, die häufige Verwendung von Montagetechniken, eine sehr lebendige Kameraführung mit häufigen Perspektivenwechseln nebst Schwenks und eine große Anzahl materieller Schauwerte als Ausdruck des Glamours. In diesem Fall bedeutet das natürlich auch ein gewisses Maß an nackter Haut. Problematisch wird dieser handwerklich gekonnte Griff in den Genrebaukasten allerdings dadurch, dass vor allem große Vorbilder zitiert werden und der Film ein wenig unentschlossen zwischen Komödie (Filmbeginn/Charaktere Wayne und Buck), Thriller (Mittelteil/Finale/Russenmafia) und Drama (Absturz des Helden/Beschließende Moral der Geschichte) hin- und herschwankt. „Middle Men“ wirkt zwar durchgehend unterhaltsam, ihm fehlt aber das gewisse Etwas. Weiterhin liefert der „Männerfilm“ leider ein Finale Furioso verlogener bürgerlicher Doppelmoral und transportiert ein sehr fragwürdiges, eindimensionales Frauenbild.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVD überzeugt mit guter Bildschärfe, kräftiger Farbgebung, die durch entsprechende Einfärbung stets viel zeitgenössisches Flair verbreitet, und ausgewogenen Kontrastwerten. Bildrauschen ist vorhanden, fällt aber nicht störend ins Gewicht. Aufgrund der sehr aktiven bzw. lebendigen Kameraführung und der nicht immer optimalen Kompression sind allerdings auch leichte Bewegungsunschärfen auszumachen. Alle Tonspuren klingen gut verständlich und ausgewogen abgemischt, allerdings auch sehr frontlastig. Auch beim Sound und der Musikuntermalung wäre eine etwas druckvollere Aufbereitung wünschenswert gewesen.
Auf der DVD befindet sich ein Audiokommentar von Regisseur George Gallo, Editor Malcolm Campbell und Kameramann Lukas Ettlin, der wahlweise von deutschen oder englischen Untertiteln begleitet wird. Die drei Verantwortlichen vermitteln hier relativ detailliert interessante Hintergundinformationen zum Film, der Vortrag hätte allerdings durchaus lebendiger ausfallen können. Themengebiete umfassen z.B. handwerklich-stilistische Bereiche wie den Schnitt bzw. die Montagetechniken oder die Kameraführung. Weiterhin befinden sich auf der DVD noch drei „Entfernte Szenen“ (5:35), kurze Outtakes (1:36) und eine total überflüssige „Slap Montage“ (0:55), die lediglich Ohrfeigenszenen aus dem Film montiert, alle mit deutschen Untertiteln. Die Veröffentlichung besitzt kein Wendecover.
Fazit:
„Middle Men“ ist die Geschichte eines bahnbrechenden Startup-Unternehmens, eines kometenhaften Aufstiegs seines Gründers und dem fehlender Bodenhaftung geschuldeten zwangsläufigen Absturz aus diesem Olymp. Dabei schwankt das Werk zwischen Komödie, Drama und Thriller hin und her, zitiert gerne große Vorbilder und wirkt zwar handwerklich reif, aber auch irgendwo austauschbar. Gerade die schillernden Charaktere und sehr gut aufgelegten Nebendarsteller sorgen jedoch teilweise für einen hohen Unterhaltungswert, auch wenn der gesamte Film eindeutig einer „Räuberpistole“ deutlich näher kommt als einer auf wahren Geschehnissen beruhenden, realitätsnahen Darstellung.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,40:1
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107:33 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 | Türkisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch, Türkisch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar von Regisseur George Gallo, Editor Malcolm Campbell und Kameramann Lukas Ettlin
- Entfernte Szenen
- Outtakes
- Slap-Montage
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Middle Men
Middle Men
"South Park" hatte doch recht: "The Internet is for Porn!"
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2009 Regie: George Gallo Drehbuch: George Gallo, Andy Weiss Darsteller: Luke Wilson, Giovanni Ribisi, Gabriel Macht, James Caan, Rade Serbedzija, Laura Ramsey, Kevin Pollak, Terry Crews, Kelsey Grammer, Jacinda Barrett, Robert Forster
Label :
Paramount Home Entertainment
Verkaufsstart : 21.07.2011
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