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DVD-Besprechung - Dinge, die von Bäumen hängen

Story:
Der achtjährige Tommy (Cooper Musgrove) hat kein leichtes Leben. Von seiner Mutter (Deborah Kara Unger) vernachlässigt, von dem Nachbarsjungen Bear (Ryan Parker) drangsaliert und der permanenten Verfolgung des fanatisch religiösen Friseurs (Daniel van Bargen) ausgeliefert, zieht er sich immer mehr in seine eigene Traumwelt zurück, in der er ein wenig Geborgenheit empfindet. Sein einziger Freund und Beschützer ist der Obdachlose Ump (Peter Gerety), doch auch ihm vertraut Tommy nicht wirklich. Niemand ahnt, dass hinter der Verschlossenheit des Jungen weitaus mehr steckt, als die üblichen Schikanen, die er durchmacht. Als sein Vater (Ray McKinnon) nach Jahren der Abwesenheit wieder auftaucht, droht die Situation zu eskalieren.

Meinung zum Film:
Regiedebütant Ido Mizrahy versucht mit „Dinge, die von Bäumen hängen“ eine Geschichte um den verletzlichen Tommy aufzubauen, dessen Grundthematik in der permanenten Einsamkeit zu liegen scheint, die durch nichts durchbrochen werden kann. Das Drehbuch stammt, wie auch der gleichnamige Roman aus der Feder von Aaron Louis Tordini, womit eine größtmögliche Nähe zur literarischen Vorlage gewährleistet sein sollte. Aber auch Tordini ist ein Neuling auf dem Gebiet des Drehbuchschreibens, was vermutlich die Ursache dafür ist, dass bei der Ausarbeitung der Charaktere nicht die Tiefe erreicht wird, die eigentlich angestrebt wurde. Somit bleiben die Probleme lediglich an der Oberfläche erkennbar, was es dem Zuschauer schwer macht, eine Identifikationsmöglichkeit zu finden. Dies ist denn auch das Dilemma des Films, der somit ein Drama ohne wirklichen Spannungsbogen und ohne echten Tiefgang darstellt.

Dabei liegt es nicht an den agierenden Darstellern, die ihr möglichstes tun, um dem Film gerecht zu werden, dass die Zerrissenheit und die Einsamkeit der Akteure nicht sichtbar wird. Mit einer Vielzahl von skurrilen Eigenschaften wirken die Bewohner der Kleinstadt geradezu aus der surrealen Welt von „Alice im Wunderland“ entsprungen. Vor allem die großartige schauspielerische Leistung von Cooper Musgrove, der den vereinsamten und traumatisierten Tommy spielt, zeigt, dass der Film viel mehr hätte bieten können, als er es tatsächlich tut. Auch Daniel van Bargen, als erfolgloser Friseur, der sich aufgrund seiner Einsamkeit in den religiösen Fanatismus geflohen hat, trägt mit seiner Leistung einiges dazu bei, dass der Zuschauer wenigstens eine Ahnung von dem Abgrund hinter der menschlichen Fassade erhält. Doch Mizrahy gelingt es nicht, diese Leistungen in ein stimmiges Gesamtbild zu setzen, was dem Niveau des Film schadet.

Tommys Trauma wird dem Zuschauer erst durch einige Rückblenden erzählt. Somit erhält sein Verhalten einen stichhaltigen und erschreckenden Grund. Doch die Verhaltensweisen der anderen Protagonisten nur mit der Grundformel der Einsamkeit zu erklären, scheint für dieses Drama mit vermeintlich hehrem Anspruch ein wenig zu simpel. Die Verzweiflung der Mutter und ihr abnormes tägliches Verhalten, als lebende Schaufensterpuppe zu agieren, wird nicht erklärt, ebensowenig die tiefe Grausamkeit, die Tommys Vater bewegt. Auch die Geschichte des Obdachlosen Ump bleibt ein Rätsel und sein Verhalten erklärungsbedürftig. Es sind einfach zu viele Fragezeichen vorhanden und keinerlei Hinweise, die den Sinn des Geschehens erklären würden, was letztlich den Zuschauer verwirrt und ihm den Zugang zu den Ereignissen verweigert. Darunter leidet letztlich die Glaubwürdigkeit des Films, der somit nicht die Qualität eines durchdachten Dramas erreichen kann.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild hat eine gute Qualität. Die Farbqualität hält ein konstant hohes Niveau, was vor allem durch die natürliche Gesichtsfarbe der Protagonisten deutlich wird. Auch der Kontrast wirkt durchgehend ausgewogen. Allerdings gibt es leichte Lautstärkeschwankungen im Ton. Davon ist auch der Mix zwischen Hintergrundgeräuschen, Dialogen und Musik betroffen, da manchmal die Hintergrundgeräusche lauter aus den Boxen tönen als normal und somit die Dialoge kaum noch verständlich sind.

Die DVD enthält keine Extras.

Fazit:
„Dinge, die von Bäumen hängen“ ist ein oberflächliches Drama, das es nicht schafft den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Auch der hervorragenden Leistung einiger Schauspieler gelingt es nicht, die Defizite des Regisseurs und seines Drehbuchautors zu überdecken. Zuviele Rätsel, oberflächliche Figurengestaltung und unerklärte Tatsachen verweigern dem Zuschauer einen Zugang zum Geschehen, was dem Film nur zum Nachteil gereicht.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
93:26 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • -
Dinge, die von Bäumen hängen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Dinge, die von Bäumen hängen
Things That Hang from Trees

Bild unseres Mitarbeiters Yatiker Yildiz
Weit, weit von Shakespeare entfernt!


Autor der Besprechung:
Yatiker Yildiz

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2005
Regie:
Ido Mizrahy
Drehbuch:
Aaron Louis Tordini
Darsteller:
Cooper Musgrove, Peter Gerety, Laila Robins, Daniel von Bargen, Jason Antoon, Yul Vazquez,Antony Del Rio, Gail Borges, Dorothy McKinnon, Larry Melfi, Michael Marinaccio, Ryan Parker, Deborah Kara Unger, Ray McKinnon

Label Deutschland :
Infopictures
Verkaufsstart Deutschland :
24.06.2011